Afrika ruft

Seit 2013 sind wir wieder in Deutschland.

Viele, die unseren Blog auf hasott.de.to (Durch Afrika) verfolgten, baten uns, wieder zu berichten. Nun werden die Rufe Afrikas immer lauter und wir befinden uns in der lauwarmen Phase der Vorbereitung für eine neue Tour in Afrika.

Den Toyo haben wir repariert, herzlichen Dank an alle Freunde, die uns geholfen haben.
Auf unserer Afrika-Umrundung hatte er doch schwerer gelitten, als wir geglaubt hatten. Nicht nur die Vorderachse musste ausgebaut und geschweißt werden, auch der Zusatztank hatte sich gelöst und hing nur noch an einer Schraube am Bodenblech, das neu eingeschweißt werden musste. Eine neue Aufhängung des Tanks am Rahmen – von Oliver konstruiert und gebaut – soll verhindern, dass er sich wieder verabschiedet.
Die Batterien hatten sich zu oft tiefentladen, wenn das Wetter zu schlecht war für die Solarzellen, so dass neben einer verstärkten Lichtmaschine eine Zusatzbatterie eingebaut wurde. Auch den Bord-PC haben wir erneuert, mit einem neuen Bildschirm.
Und ein Heckzelt haben wir uns angeschafft, dass den bewohnbaren Raum verdoppelt. Leider ist das verpackte Zelt groß wie ein Wagenrad, so dass es den Innenraum vollständig ausfüllte, hätten wir nicht eine Halterung auf die Motorhaube gebastelt, die aussieht, wie eine Paellapfanne und den Toyo nicht verschönert. Diese schnell und einfach aufzubauende Zelt bescherte uns Alpträume.
Die Anleitung besteht aus mehreren Seiten Piktogrammen. Ganz einfach also. Etwas, was auch Analphabeten verstehen. Wir bauten dieses Teil innerhalb zwei Stunden im Garten auf. Standen danach nicht nur im Schweiß, sondern auch kurz vor der Scheidung. Nach einigen Beruhigungsbieren machten wir uns daran dieses Zelt wieder zusammenzulegen. Nach zwei Stunden suchte ich im Internet nach einer verständlichen Anleitung, die ich bei YouTube in Form eines Videos fand. Gespannt saßen wir vor dem Video und holten nach einer weiteren Stunde vergeblicher Mühe dieses Elendszelt zusammenzubauen Olihilf. Olli betrachtete die Pictogramme, verstand und begriff die kryptischen Zeichnungen und schwupps war das Schnell – Zelt schnell zusammengepackt.
Der Camping auf der Abenteuer-Allrad-Messe sollte die Feuertaufe für unser Zelt werden. Wir brachten das Zelt wieder nach Hause indem wir es, nachdem wir die Zuschauer köstlich amüsiert hatten, zerknüllt in den Toyo stopften. Ollihilf legte es dann im Garten schwupps zusammen. Wir richten uns darauf ein, ihm einige Flüge nach Afrika zu spendieren.

Zelt am Toyo

Mafra Tours (http://www.mafratours.eu/) soll unseren Toyo nach Mombasa bringen, mit einem Grimaldischiff, Roll on Roll Off, das neue Autos von Europa nach Asien bringt. Nach einigen Telefonaten erfahren wir den Schiffsfahrplan, den wohl die Reederei erst ziemlich kurzfristig vor Abfahrt der Schiffe rausrückt. Dummerweise fährt der Dampfer nicht durch den Suezkanal sondern um Afrika herum, was die Reisedauer doch erheblich verlängert.
Wir sind zur Taufe von Emil, genannt Ryangombe den Sohn von Louise und Paul in Kigali (Rwanda) am 15.08. 2016 eingeladen. (Wer mehr über Ryangombe wissen will, muss googeln) Um pünktlich zu sein, müssen wir das Schiff buchen, das am 28.06. 2016 in Hamburg ablegt. Einen Monat später soll es in Mombasa sein. Inshallah.

Fronleichnam  ist genau der richtige Zeitpunkt, um damit zu beginnen, den Toyo zu packen und zu schauen, wo manche Dinge besser zu verstauen sind. Die neuen größeren Stühle und den Tisch habe ich schon unter die Decke gehängt, die lange, teure, gelbe Nabelschnur für den 220 Voltanschluss hat Platz im „Kistenkanister“ gefunden, der wieder mit der Spezialhalterung an den Reservereifen kommt, und die neuen Unterlegkeile kommen vorne auf die Wasserstoßstange, wo sie am einfachsten zu klauen sind.
Unsere gute, dreißig Jahre alte, verrostete Engelkühbox habe ich in den Toyo gewuchtet, wo sie am 12 Voltanschluss nichts tat. an 220 Volt kühlt sie wie der Benguelastrom. Der 12 Volt-Stecker ist wohl kaputt. Im Internet habe ich ein neues teures Kabel gekauft, in der Hoffnung, dass damit wirklich der Schaden behoben sein wird. Und weil ich gerade im Internet bin, habe ich auch das Schiff nach Mombasa verbindlich gebucht. Am 23.06. 2016 müssen wir den Toyo in Hamburg abliefern.
Damit kommen wir in die heiße Phase unserer Vorbereitungen.

Unsere liebgewonnene Kühltruhe ist im Eimer. Mit Tränen in den Augen habe ich sie ausgemustert.
Die neue teure Engelbox ist zu hoch, so dass wir sie verschieben müssen, wenn wir die Schublade öffnen wollen. Lästig, aber jetzt nicht mehr zu ändern.
Wir wissen, dass die Zeit vor der Abreise immer knapp wird. Deshalb haben wir bereits jetzt Fleischkonserven als eiserne Notration gebunkert, die wir in keinem Land Afrikas gefunden haben. Corned Beef gibt es in Mengen, aber kein Gulasch o.ä. Auch unseren „Weinkeller“ haben wir aufgefüllt, wir wollen ja nicht darben unterwegs.

Von bisher unbekannten Österreichern erhielten wir eine Mail. Die beiden haben „hasott – Durch Afrika“
http://hasott.de.to/ gelesen und haben wie wir die Westafrika – Route erfolgreich befahren. Mit einem Defender (!) Sie sind nun in Malawi. Vielleicht treffen wir uns in Mombasa. Sie wollen ungefähr zu der Zeit, in der wir ankommen, die Strände am Indischen Ozean genießen.
Ihre Fahrt beschreiben sie auf ihrer tollen Website
https://afrikabisunten.wordpress.com/afrika_bis_unten/

Wir packen alles was sonst außen am Toyo befestigt ist in das Auto. Die beiden Reservereifen passen mehr schlecht als recht zwischen die Sitzbänke. Die Sandbleche kommen auf die Sitzbänke. Unser aufgeschnittener Kanisterkasten passt auch irgendwie.

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Am 23. Juni sollen wir mittags den Toyo am Schuppen 80 in Hamburg abgeben. Sigrid fährt mit dem Renault nach Hamburg über Hannover, weil ihr TomTom ihr das so zeigt, ich mit dem Toyo über Bremen, weil mein Garmin mir das so zeigt. Ein gemeinsames leckeres Mittagessen bei McDonnalds fällt also aus.

Es ist heiß in Hamburg. Dreißig Minuten früher als ich, ist Sigrid beim Hotel „Deutsches Haus“ angekommen, der Renault steht auf dem Parkplatz. Das nette, dünne Mädel an der Rezeption hat meine Frau noch nicht gesehen und überhaupt gäbe es keine Buchung auf unseren Namen. Sigrid hat die Buchungsbestätigung im Koffer und der ist, wie Sigrid nicht da. Zeit ein Bier zu trinken; und siehe, gerade als es frisch gezapft wird, erscheint meine holde Gattin mit Koffer. Sie wollte mir entgegengehen und ist wohl in die falsche Richtung (Hannover) gelaufen. Mit der Buchungsbestätigung tauche ich, nach dem Bier, wieder bei der netten Dünnen auf, die den Zettel konzentriert betrachtet und, sich entschuldigend, zur Klärung der Buchung verschwindet. Nach dem nächsten Bier ist sie freudestrahlend wieder da und verkündet, sie habe ein schönes Zimmer für uns im Nebengebäude. Wir finden das Zimmer im Souterrain und beschließen es rückwärts zu betreten, damit wir vorwärts wieder hinausgehen können. Es ist doch reichlich eng um die Hüften. Die Großmuttertapeten an den Wänden entschädigen für den Blick aus dem Fenster auf die Reifen des dort geparkten LKWs. Da jede Bewegung außerhalb des Bettes in diesem Zimmer zu blauen Flecken führt, gehen wir in das Stadteilcentrum und kehren bei einem „Döner gibt es nicht aber Gyros“ ein. Zu uns gesellt sich ein Paar, sie ziemlich glatzköpfig, er mit Matte und Pferdeschwanz. Das Paar wurde von der Tochter in eine Seniorenwohnung neben dem Kohlekraftwerk verfrachtet, wo sie totunglücklich sind, an Asthma leiden, ständig den Ruß vom Kraftwerk von den Wänden wischen und auf Ole von Beust schimpfen.

Nach einem wirklich leckeren Gyros, das kein Döner ist, und nach einem Eiskaffee neben einem Zebrastreifen, an dem die Autos anhalten und warteten bis irgendwann jemand die Straße überquert, essen wir lecker im Restaurant. Im Winzzimmer schauten wir Fußball abwechselnd. Das Zimmer war zu klein, als dass wir gleichzeitig hätten gucken können.

23ster Juni. Der Tag, an dem wir uns vom Toyo verabschieden. Das Navi führt uns zur Köhlbrandbrücke, die wir überqueren sollen. Sigrid fährt brav hinterher. Baustelle auf der Brücke! Die Abfahrt zum Schuppen 80, wo wir den Toyo abgeben sollen, ist gesperrt. Eine Umleitung ist ausgeschildert, der wir folgen. Wir kurven auf kleinsten Straßen gemeinsam mit verzweifelten LKWs durch unübersichtliches Hafengelände bis wir einen kleinen Container hinter einem Zaun finden. Vor dem Zaun stehen etliche polnische Schrottautos auf der Ladefläche von etlichen polnischen Schrotttransportern. Freudig fahren wir beide Autos auf das umzäunte Gelände, was einen knurrigen Cerberus hinter den bereits dort geparkten Autos hervorlockt. Ehe wir uns versehen, hat er, als Chef dieses Geländes, unsere Autos wieder vor den Zaun gescheucht. Demütig nähern wir uns dem Fenster im Container, in dem der Herrscher dieses Platzes verschwunden ist. Er betrachtet unsere Papiere, klimpert auf der Computertastatur und teilt grinsend mit, dass er unser Auto nicht kennt.

Unter tropischer Hamburger Sonne tippe ich die Nummer von Mafra-Tours mit schweißnassen Fingern ins Handy. Er Franz ist not amused, will sich aber kümmern. Ob wir denn schon beim Zoll gewesen seien, er habe uns doch eine Mail geschrieben. Sind wir nicht. Sigrid drückt dem Herrscher über den Platz 5 Euro in die Hand, was diesen verwundert, seine Laune aber spürbar bessert, so dass er uns den Weg zum Zoll beschreibt. Über die Köhlbrandbrücke und dann sei da ein großes weißes Gebäude.
Wir lassen den Renault zwischen dem polnischen Schrott stehen, springen in den Toyo und suchen verzweifelt die Auffahrt auf die Köhlbrandbrücke. Kurz vor der Autobahn finden wir eine Wendemöglichkeit. Wir stürzen uns in den Gegenverkehr, werden kurzfristig zum Geisterfahrer und stehen im Stau auf der Auffahrt zur Köhlbrandbrücke.

Das große weiße Zollgebäude auf der rechen Seite ist ein roter Backsteinbau. Nur sehr verschämt ist ein Schild angebracht, dass auf den Zoll hinweist. Im ersten Büro sitzt ein schwitzender Beamte, der uns sofort nach einem muffligen Moin mitteilt, er mache hier nur in Klopapier, was immer das bedeuten sollte, wahrscheinlich eine hanseatische Nomenklatur, wir sollen in das große Gebäude gehen, in den fünften Stock. Vor dem großen Gebäude stehen zwei rauchende und schwitzende Zöllner, die uns freundlich und bereitwillig erklären, dass für die Ausfuhr von Autos der Zoll am Windhukkai zuständig sei. Leicht zu finden: Über die Köhlbrandbrücke, bis zum Verschiebebahnhof und dann rechts. Wiederum wenden wir irgendwo zwischen wütenden schwitzenden Hamburgern den Toyo, um den Stau der Brücke zu erreichen. Wir erreichen auch den Windhukkai und den großen Parkplatz vor dem Zollgebäude. Drinnen finden wir eine langgestreckte Schalterhalle mit 21 unbesetzten Schaltern. Am 22sten stehen einige Transporteure an, die von einem gelangweilten mit dicken Backen kauenden Beamten betrachtet werden, der aber auch bald hinter einer Milchglasscheibe verschwindet. Schatten weiterer Uniformträger sind schemenhaft zu erkennen, Gelächter klingt aus dem Büro, sonst nichts.
Gebannt starren wir wie die anderen wartenden Bürger dieses unseres Landes auf den leeren Schalter und die Schemen im Nebel, als ein dünnes Stimmchen in unserem Rücken fragt, ob es uns helfen kann. Eine kleine Maid in grauer Uniform mit gelber Warnweste zum besseren Auffinden. Wir erklären, dass wir den Toyo gerne nach Kenya verschiffen wollen. Sie nimmt unser Carnet des Passges, die Quittung unserer Zahlung für den Transport des Autos, die Wegbeschreibung zum Schuppen 80 und verschwindet im Nebel der Milchglasscheibe.
Nach langen Minuten erscheint die Warnweste wieder und fragt, ob das Auto aus Kenya schon angekommen sei und wir es dabei hätten. Wir fühlen uns wie in Afrika. Es ist heiß, wir schwitzen, wir warten, und unser Begehr wird nicht verstanden. Also für die Warnweste noch einmal. Das Auto soll nach Kenya verschifft werden und es steht auf dem Parkplatz. Gefühlte Stunden später taucht sie aus dem Milchglas auf mit unseren Papieren in der Hand, lächelt uns entschuldigend zu, das käme nur einmal im Jahr vor, und verschwindet hinter der Milchglasscheibe gegenüber.
Mir reicht`s. Ich rufe Mafratours an und erkläre Herrn Franz, dass vom Zoll keiner etwas mit dem Carnet anfangen könne. Zur selben Zeit konferiert Sigrid mit einem Zollbeamten, der ihr erklärt, dass der Zoll gar nichts machen muss, da wir ja alle Papiere hätten. Herr Franz allerdings, möchte ein Foto der ersten Seite des Carnets haben. Zurück am Toyo fotografieren wir das Carnet und schicken es an Herrn Franz von Mafra-Tours. Dabei finde ich eine sms von ihm, in der er bittet, ein Fax mit der ersten Seite des Carnets an eine Hamburger Nummer zu schicken.
Wir finden den Stau auf der Köhlbrandbrücke. Von dieser Seite können wir direkt zum Schuppen 80, den wir von dieser Seite natürlich nicht auf Anhieb finden. Endlich, nach drei Stunden, sind wir wieder beim Herrscher des Platzes, der Schuppen 80 heißt. (Der Platz, nicht der Herrscher)
Er hat kein Faxgerät und möchte, nachdem er das Carnet mit den vielen identisch-leeren Seiten durchgeblättert hat, eine Seite rausreißen. Nur mein lautstarker Protest hindert ihn daran. Das Gefühl schon in Afrika zu sein verstärkt sich. Sigrid hat Herrn Franz am Handy. Es gäbe hier kein Faxgerät, erklärt sie, und der Zoll hat sich letztlich nicht für uns interessiert . Die Antwort war Schweigen.
Wir bekommen eine Quittung für unseren Toyo, auf der dick gestempelt darauf hingewiesen wird, dass für Totalverlust oder Beschädigungen kein Haftung übernommen wird. Wir bauen noch die Radioblende ab und das Navi aus, lassen den Schlüssel im Zündschloss stecken und verabschieden uns vom Platzhirschen, der mit einem aufgelösten Jordanier verhandelt, der seinen BMW mit in den Urlaub nach Aqaba nehmen will.

Wir machen Hamburg und spazieren in brüllender Hitze durch die Speicherstadt, kaufen für Sigrid eine elendig teure Fjäll Räven Jacke, essen gut in unserem Hotel.
Es gießt am nächsten Morgen! Zum Frühstück im Haupthaus laufen wir unter dem Regenschirm. Es gießt weiter, als wir die Touristik GmbH finden, die uns keine Stadtrundfahrt verkauft. Es hört auf zu gießen, als wir am Hauptbahnhof die Stadtrundfahrtbusse finden, dafür wird es schwülheiß. Das Afrikafeeling hält an.
Stadtrundfahrt, danach Hafenrundfahrt, danach hard rock cafe an den Landungsbrückien mit vielen Harley Fahrern in Kutte und Ketten. Labskaus im Hotel und die letzte Nacht im Zwergenzimmer.
Die Rückfahrt nach Hause -über Bremen- gleicht einer U-Bootfahrt. Es gewitterte 400km lang.

Die supreme ace, so Mafra-Tours soll unser Auto nach Mombasa bringen. Das Portal „Port of Hamburg“ kennt dieses Schiff nicht. Auch die Grimaldi-Reederei, für die Mafra-Tours arbeitet, kennt das Schiff nicht. Bei „my fleet“ werde ich fündig. Die supreme ace, den Bildern nach ein moderner Fahrzeugtransporter, war gerade aus Zeebrügge abgefahren und befindet sich irgendwo in der Nähe von Helgoland. Auf der Seite von „Dakosy-Schiffahrten“ finde ich die supreme ace. Hier liegt sie in Hamburg. Ende der Beladung sei am 29.06. um 15:00 Uhr. Sie schippert aber gleichzeitig in der Nordsee.
Am nächsten Tag finde ich sie in Malmö. Andere Schiffe, auf die der Toyo verladen werden könnte, finde ich nicht. Am nächsten Tag finde ich bei MOL-ACE die supreme ace wieder. Hier kann ich den Fahrplan des Schiffes einsehen und kriege den Schlag.

Das Schiff kommt erst am 04.07.2016 in Hamburg an! Warum um alles in der Welt musste der Toyo schon am 23.06. in Hamburg abgegeben werden und steht seitdem offen auf dem Gelände des
Schuppen 80. Wir hoffen das Beste.

Vessel Discharge Voyage Load Voyage Port Arrival at Berth Dept from Berth
Supreme Ace 0031A 0031A Hamburg 04.07.2016 06:00 04.07.2016 14:00
Supreme Ace 0031A 0031A Sheerness 06.07.2016 06:00 06.07.2016 14:00
Supreme Ace 0031A 0031A Killingholme 07.07.2016 08:00 07.07.2016 21:00
Supreme Ace 0031A 0031A Antwerp – ICO(NMT) 09.07.2016 06:00 09.07.2016 14:00
Supreme Ace 0031A 0031A Suez 18.07.2016 11:00 19.07.2016 16:00
Supreme Ace 0031A 0031A Aqaba 20.07.2016 13:00 20.07.2016 20:00
Supreme Ace 0031A 0031A Jeddah 22.07.2016 08:00 22.07.2016 15:00
Supreme Ace 0031A 0031A Mombasa 02.08.2016 09:00 02.08.2016 16:00
Supreme Ace 0031A 0031A Dar Es Salaam 03.08.2016 06:00 03.08.2016 14:00
Supreme Ace 0031A 0031A Durban 07.08.2016 14:00 08.08.2016 00:00

Mombasa 29.07. 2016

Die Vögel kreischen über uns und suchen in den uns umgebenden Urwaldriesen ihren Schlafplatz. Die Bäume sind umrankt von großblättrigen Lianen, an denen sich kopfunter Flughunde festkrallen, die stumm, nicht so wie die lärmende Krähenschar, sich auf den nächtlichen Ausflug vorbereiten. Die ersten segeln schon durch das Blätterdach der Bäume. Die wummernden Bässe eines Elektronikgeschäftes, das mit Monsterlautsprecher versucht Kunden anzulocken, die nervtötenden schrillen Hupen der dreirädrigen TukTuks und der Motorenlärm der Autos gemeinsam mit den schreienden Vögeln mischt sich zum afrikanischen Konzert. Wir sitzen im Uhuru Park in Mombasa, dicht neben den überdimensionalen Stoßzähnen aus Blech, die die Moi Avenue überspannen.
Der Ruf des Muezzin erhebt das Konzert zum Crescendo. Mit gekonntem Tremolo lockt er die Gläubigen zum Gebet. Und die Männer eilen in weiße Nachthemden gehüllt an uns vorbei, die nackten Füße in den Flipflops klatschen. Nur eine Vollverschleierte geht gelassen wie ein Nachtgespenst in die verkehrte Richtung. Ihr folgt ein Knirps im Abstand von 10 Metern, der freudig mit den nackten Füßchen durch die Scheiße der Flughunde tappt. Der opernhafte Gebetsruf verklingt. Die Vollverschleierte kehrt zurück und hat ihr Gesichtstuch keck zum Stirnband umfunktioniert, um besser genussvoll ein Eis schlecken zu können.

Wir sind zurück in Afrika.

Mombasa Stoßzähne

Rückblende:

Als wir in Frankfurt aus dem Flugzeug steigen erwarten uns Helga und Winni, die noch zu Zeiten als es weder Taliban noch IS gab mit dem VW-Bus über Afghanistan, Indien bis Singapur gefahren sind. Den beiden brauchen wir nicht zu erklären, weshalb wir wieder auf Reisen gehen. Wir erzählen bis es Zeit wird den Flieger nach Mombasa zu finden. Winni, der Vielflieger, verzweifelt ein wenig an unseren Schwierigkeiten die Informationstafel zu deuten und hoppst herum, um mir beizubringen, dass dies, worauf er hoppst, das Terminal ist. Hier und jetzt, hopps, hopps. Wir haben es kapiert. Die beiden fahren zurück in ihr klein-Häuschen und wir steigen in das Flugzeug und bekommen unsere vorbestellten und teuer bezahlten Sitzplätze neben dem Notausstieg. Wir werden darauf hingewiesen, dass wir im Notfall die Tür aufmachen müssen. Dass wir das mal vorab üben wollen, wird uns streng verboten.
Nach acht Stunden schlafloser Langeweile landen wir in stockfinsterer Nacht in Mombasa. Es ist 4:50 Uhr. Da wacht nur der Muezzin, die freundlichen und lustigen Immigrationsbeamten, die uns jeder 50$ für das Visum abknöpfen und der einzige Zöllner, der jeden Koffer von jedem geöffnet haben möchte. Das kann Ärger geben; denn schließlich haben wir in einem Koffer die für uns lebenswichtigen Medikamente für insgesamt 200 Tage und in dem anderen den CarPC, zwei Garminnavigationsgeräte, externe Festplatten und das Autoradio.
Der grimmige Zöllner ist, als wir an der Reihe sind genervt, und hat die Faxen dicke. Hat er doch gerade mühsam ein paar Geschenke auspacken lassen, was die Stimmung des betroffenen müden Reisenden auf ein Allzeittief sinken lässt. So wirft er nur einen schnellen Blick auf die T-Shirt, unter denen die Medis liegen, ignoriert unsere anderen Koffer und schon sind wir mit einem 30-Tage-Visum in Kenia eingereist.
Schnell tauschen wir 100$ und erhalten etwas über 10000 Keniaschilling und werden vom Taxivermittler angesprungen. 1500 will erhaben für die Fahrt ins PrideInn Hotel. Zu teuer! Ich biete 1000, was der normale Preis ist, und wir einigen uns auf 1100. Es ist voll auf Mombasas Straßen zu dieser Nachtzeit. Im Hotel findet keiner unsere Buchung, die wir über Tripadvisor getätigt haben. Das nette hübsche Mädchen gibt uns aber erst einmal, um 6 Uhr morgens ein klitzekleines sauberes Zimmer, mit Dusche und sauberer Toilette und aus der Wand hängender Elektroinstallation. Nur letzteres ist an dem afrikanischem Zimmer normal. Wir fallen verschwitzt in ein sauberes Bett, die Klimaanlage bläst 16° kalte Luft über uns. Sigrid schläft sofort, ich nicht, ich bin zu aufgedreht.

Am späten Vormittag machen wir uns auf die Suche nach dem Schiffsagenten. Im Cannon Tower 2 soll er im 9. Stock sein Büro haben. Wir halten ein TukTuk an, drei Räder, knatternder Motor Kamikazefahrer, und lassen uns zu der Adresse fahren. Der Cannon Tower 2, sei die Straße hoch, so die Security- Maid. Nach zwei Kilometer Straße hoch, fragen wir den nächsten Security-Menschen, die sitzen hier vor jedem wichtigen Gebäude, die Straße runter, meint dieser. Am Horizont sehen wir Hochhäuser. Wir vertrauen Security Nummer 1 und wandern weiter die Straße hoch, durch die blechernen Stoßzähne, die auf dem Fußweg installiert sind und die Passanten zwingt, sich vom  holprigen Gehweg hinabzubewegen auf die Straße, wo bei dichtem Verkehr die nicht unerhebliche Gefahr besteht, ruck zuck totgefahren zu werden. Joseph, so stellt sich später heraus, quatscht uns auf Deutsch an. Führer sei er, spräche Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch. Er wisse, wo wir hinmüssen. Nach einem Fußweg von etlichen Kilometer bei schlaffen dreißig Grad und durch drängelnde Menschenmassen, greifen wir nach diesem Joseph. Schon sitzen wir wieder in einem TukTuk und stehen wieder vor der hübschen Security-Maid im Canon-Tower. Sie habe uns doch gesagt, dass wir den Eingang nebenan, die Straße hoch nehmen sollen. Nebenan übernimmt Joseph das Kommando. Während er sonst mit mir Englisch spricht, spricht er in Gegenwart seiner Landsleute Deutsch. Bewundernde Blicke bleiben ihm allerdings verwehrt. Auch im Canon-Tower 2 kennt keiner die Adresse, die auf dem Bill of Loading angegeben ist, und mit dem wir unser Auto wiederbekommen sollen. Joseph bekommt eine vage Beschreibung, wo der Schiffsagent sein Büro haben könnte. Wir folgen ihm durch dreckige Gassen, wo die Ziegen den Müll fressen, fragen hier, fragen da, immer wieder ziehe ich das Dokument aus dem Rucksack, um die Adresse zu zeigen. Ein hilfreicher Gastwirt versucht die Telefonnummer, die dort angegeben ist anzurufen, die gibt es aber nicht (mehr). Endlich scheint nach Stunden ein junger Araber in zerrissenem Overall eine Ahnung zu haben. Wir folgen ihm um einige Ecken und stehen vor dem Sharaf-Building. Eine junge Frau in figurbetonendem schicken grauen Kostüm bringt uns ins Vorzimmer einer Büroflucht, in der einige andere Bittsteller bereits müde warten. Sie wundert sich über unser desolates nassgeschwitztes Aussehen und erklärt, dass hier Winter und es kalt sei.
Ja unser Schiff käme am Sonntag, so der Wichtige hinter dem Schreibtisch, aber Sonntag geht ja gar nichts. Am Montag sollen wir um 9:00 Uhr vorsprechen, das Carnet und ausreichend Knete mitbringen, vielleicht könnten wir dann unser Auto am Mittwoch bekommen. Das Bill of Loading behalte er schon mal da.
Wir haben Hunger. Unser karges trockenes Frühstück mit lediglich einer dünnen Tasse Kaffee hatten wir im Flieger nachts um drei.
Joseph ordert ein TukTuk und wir fahren zu einer modernen Galerie – Sicherheitskontrolle wie am Flughafen. Joseph möchte nichts essen. Er habe die Erfahrung gemacht, dass Touristen, die ihn zum Essen einladen, später weniger bezahlen. Er sieht uns winzige Stücke Rindlfleisch in labbrigen Dünnbrot essen, was ihn doch veranlasst sich einen Teller Reis mit Fleischsoße zu bestellen. Er sei Muslim, so erfahren wir. Er sei konvertiert, sonst hätte er seine muslimische Frau nicht heiraten dürfen, und nun haben sie drei Kinder. El hamdulillah.
Joseph bekommt 50 Dollar und das Versprechen, dass wir ihn anrufen, welches wir im selben Moment gebrochen haben.
Zurück im Hotel fallen wir ins Bett und schlafen. Nach ein paar Stunden rappeln wir uns auf und suchen eine Stelle, wo wir ein Sim-Karte kaufen können und finden eine Bretterbudenkneipe mit kaltem Tusker-Bier. Auf der Suche nach dem Restaurant, das im Reiseführer beschrieben ist, und das dort, wo es sein sollte nicht ist, finden wir den Uhuru Park und später das Restaurant Bela Vista, wo es kaltes Bier und Videos von halbnackten sich räkelnden Mädchen gibt. Neben der Großleinwand läuft ein Trupp verschleierter Nachtgespenster im Gänsemarsch entlang. Kurioses Mombasa. Wir nehmen uns vor, die anscheinend hier überall gepflegte Toleranz zu testen.

Mombasa 30.07. 2016

In unserem kleinen Zimmerchen schlafen wir gut, wie selten. Das Frühstück besteht bei mir aus roten Bohnen und Chicken Wings. Sigrid bevorzugt frische Mangos, Passionsfruchtsaft, Bananen. Das Nescaffepulver fülle ich anstelle mit heißem Wasser mit Tee auf. Nicht unbedingt empfehlenswert.

Der Umzug steht an. Wir werden verlegt in ein Superior Zimmer und sitzen auf gepackten Koffern auf dem Bett. Irgendwann kommt ein zierliches Mädchen, das unsere Koffer in eine Suite mit Badezimmer, Küche und Schlaf-Wohnraum schleppt. Die Klimaanlage, die in der kleinen Bruchbude eine arktische Kälte erzeugte, ist hier überfordert. Sie ackert, brummt und bläst, der Erfolg ist suboptimal.
Mombasas Sehenswürdigkeiten beschränken sich so ziemlich auf das Fort Jesus. Eine Befestigungsanlage der Portugiesen aus dem 16. Jahrhundert. Nach einem kurzen Blick auf die Karte im Führer marschieren wir los. Überqueren, wohl wissend wohin, Tod und Teufel nicht achtend Straßen, auf denen die Auto- und TukTuk-Fahrer sich verschworen haben, uns ins Grab zu bringen. Wir kommen in Gegenden, die man vielleicht meiden sollte, die Garküchen zwischen dem Müll am Straßenrand laden nicht zum Verweilen ein. Plötzlich stehen wir wieder am Cannon Tower. Nun beschleicht uns das Gefühl, dass uns der Führer in die Irre geleitet hat. Einen des Weges kommenden Polizisten fragen wir nach dem Weg, denn weit kann es ja nicht mehr sein zum Fort Jesus. Der betrachtet uns verschwitzten Mwuzungus mitleidig, hält ein TukTuk an, und gibt dem Fahrer die Anweisung uns zum Fort zu bringen. Der knattert los, drängelt sich durch den Verkehr in die genau andere Richtung. Am Fort Jesus entlässt er uns in die Arme dutzender Führer, die uns das Fort, die Altstadt von Mombasa, Kenia und den Rest von Afrika zeigen wollen.
Der Ticketverkäufer glaubt uns nicht, dass wir aus Tanzania sind, sonst hätten wir weniger Eintritt zahlen müssen. Zu unserer Überraschung erlässt er uns 300 KSH, als ich vehement und hartnäckig einen Rentnerrabatt einfordere.

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Es ist Mittag, die alten portugiesischen Mauern reflektieren die Hitze, wir schwitzen uns durch das Fort, der Akku der Kamera gibt den Geist auf. Draußen erkunden wir dann die Altstadt. Die Gassen sind manchmal so eng, dass wir kaum nebeneinander gehen können. Wir stolpern über den aufgebrochenen Boden, bemühen uns, in nicht abgedeckte Abwasserlöcher zu stolpern, vermeiden den Müll und finden auf einer Treppe hinunter zum Meer einen alten Mann, der seinen deutschen Antrag auf Rente ausfüllt. Er sei Seemann aus Deutschland und habe in Hamburg gelebt. Wir wünschen ihm Glück und Erfolg, klettern die rutschigen Stufen hinab zum Meer und finden in einer Grotte fünf Meter vom Salzwasser entfernt einen tiefen Süßwasserbrunnen, der eifrig genutzt wird.
Das Restaurant wird von Menschen betrieben, die nicht englisch sprechen. Ein halber Schwarzmensch aus UK übersetzt und wir bekommen Reis und eine doppelte Portion kleingeschnittenes Ziegenfleisch, liebevoll am Blechtisch serviert.
Erschöpft, verschwitzt, gesättigt vom üppigen Mahl, fahren wir im TukTuk ins Hotel und fallen ins Bett.
Zeit zum Abendessen. Ganz in der Nähe unseres Hotels haben wir eine weitere Bretterbudenkneipe gefunden, mit netten Bedienmädchen, die lauwarmes Tuskerbier verteilen. Und knapp daneben gibt es ein Restaurant, das Tische auf den Gehweg gestellt hat und an verschieden Grills auf Holzkohle Fleischstücke brät. Der Kellner, der uns sogar eine Speisekarte vorlegt, erklärt uns, dass dies eine muslimische Kneipe sei und sie kein Bier hätten. Wir bedeuten, dass wir unser Bier selber mitbrächten und dann nur unser Tisch haram sei und die anderen halal blieben. Er lacht sich kringelig und geht auf den Handel ein. Sigrid bleibt sitzen, ich sprinte los in die Bretterbudenkneipe und kaufe vier Flaschen Bier. Mit geöffneten Bierflaschen geben wir unsere Bestellung in der Muslimkneipe auf. Der Kellner ist deutlich reserviert. Nach einigen Minuten erscheint der grimmig guckende Patron, mit Muslimkäppi und rot gefärbten Bart und herrscht uns an, dass Biertrinken hier nun gar nicht geht. Ich erkläre ihm den Haramtisch und lobe Allah (el hamdulillah), was seinen Zorn nicht besänftigt. Nun verklickere ich ihm, dass in der zweiten Sure, die auch noch der Tisch heißt, in Vers 173 steht, dass er nur unseren Tisch unter Anrufung des Namens des Barmherzigen (bismillahhirahmanhirahim) reinigen muss, um ihn wieder „halal“ zu machen (ist gelogen). Er stutzt, lässt sich aber nicht beirren. Wir gehen, ich reiche dem zornigen Patriarchen die Hand, er nimmt sie zögernd.
In unserem Hotel gibt es ein Restaurant. An der Rezeption frage ich, ob wir unser Bier dort zum Essen trinken dürfen. Auf dem Zimmer ja, im Restaurant nein, das könne die anderen Gäste erschrecken.
Wir sind die einzigen Gäste im Restaurant und erschrecken uns mit Pepsi.

Mombasa bis Mwanza
Sonntag 31.07. 2016

Wir ziehen um in das größte Zimmer des Hotels. Besser drei Zimmer, Bad, Küche und Schlaf-Wohnraum, letzterer so groß, dass die keuchende Klimaanlage es nicht schafft die Butze auf angenehme Temperaturen zu kühlen.
An der Rezeption geben uns die netten Mädchen den Tipp, zum Hallerpark zu fahren, in der Nähe der Luxus-Strandhotels in Nyali. Mit dem TukTuk brausen wir los.
Der Hallerpark ist ein wenig gezähmte Wildnis. Die erste Attraktion ist die Fütterung der Giraffen. Für ein paar Shilling kann man eine Tüte Futter kaufen, welches die Giraffen dann mit blauen langen Zungen aus der Hand schlabbern. Eine Weißfrau zieht eine Show ab. Die arme Giraffe ist verzweifelt, weil die Tussi jedes Mal die Hand wegzieht, wenn sie ihre Zunge ausfährt.

Giraffe.jpg
Wir sehen Krokos im eingezäunten Fluss, zwei Hippos im eingezäunten Teich, einen Büffel und die größten aller afrikanischen Antilopen, Elenantilopen. Zum Schluss gibt es noch Schlange: große, kleine, giftige und ungiftige.
Nach einem kurzen Stopp des TukTuks im Acapulco, einer großen Bretterbudenkneipe, sind wir wieder im Hotel und beschließen noch einmal die Altstadt zu besuchen, die wir nicht wiederfinden. Stattdessen drängeln wir uns durch das Muslimviertel an der großen Moschee und werden im anschließenden Wohngebiet besaunt, wo wir aufpassen, dass wir auf keines der Kinder treten.
Abendessen im „Bella Vista“, dort dröhnt die Diskomusik, aber es gibt „Tusker“-Bier und gutes Essen.

Montag, 01.08.2016

Pünktlich um 9:00 stehen wir beim Schiffsagenten auf der Matte, der uns auf seiner Rechenmaschine vorrechnet, was wir denn nun noch so zu bezahlen haben. Er kommt auf 890$. Haben wir nicht dabei. Das mache gar nichts, wir sollen die Knete besorgen und dann wiederkommen. Zurück im Hotel plündern wir die Dollarreserven und TukTuken zurück. Der Typ sackt in seinem eisekalten, bewachten Büro die Knete ein, nimmt uns unser Carnet des Passage ab und vertröstet uns auf 16:00 Uhr. Pünktlich sind wir wieder da, nur um zu hören, dass unser Auto irgendwohin transportiert werden muss und heut gar nichts mehr geht, wir sollen mal morgen um 11:00 Uhr wiederkommen.
Essen im „Bella Vista“, der Kellner serviert uns, ohne dass wir etwas bestellen, zwei kalte „Tusker“.

Dienstag, 02.08.2016

11:00 Uhr: Wir sitzen im eisekalten Büro des arroganten Schiffsagenten, der uns mitteilt, wir sollen um 15:00 Uhr wiederkommen. Wollen wir nicht. Wir wollen zu unserem Toyo. Genervt findet er nach einer Stunde einen Fahrer, der uns zum Toyo bringen soll. Er fährt uns zum Hafen, dort zum Zoll. Nach einigen Sicherheitsüberprüfungen und nach dem Anlegen von gelben Warnwesten werden wir auf einen gesicherten Hof geführt, wo neben hunderten anderen Autos unser Toyo wartet. Sigrid meint, er habe mit dem Auspuff gewedelt, als er uns sah.
Ein Wichtiger und Gewichtiger gibt mir den Schlüssel für die Fahrertür, ich schließe vorne auf und Sigrid macht hinten die ehemals verschlossene, jetzt unverschlossen Tür auf und uns trifft der Schlag. Der Innenraum ist völlig durcheinander, uns fallen sterile Skalpells, aus meinem Notfall-OP-Besteck entgegen. Meine Hose liegt über den Reifen, eine Radmutter aus einem bestimmten Kästchen, liegt auf dem Spülkasten. Irgend ein Typ hinter mir sagt, dass sei der Zoll gewesen, die hätten kontrolliert.
Bevor wir den Schaden vollständig begutachten können, müssen wir den Schlüssel wieder abgeben und werden vor den stinkenden Toiletten zum Warten verdonnert.
Wir warten und betrachten die Zöllner, die hinter großen Schaufensterscheiben nicht ihre Arbeit machen. Um 16:00 Uhr ist unser Toyo an eine andere Stelle gefahren worden und wird uns präsentiert. Im Führerhaus fehlen die unter der Decke angebrachten Zeltstangen, die dazugehörige Plane unter Sigrids Sitz, die Leuchten an den Türen. Ich will den Verantwortlichen sprechen. Der Gewichtige erklärt mir in seinem Büro, die bösen Buben auf dem Schiff hätten uns beklaut. Wir dürfen vom Hof fahren. Nur gut, dass wir schon am Tag vorher eine Versicherung abgeschlossen haben, die ich vorzeige, sonst hätten wir den Toyo immer noch nicht bekommen.
Wir fahren den Toyo auf einen Parkplatz vor dem Zollhof und beginnen unter mitleidigem Blick des Typen von der Schiffsagentur das Auto aufzuräumen.
Wir holen die Reifen und den Hijack aus dem Auto und Sigrid findet im Kocher, der auf dem Kopf steht, Spanngurte, so dass wir die Sandbleche anbringen können. Die Schaufeln sind weg. Im Auto liegen Tablettenbliester verstreut umher, die wir soweit wie möglich einsammeln. Die neue Kühlbox hat eine Beule, der Deckel liegt daneben. Sie steht auf den Kompressorenschläuchen. Der eingebaute Kühlschrank läuft (!) ohne Deckel, der danebenliegt und versucht Afrika zu kühlen. Die Weinflaschen sind weg, was das kleinste Übel ist. Wir fahren im Dunkeln durchs chaotische Mombasa zum Hotel und gehen erst einmal essen ins „Bella Vista“. Im Hotel buchen wir das Zimmer eine weitere Nacht, da wir hier in der Großstadt versuchen wollen, die jetzt fehlenden Sachen zu kaufen.

Mittwoch, 03.08.2016

Der Schaden ist immens. Alle Klamotten sind weg, einschließlich Unterhosen und BHs und Handtücher, Wanderschuhe und meine Tevlasandalen. Wir finden eine Sandale von Sigrid, die sie wegwirft, ein Campingstuhl fehlt; Fernglas, Machete von Böker, Leatherman, alle Spanngurte usw, müßig, alles aufzuzählen. Dafür finden wir Haargummiringe und Klammern, die nicht Sigrid gehören.
Unser Freund Hans-Georg, der mit dem Outdoorladen in Mellrichstadt, muss helfen und Pakete an Louise in Kigali schicken. Er bekommt die erste Liste der Dinge, die wir benötigen. Die Liste wird im Laufe der Tage länger. Eine neue Zeltplane wollen wir uns in Kigali nähen lassen. Nach gründlichem Überlegen, kommen wir zu dem Schluss, dass der Toyo in Mombasa auf dem Zollhof ausgeraubt wurde. Ein schlanker, kleiner Mensch muss vom Fahrerhaus über die Ersatzreifen im Innenraum geklettert sein, um die hintere Tür zu öffnen. Vermutlich verlor die Frau dabei die Haarklammern (?). Die Radmutter wäre von der Spüle gerollt, wäre das Auto vom Schiff, bis auf den Zollhof gefahren worden und der laufende Kühlschrank hätte die Batterie leergelutscht.
Wir haben keine Spanngurte mehr, um die Reservereifendecke auf dem Dach zu fixieren. Gegenüber dem Hotel ist ein Reifenservice, denen ich das Flickzeug für schlauchlose Reifen schenke, denn in dem Kästchen sind nur noch die Stopfen, aber kein Werkzeug mehr. Dafür erhalte ich einen Führer, der mich mit einem TukTuk zu der Gasse bringt, in der Spanngurte verkauft werden. Es gibt aber nur Ratschengurte, von denen ich 6 Stück zum Preis von über 100 € kaufe. Während ich unterwegs bin, sortiert Sigrid weiter das Chaos und findet Spanngurte!
In Nyali, in der Nähe des Hallerparks, gibt es ein Nakumatt-Einkaufszentrum. Hier finden wir T-Shirts, Handtücher, Unterwäsche, Shorts, Macheten, einen Campingstuhl und eine Monsterlampe, die sich an 12V aufladen lässt, so dass wir nicht im Dunkeln sitzen müssen. Die Speziallotionen für Sigrids Ekzeme finden wir nicht. Gut, dass die hier Visakarten akzeptieren und wir ausreichend Kredit bei Barclays haben.
Abendessen bei „Bella Vista“.

Donnerstag, 04.08.2016 Tag der Abreise aus Mombasa. Schluss mit Internet und Wifi.
Wir packen die Beute des vorherigen Tages ins Auto und finden unter dem Klo Sigrids zweite Sandale, die wir jetzt auch wegschmeißen können. Falls sich jemand wundert, weshalb wir die nicht vorher gefunden haben: Das Auto steht mitten auf der Straße, während wir darin rumwirtschaften und davor steht ein Dutzend Leute, die zugucken, und wir aufpassen müssen, dass nichts weiter aus dem Auto verschwindet.

Straße

Die Straße von Mombasa nach Nairobi, die wir nehmen müssen, ist der Horror und etwas für Adrenalinjunkies. Hier bekommst Du Deinen Kick alle 2 Minuten, dann wenn Du selber überholst oder gerade überholt wirst, was häufiger der Fall ist. Dann kommen die Baustellen. Ab auf die Piste, im Staub siehst Du nichts und fährst nach Gehör.
Abseits der Straße finden wir das Marunga Camp („now Open“). In der Tat, wir sind wahrscheinlich die ersten Gäste. Ein Mann begrüßt uns herzlich, er müsse seinen großen Bruder holen, der kennt sich hier aus. Der große Bruder kommt. Er ist einen Kopf kleiner, als der erste, seine Hose ist zerfetzt, dafür trägt er halblange geblümte Unterhosen und er hat eine eingeschweißte Preistafel bei sich, auf der detailliert aufgeschlüsselt, was es hier so kostet. Mit dem Auto rumstehen, darin schlafen, nur Duschen und Toiletten benutzen, ist in der Liste nicht aufgeführt. Ich schlage vor, dass wir den Preis für ein zusätzliches Bett im Bungalow bezahlen. Das müsse der Manager entscheiden. Aha, der große Bruder ist nicht der Manager. Nach einem Telefonat wird zugestimmt. Wir zahlen den Preis für ein zusätzliches Bett. Das Camp ist liebevoll errichtet. Die Wege sind mit großen Schneckenhäusern eingefasst, in den Buschduschen hängen Eimer, die auch mit heißem Wasser gefüllt werden können, die Plumsklos sind sauber und es gibt Toilettenpapier. Grillplätze und Lagerfeuer sind vorhanden.
Natürlich schleppen die Jungs Baumstämme an und machen ein tolles Lagerfeuer. Wir sitzen zusammen und sie erzählen, dass sie das Camp elektrisch illuminieren wollen. Ich rate ihnen ab. Weiße, die hierher kommen, wollen afrikanische Romantik und Sterne am Himmel.
S 03.60141 E 038.70879 sehr empfehlenswert.
Der Securitymann sitzt die ganze Nacht dicht neben unserem Auto und hat Pfeil und Bogen griffbereit.

rote Elefanten

Freitag 05.08. 2016
Wir fahren im Transit durch den Tsavo Nationalpark und sehen etliche Antilopen und rote Elefanten. Die Erde ist hier so rot, dass auch die Elefanten rot sind. Es ist verboten anzuhalten, was wir aber trotzdem tun, als ein besonders schöner Bulle mit langen Stoßzähnen auftaucht. Sigrid fotografiert und meint nach einiger Zeit, er würde jetzt maulig. Er war es wohl nicht gewohnt, dass Autos stehen bleiben, was ihn zu Drohgebärden veranlasst und uns dazu abzuhauen.
Ausreise aus Kenia, Einreise nach Tansania sollte sich einfach gestalten, da beide Länder sich die Gebäude teilen und Schalter an Schalter sitzen. Wir passieren die Sicherheitsschleuse wie auf dem Flughafen und sind im Abfertigungsgebäude, wo wir als erstes nach unserer Gelbfieberimpfung gefragt werden.
Wir werden wieder fotografiert, die Fingerabdrücke werden wieder abgenommen und der Ausreisestempel ist im Pass. Am Schalter für das Carnet, ist der keniatische Kollege um 15:00 Uhr zum Lunch. Er käme bestimmt heute wieder, aber wenn wir es eilig hätten, könnten wir in das andere Gebäude gehen, dort wo die LKWs abgefertigt werden. Dort finden wir einen Schalter und dahinter einen Menschen, der uns angesichts des Carnets fragt, was denn nun sein Part sei. Wir erklären es ihm und reißen ihm auch das Ausreisedokument aus dem Carnet.
Zurück ins andere Gebäude. Wir passieren die Sicherheitsschleuse wie auf dem Flughafen und sind im Abfertigungsgebäude. Wir werden wieder fotografiert, die Fingerabdrücke werden wieder abgenommen, wir bezahlen 50$ Dollar pro Person Visagebühren, nein einen Rentnerrabatt gebe es leider nicht, bekommen den Einreisestempel für Tanzania und gehen zum Zoll, wegen des Carnets. Die ersten beiden Zöllner sind nicht zuständig, aber wir werden freundlich weitergeleitet zu einem Beamten, vor dessen Schalter sich eine Frau so herumlümmelt, so dass wir glauben, es sei die seine, die ihrem Alten bei der Arbeit zusieht. Wir geben das Carnet ab und sollen warten. Wir warten. Irgendwann werden wir wieder aufgerufen und der Beamte, dessen Frau den Schalter nur unwillig für uns freimacht, beginnt die Daten des Carnets in ein Computerprogramm zu tippen. Dumm, dass so’n Carnet auf Französisch geschrieben ist und auch auf Deutsch. Er tippt und schwitzt und fragt mich, was er denn da so eintragen muss. Das Computer-Programm ist eines der üblen Sorte, es schmeißt ihn raus, wenn nicht alles korrekt ausgefüllt ist. Nach etwa 1 Stunde Computer-Kampf, schickte er uns zum Kassierer, damit wir Straßenbenutzungsgebühr und Carbontax bezahlen.
Der Kassierer will 60 $ haben, aber bitte in Tanzanischen Shillingen. Wo sollen wir die denn hernehmen? Draußen vor dem Tore warteten die Schwarzgeldtauscher. Wir marschieren los und wechseln die kenianischen Shillinge und 150$ in tanzanische Shilling. Keine Ahnung, was für einen Kurs der Typ uns berechnet. Zurück durchqueren wir die Sicherheitsschleuse mal wieder, bezahlen in Tanzanischen Shillingen und bekommen eine Quittung über Dollars. Auf meine Frage was das denn solle, bekomme ich die Antwort: it is strange.
Wir sind nach drei Stunden in Tanzania eingereist mit einem korrekt abgestempelten Pass und Carnet.
In Moshi, dem Ausgangsort für die Kilimandscharo-Besteigungen, übernachten wir auf dem Camping des Keys-Hotels für 10$ pro Person, aber inklusive Frühstück.
Begegnungen:
Polizeikontrolle:

Sigrid zu Beamten: Fahrer sitzt auf der anderen Seite.
Otto zu Beamten: Jambo
Beamter: Jambo Mambo
Otto grinst dümmlich
Beamter zu Otto: Du musst sagen „Poapoa“
Otto zu Beamter: oK
Beamter zu Otto: gute Fahrt.

Mädchen, das Parkzettel verkauft (Parkraumbewirtschaftung.)
Mädchen: Jambo
Otto:         Poapoa Mädchen grinst dümmlich und quatscht auf Suhaheli
Otto zu Mädchen auf Englisch: Ich verstehe kein Wort.
Mädchen zu Otto: Nix englisch, nur Suhaheli
Otto zu Mädchen: No English, no money
Mädchen zu Otto: oK.

Samstag 06.08. 2016

Wir erreichen Arusha am frühen Nachmittag und fahren zur Meru Mbega Lodge, wo wir vor drei Jahren auch genächtigt und den Besitzer Wolfgang kennengelernt haben. Wir sind die einzigen Gäste, belegen einen Platz auf dem Camping und fahren noch einmal in die Stadt.
S3.31810° E36.88590°.
Wir kaufen beim südafrikanischen Metzger fette, dicke Schweinekoteletts, die wir morgen braten wollen.
Dass wir die einzigen Gäste in der Lodge sind, merken wir am Abendessen. Die Küche hat irgendetwas zusammengestoppelt, was unter die Rubrik Nahrungsaufnahme fällt. Die Pilzsuppe aus der Dose war noch das Schmackhafteste. Der Höhepunkt war die Ananasscheibe mit einem Dosenchampion garniert. Wir strudeln alles mit vier Bieren runter, dann möchte der Chefkellner kassieren.
Vermutet er, dass wir des Nachts abhauen? Nein, meint er, wir schließen das Tor des Campings ab, Ihr könnt nicht abhauen. 84$ nimmt er uns ab. Eine glatte Unverschämtheit.
Auf 1650m Höhe verbringen wir eine kühle Nacht und fahren am

Sonntag, 07.08. 2916
bei leichtem Nieselregen weiter in Richtung Mwanza. Der Kilimanjaro versteckt sich in dichten Wolken und zeigt sich nicht. Die Pisten sind teilweise schlecht, die Asphaltstraße voller tiefer Schlaglöcher.
Wir finden abseits der Piste einen Platz in einem ausgetrockneten See zum Übernachten, sehr romantisch gelegen, was auch die Kinder finden, die uns finden. In 20m Abstand betrachten sie die Weißen. Ein kleiner frecher Angeber steht 2m vor den anderen und lässt sich ob seines Mutes bewundern. Irgendwann ist das Eis gebrochen und sie rücken uns auf die Pelle. Und als ich den Reiseführer Tanzania heraushole, wollen alle die Bilder betrachten und die ältesten können die Suhaheli-Wörter lesen. Sie verschwinden, als es dunkel wird, die letzten Beiden verscheuchen wir, nur um Besuch vom Suffkopp des Dorfes zu bekommen, der um einen Drink bettelt und unsere letzte Kartoffel geschenkt bekommt.
Unsere fetten Koteletts vom Butcher King in Arusha mit Kartoffeln schmecken unter dem Sternenlicht köstlich.
Um Mitternacht friere ich im Dachzelt so sehr, dass ich die Heizung anmache und wir es kuschlig warm haben. S 04.29980 E 035.42036

Busch mit Kindern

Montag 08.08. 2016
Die Passhöhe von 2300m erreichen wir in stickdickem Nebel. Wir folgen einem LKW, der hoffentlich den Weg kennt. Abwärts wird es mit jedem verlorenen Höhenmeter wärmer und der Nebel lichtet sich. Wir finden keinen Schlafplatz im Busch, die Gegend ist zu bevölkert. In Shinyanga gehen wir ins Hotel Diamond Fields, bekommen ein schönes lautes Zimmer für 45.ooo TSH, etwa 22,-€ inklusive Frühstück und WiFi.
Der Toyo muss direkt neben den Plastikstuhl des Nachwächters gestellt werde, damit der aufpassen kann. Nach dem Essen im Hotel schnarcht er tief und fest in seinem Stuhl mit der Pudelmütze über beiden Augen, erwacht grunzend und keuchend, schnappt aber reflexhaft nach dem Trinkgeld.
Früh ist die Nacht vorbei, Afrika erwacht um 6:00 Uhr.

Oxenkarren

Begegnungen:

Mädchen an der Rezeption: Ich muss das fragen, wie wünschen Sie Ihr Frühstück?

Viel Kaffee
Mit Milch und Zucker?
schwarz, nur Zucker
das geht nicht. Und die Eier? Spanisches Omelette?
nur gekocht
wie viele Minuten?
4 Minuten.
Das Frühstück bestand aus 2 Eiern, etwa 30 Minuten gekocht, einer Kanne heißes Wasser, eine Kanne heiße Milch und Nescafe.

Dienstag 09.08. 2016
In Mwanza am südlichen Ufer des Viktoriasees campieren wir auf dem grünen Gelände des Yachtclubs mit Blick auf den See und die dicken Felsen. S2.52872° E32.89481° (kostet 15.000 TSh)
Unser keniatischen SIM-Karte lässt sich nicht aufladen. Im Airtelbüro wird uns geholfen. Natürlich benötigen wir hier einen vollständig anderen Pincode für die Aufladung als in Kenya und wieder einen anderen in Ruanda. Der Supermarkt, den wir finden, ist sehr übersichtlich, so dass wir beschließen am nächsten Tag den Supermarkt U-Turn zu suchen, der besser sortiert und teurer ist.
Früher konnten wir im Yachtclub Abendessen, das geht nicht mehr, also gibt es mal wieder Rindfleisch aus der Dose mit Spaghetti.
Die Verkaufsstände vor dem Yachtclub sind ab 22:00 Uhr leise, die anderen Gäste, die noch mit Zelt anreisen, hören wir nicht.
Mittwoch 10.08. 2016 um 5:45 Uhr
Ohrenbetäubender Gangstarap brüllt uns an, die Bässe lassen den Toyo erschauern und führen beinahe zum Herzklabaster, die Motoren der Motorradtaxis jaulen. Wir klettern verstört im Dunkeln aus dem Toyo, wütend bereiten wir unser Frühstück vor.
Unser neu erstandener Sandwichmaker kommt zum ersten Einsatz, da wir einen 220Volt- Anschluss haben. Die Sonne geht auf, der Lärm erstirbt, die anderen Gäste schlafen weiter im Zelt, wir beneiden sie.
Eine Weiße marschiert grüßend an uns vorbei, nicht nur einmal, sondern 10 Mal, sie macht ihren Morgenspaziergang im Kreis um den Platz.
Nach dem Besuch im U-Turn Supermarkt, wo ich endlich Rasierschaum bekomme, geht es zur Fähre nach Kamanga (8.oooTSh). Jubel Trubel Heiterkeit, hunderte Leute wollen uns die Fähre zeigen, so dass wir erst einmal vorbeifahren und wenden müssen. Der dumme Weiße fährt sein Auto vorwärts auf das Schiff, alle anderen rückwärts. Es wimmelt von Menschen auf dem Kahn, bis er ablegt. Wir fahren etwa 40 Minuten über den See und dann rückwärts von der Fähre. Die Piste, die folgt, ist gruselig. Der Lastenverkehr von Dorf zu Dorf wird hier von Fahrrädern bewerkstelligt.
In Geita haben die Süd Afrikaner die Goldmine wieder in Betrieb genommen, so dass hier viele neue, schmucke Häuser gebaut wurden. Irgendwo verpassen wir aufgrund der vielen Baustellen einen Abzweig, so dass wir in der Nähe von Nyakanazi die neue Asphaltstraße verlassen und auf der alten Piste neben der neuen Straße unser Nachtlager einrichten. Außer einem Hirten mit seinen drei Kühen, haben wir keinen Besuch, obwohl wir die Holzkohlefeuer des Dorfes nebenan riechen können. Der Verkehr auf der Straße schläft ein, so wie wir, und es ist eine schöne ruhige Nacht im Busch. S3.07416° E31.27766°

Donnerstag 11.08. 2016
Wir erreichen die Grenze Tanzania – Ruanda bei Rusumo Falls. Achtung: wir fahren wieder auf der richtigen, der rechten Seite der Straße! Wie üblich bin ich an der Grenze nervös, obwohl die Plastiktüten, die in Ruanda verboten sind, im Bett versteckt sind. Problemlos erhalten wir den Ausreisestempel und auch das Carnet wird ohne Aufwand ausgestempelt. Ebenso problemlos erhalten wir das Visum für Ruanda für 30$ pro Person, leider nur für dreißig Tage (drei verschieden Schalter müssen hierfür besucht werden).
Draußen schleichen wir mit dem Toyo die Straße entlang und der erste Posten schickt uns zu einem anderen Posten. Der will das Carnet sehen. Dann will er, dass wir die Plastiktüten abgeben. Wir haben keine. Ungläubiger Blick, also Auto aufmachen. Er blickt hinein, keine Plastiktüten. Er schickt uns zurück, zu dem ersten, der uns zu ihm geschickt hat. Ich blaffe ihn an, was das denn solle. Der andere will die Pässe sehen und die Versicherung, die pappt an der Windschutzscheibe als Aufkleber. Dann dürfen wir weiter zum nächsten, der das Carnet sehen will und uns zurückschicken will, auf dass unsere Pässe kontrolliert werden. Das könnte ja zur unendlichen Geschichte ausarten, also weigern wir uns und erklären, alles sei bereits etliche Male kontrolliert und wir deshalb jetzt weiter fahren werden. Tun wir und lassen ihn einfach stehen.
Am nächsten Parkplatz sind Wechselstuben, wo ich 100$ tausche und Paul anrufe, dass wir in drei Stunden bei ihm vor der Haustür stehen werden. Die ruandische Zeit entspricht genau der mitteleuropäischen Sommerzeit. Da wir gemeinsam mit Paul, als er uns vor einigen Wochen besucht hatte, die Koordinaten seines Hauses ermittelt hatten, stehen wir pünktlich um 14:30 Uhr bei Louise und Paul vor der Tür. Wir freuen uns alle uns wieder zu sehen und beknuddeln das erste Mal den kleinen, gar nicht scheuen Emil – alias Ryangombe – der sich gerne beknuddeln lässt und uns herzhaft anlacht.

Kigali, Montag, 15.08.2016

Heute wird der kleine Ryangombe auf den Namen Emil Rubiu getauft werden.
Die Vorbereitungen begannen am Sonntag. Paul und ich fahren los, um die Zutaten für das Taufmahl einzukaufen. Voller Verwunderung stellt mein Freund Paul fest, dass auch in Kigali manche Geschäfte am Sonntag geschlossen sind. Sein Lieblingshändler lässt sich auch per Handy nicht bewegen, den Bierladen aufzuschließen. In Seitengassen finden wir andere, die uns Bier verkaufen. Der große Supermarkt „Nakumatt“ hat glücklicherweise geöffnet, so dass wir dort auch ein ganzes Rinderfilet für Sonntagabend kaufen können und Plastikgeschirr für das Festmahl nach der Taufzeremonie. In der Markthalle finden wir Obst und Gemüse, dass nach zähem Feilschen gekauft wird.
Das Filet bereiten Pauls Eltern zu, es schmeckt köstlich.
Paul und Louise verschwinden in der Dunkelheit, um noch einen Grill von irgendwoher zu besorgen. Wir Europäer sind verwirrt, ob der Planung des Festes in letzter Minute, werden doch 30 Gäste erwartet.
Am frühen Morgen machen sich alle hübsch für die Taufe. Louise im traditionellen Gewand, Paul im dunklen Anzug mit Krawatte, obwohl er an der Zeremonie nicht teilnehmen darf; denn die beiden sind nicht kirchlich verheiratet. Ich soll fotografieren.
Der Parkplatz vor der Kirche ist voll. Die Kirche auch, ich schätze dass 250 Leute bereits auf den Bänken sitzen und gemeinsam mit dem Chor singen und rhythmisch klatschen, als wir kommen.

Chor

Es ist Maria Himmelfahrt. Eine Unmenge an Weihrauch wird verbrannt. Der junge Priester beginnt im Weihrauchnebel mit einer engagierten Predigt auf Kiwiruandi. Seiner Gestik nach beschwört er das Höllenfeuer.

Priester

Für die Predigt bekommt er Applaus. Nach Singen, Tanzen und Beten werden die 10 Brautpaare und die Sünder von ihren Sünden freigesprochen. Auch Louise ist dabei. Immerhin hat sie unverheiratet einen Sohn geboren. Sie hat 2 Monate lang bei dem Pfarrer antreten müssen, damit sie heute ihren Sohn taufen lassen kann, die Sünderin. Mit Dutzenden von anderen Fotografen kämpfe ich um einen guten Platz. Hier wird geschoben und gedrängelt und geschwitzt.
Es beginnen die Trauungen. Manchmal mit stockender Stimme lesen Braut und Bräutigam die Treueschwüre ab, was von der Gemeinde mit Applaus belohnt wird.
Nach nochmaligen Singen, Tanzen, Klatschen und Beten geht es ans Taufen der zahlreichen Kinder, aber auch Jugendliche. Inok ist der Taufpate des kleinen Ryangombe. Am Sonntagabend hat er noch die letzten, von religiöser Instanz unterschriebenen Dokumente zu seiner Person vorgelegt, um als Pate von dem Pfarrer akzeptiert zu werden.
In langer Schlange warten Mütter, Väter, Paten mit den Kindern auf dem Arm. Im ersten Durchgang zeichnet der Pfarrer ein Kreuz auf die Stirn des Täuflings. Nachdem Gesang, Tanz usw. kommt der zweite Durchgang. Jetzt bekommen die Täuflinge ein Kreuz auf die Brust gezeichnet.
Es kommt das nächste Defilee. Jetzt endlich werden die Kleinen über eine blaue Plastikschüssel gehalten, der Pfarrer schöpft Wasser aus einem großen Zinneimer und kippt es über die Köpfe. Ryangombe, der jetzt Emil heißt, pennt.
Gesang, Gebete, Tanz und der nächste Durchgang beginnt. Nun wird das nasse Köpfchen mit einem weißen Tuch getrocknet und Louise zündet ihre mitgebrachte Kerze – soll wohl das Lebenslicht symbolisieren – an der dicken Kirchenkerze an.
Jetzt wird erst einmal wieder der Weihrauchkessel angeheizt. Rauchschwaden nebeln den Altar ein. Gesang, Tanz, Applaus, wir kommen zum Abendmahl. Wein und Hostie werden geweiht – Applaus, die Verwandlung hat geklappt. In langer Reihe steht die Gemeinde an, um die heilige Eucharistie zu empfangen. Nonnen helfen und mache zwei weitere Reihen auf, auf dass alle ihre Hostie empfangen können.
Jetzt ist Volkes Freude kaum noch zu bremsen. Angefeuert durch den singenden und tanzenden Chor, tanzt und singt und klatscht die Gemeinde. Nach über 2 Stunden sind alle gesegnet und gehen zufrieden nach Hause.

Taufe

Wie von Zauberhand sind im Garten des Hauses weiß bezogenen Plastikstühle und Tische mit blauweißen Tischdecken aufgetaucht. In der Küche werkeln hilfreiche Geister, insbesondere die kleine Danzi. Die Gäste trudeln ein. Getränke stehen auf dem Tisch, am Grill wird gebruzzelt, alles klappt und funktioniert.

Küche

Gäste

Nach den Ziegenspießen mit Kochbananen und reichlich Früchten und Krautsalat kommt ein Gebet. Ein Gast zückt das Gesangbuch, auf dass erst einmal ein Kirchenlied gesungen wird. Die beiden muslimischen Frauen machen alles mit. Dann werden Reden mal auf Französisch, mal auf Kiwiruandi. geschwungen, von denen wir nur wenig verstehen. Wir verstehen aber, dass wir lobend erwähnt werden. Paul hält seine Rede, die Gefühle übermannen ihn und mit Louise im Arm weinen beide ein wenig. Emil pennt.

Ryangombe schläft
Es wird Abend, die ersten Gäste verabschieden sich, und mit nur wenig Vorwarnung stürzen Wassermassen aus dem Himmel, so wie man es nur am Äquator erleben kann. Alle flüchten ins Haus. Keiner kann mehr nach Hause, die Gefahr, draußen zu ertrinken, ist zu groß, also geben sich alle drinnen dem Trunke hin. Der Grillmaster hat seinen Grill in die Hütte des Hausboys verfrachtet und grillt dort drinnen jetzt die Innereien und das gesäuberte Gedärm der Ziege. Ein bisschen zäh für unsere alten Zähne, aber als Mitternachtsimbiss nicht zu verachten. Nach drei Stunden hat sich das Gewitter verabschiedet und alle gehen besoffen nach Hause und wir in unser nasses Bett, das neben dem Fenster steht, das wir vergessen haben zu schließen.

Die Tage nach der Taufe

Von der Feier etwas angeschlagen vergammeln wir den folgenden Tag und staunen über das frische Grün der Bäume, welches der Gewitterregen herausgewaschen hat. Es ist weniger Staub in der Luft.

Am Mittwoch 17.08. 2016 finden wir ein kleines Internetcafé und stellen neue – hoffentlich sehnsüchtig erwartete – Texte ein.
Wir riefen unsere Mails ab, darunter welche von Freunden, die sich immer noch um unsere Ausraubung sorgten. Also noch einmal: Wir hatten keine Versicherung. Das Schiff hatte, als wir das Auto erhielten, Mombasa bereits seit drei Tagen wieder verlassen, so dass die Kontaktaufnahme mit dem Kapitän auf unüberbrückbare Hindernisse stieß. Die Reederei zieht sich den Schuh nicht an; denn wie sollen wir beweisen, dass die Klamotten auf dem Schiff geklaut worden sind und außerdem haben wir unterschrieben, dass wir die Sachen auf eigene Verantwortung im Auto mitnehmen.
Mit großer Wahrscheinlichkeit wurde das Auto aber unter den Augen des Zolls im Zollhof ausgeplündert. Diese Vermutung wagte ich beim Chef des Zolls gar nicht zu äußern, weil ich keine Lust hatte, wegen Verleumdung erst einmal im kenyatischen Knast zu landen. Aus demselben Grund verbot sich eine Anzeige bei der Polizei. Eine Anzeige gegen Unbekannt hätte weitere Kosten verursacht, denn um den Dieb zu suchen, muss Benzin gekauft und das Handy aufgeladen werden, Spitzel bezahlt werden usw. Abgesehen davon hätte alleine das Protokoll zur Anzeige etwa einen Tag Zeit auf einer Polizeistelle benötigt. Also: Futsch ist futsch und hin ist hin.

Im großen Einkaufszentrum in der Stadtmitte befindet sich das Büro der „Airtel“ Telefongesellschaft. Unsere SIM – Karte ist aus Kenya und hier gibt es andere Pincodes zur Aufladung der Karte, die erst ermittelt werden müssen. Lustlos lädt dann die Dame hinter dem Airtel-Schalter unsere Karte wieder mit Gesprächsguthaben auf, nachdem sie uns hat ausreichend lange warten lassen, weil sie sich die Nägel lackierte.
In Kigali sind in dem einen Jahr, indem wir nicht hier gewesen sind, imposante, architektonisch interessante Hochhäuser fertiggestellt worden und wohl einmalig in Afrika, eine Fußgängerzone eingerichtet worden. Da die Stadtmitte jetzt genauso aussieht, wie andere Städte in aller Welt gibt es keine Fotos.
Das „La Galette“ ist ein Restaurant der gehobenen Klasse unter deutscher Leitung mit angeschlossener Metzgerei, Bäckerei und Supermarkt, wo der verwöhnte Deutsche sein geliebtes Nutella kaufen kann.
Pauls Eltern sind es gewohnt, mittags eine Suppe zu essen. Wir kaufen Schweinerippchen und Kohl für die Suppe am
Donnerstag, 18.08. 2016

Die Suppe ist lecker, nur leider sind die Schwartenstücke nicht rasiert, so dass sie doch ziemlich im Hals kratzen. Pego, den Hund, stört das nicht. Nach langem Drängen hat Paul einen Zwinger für den bissigen Hund gebaut, der vorher wenigstens zwei Jahre lang tagsüber in einer Bretterkiste mit den Maßen 1,50 X 1,50 X 1,50 m sein Leben fristete. Jetzt ist er immer noch bissig, lässt sich aber bereits von Paul und Louise waschen.

Pego

Zum dritten Mal besuchen wir mit Pauls Eltern die Genozidgedenkstätte.
250.000 Tote sind hier unter Betonplatten in Massengräbern beigesetzt. 1994 begann die Bevölkerungsgruppe der Hutu nach langer propagandistischer Vorbereitung durch die Regierung mit der Ermordung der Bevölkerungsgruppe der Tutsi. Speziell ausgebildete junge Leute erschlugen mit Keulen und Macheten ihre Tutsi-Nachbarn. Die in Ruanda stationierten UN-Truppen unternahmen nichts und wurden auf dem Höhepunkt des Gemetzels abgezogen. Nach 100 Tagen beendete die Armee der Flüchtlinge aus Uganda kommend das Morden. Eine Million Menschen waren bestialisch abgeschlachtet worden. Französische Truppen ermöglichten den Hutu-Mördern die Flucht in den Kongo, wo das Morden weiterging und letztlich zu den beiden Kongokriegen führte, die von Europa unbeachtet, 5Mio. Tote kosteten.
Die Gedenkstätte ist beeindruckend und lässt den Betrachter in tiefer Trauer zurück. Obwohl wir den letzten Ausstellungsraum, der den Kindern gewidmet ist, kannten, liefen uns wieder die Tränen.

Neben den Gräbern gibt es Gärten, deren Brunnen symbolhaft die Wiedergeburt der Ruander darstellen und mahnen, diesen Völkermord nicht zu vergessen. Eine Tonfigur eines Elefanten, der mit einem Handy telefoniert, wurde leider zerbrochen. Der Elefant bekannt für sein gutes Gedächtnis, soll dieses Geschehen in alle Welt verbreiten.
Im Gebäude wird anhand von Fotos der Werdegang hin zum Genozid dargestellt und der Wiederaufbau des total zerstörten Landes. Ein Abriss anderer Völkermorde wird dargestellt, ohne dass damit der eigene entschuldigt oder verharmlost wird.

(empfehlenswert der Wikipediaartikel für alle, die mehr darüber wissen wollen)

Gräbergang

Memorial

Ein afrikanischer Markt ist immer und überall ein Erlebnis. (Sorry, keine Fotos. Ich hatte den Apparat zu Hause vergessen)
Der Zentralmarkt in Kigali befindet sich in einer Halle unter dem Resident Hotel, welches ein großer Backsteinbau ist und nicht zum Verweilen einlädt. Drunten in den Katakomben drängeln sich die Marktfrauen im Halbdunkel an ihren mit Obst und Gemüse überladenen Ständen. Metzgerstände sind vom vegetarischen Geschehen etwas getrennt, die Auslagen sehen nicht sehr appetitlich aus. Dass ich sie interessiert betrachte bringt den Metzger auf Touren, er preist seine Waren an, insbesondere einen Klumpen ungereinigten Ziegenpansen.
Auf dem Boden sitzen, im Schummerlicht kaum zu erkennen, Frauen, die den ganzen Tag Knoblauch pellen und die Zehen in kleine Plastiktüten verpacken. Die noble ruandische Hausfrau pult ihren Knoblauch nicht selber. Pauls Vater fotografiert, als ein Ruf nach der Security erklingt. Die Marktsicherheit rempelt sich in schwarzen Kampfanzügen durch das Gedrängel, lässt aber den Fotografen unbeachtet. Irgendjemand hatte etwas geklaut, was die Sheriffs auf den Plan rief.

Wir verlassen die Halle durch einen Gang, in dem in Jutesäcken kleine Fische aus dem Kivusee angeboten werden. Sie sind etwa so groß wie die Sardinen in der Dose. Wir kennen die Fischlein aus dem Malawisee. Sie werden in großen Mengen nachts gefangen und getrocknet. Der Geruch ist gewöhnungsbedürftig.

Louise wird einige Tage später aus solchen Fischen ein traditionelles Gericht kochen, was mir recht gut schmeckt. Die Fische schwimmen in einer dicken Tomaten-Karotten-Sauce und werden eigentlich mit Foufou, einem dicken Brei aus Mais oder Maniok aufgelöffelt. Wir essen Kartoffeln dazu.

Nach dem Markt plagt uns der Durst und wir klettern mehrere Treppen im Resident Hotel hinauf, um auf die Belle Terrasse zu gelangen. Dies Lokal ist typisch afrikanisch. Der Besitzer erkennt uns wieder, er hatte vor einem Jahr die Fète de Dote ausgerichtet und begrüßt uns überschwänglich. Wie immer sind die Plätze an der Brüstung belegt. Von dort hat man einen schönen Blick über die Hügel Kigalis. Pauls Eltern sieht man an, dass sie sich hier nicht wohl fühlen. Auch Sigrid fühlt sich nicht wohl, sie plagt der Beginn eines Durchfalls, so dass ich, ob des beschleunigten Aufbruchs, ein volles Glas eiskaltes Bier stehen lassen muss. Die Toiletten hier sind eher etwas für Geruchsmasochisten.
Samstag, 20.08. 2016

Eigentlich wollten wir mit der Familie Ittu nach Gisenyi fahren, einem Ort am Kivusee direkt an der Grenze zur Dem. Rep. Kongo, wo wir eine Missionsstation kennen, die einfache saubere Zimmer vermietet. Vorsichtshalber überprüft Paul die Flugdaten seiner Eltern und stellt fest, dass der Rückflug nach Deutschland am 22.08. um 0:55 Uhr startet. Montag früh, und nicht wie wir dachten, am Montag in der Nacht zu Dienstag. Gisenyi fällt aus und Paul gondelt seine Familie ein wenig in die Umgebung von Kigali, damit seine Eltern wenigstens einen kleinen Einblick von Land und Leuten erlangen. Sie sind ziemlich schnell wieder da, so dass Zeit bleibt, abends in die Kaninchenkneipe zu gehen.

Im Restaurant „Nyereri“ werden leckere Kaninchen auf dem Grill gebraten und mit den Fingern am Tisch zerrissen. Dazu gibt es Backkartoffeln und gemischten Salat, auf dem als Krönung ein Klacks Majonäse pappt. Das mit den ungeübten Fingern eines Weißen zu verzehren bewirkt eine ziemliche Sauerei auf dem T-Shirt. Vor dem Essen werden, wie überall üblich, wo mit den Fingern gegessen wird, die Finger gewaschen. Ein nur hierfür zuständiger Angestellter hat in der einen Hand eine Plastikschüssel mit einem Seifenspender und in der anderen einen bunten Kochkessel. Er gießt das warme Wasser über die Hände des Gastes und hält dabei die Schüssel darunter, so dass nichts auf den Boden pladdert. So gereinigt geht’s ans Kaninchen zerfetzen.

Sonntag, 21.08. 2016

Pauls Eltern packen und laden uns zum Abschied noch einmal ins „La Galette“ ein. Dieses Restaurant der gehobenen Preisklasse, von Deutschen bewirtschaftet, scheint ihnen am besten zu gefallen.
Die lange Wartezeit bis zum Abflug muss irgendwie überbrückt werden. Wir werden nach Hause gebracht, die Koffer eingeladen und Paul fährt seine Eltern zum Flughafen.
Louise und Ryangombe (Emil) bleiben hier. Erst am nächsten Tag erfahren wir, dass es einen erheblichen Streit gab, weil Pauls Vater, in bester Absicht, das Baby nicht zu stressen, darauf bestanden hat, dass Louise und Ryangombe zu Hause blieben. Leider ein unharmonischer Abschied von den Großeltern.

Montag 22.08. 2016

Wir fahren alle zusammen in die Stadt und trinken leckere Fruchtsäfte im „Camilla Restaurant“. Louise rennt zur Bank, um ihre Bankkarte erneuern zu lassen und vergisst dort ihr Handy, das nach zahlreichen Telefonaten und großer Aufregung dort gefunden wird, während wir eine neue Versicherung für unser Auto abschließen, was natürlich mit einem großen Aufwand verbunden ist.
Paul sitzt derweil alleine mit dem niedlichen Ryangombe im Camilla und die beiden werden von den Mädels bestaunt. Ryangombe ist so freundlich und schenkt jedem, der ihn anspricht ein Lächeln.
Die Show geht weiter, als wir durch die Fußgängerzone (!!) zum Einkaufen ins Nakumatt (Supermarkt) gehen. Väter, die ihre Babys auf dem Arm durch die Stadt tragen, sind hier so selten wie eine Kuh auf dem Fahrrad. So etwas kann nur einem Weißen einfallen.
Warum wundert es uns nicht, als wir erfahren, dass Pauls Visum mal wieder abgelaufen ist. Dieses Mal will er ein Dreijahresvisum beantragen.

Dienstag 23.08. 2016

Die Visaanträge müssen aus dem Internet heruntergeladen werden, das polizeiliche Führungszeugnis und die Geburtsurkunde von Emil Rubius (alias Ryangombe) müssen kopiert werden. Ein Lebenslauf muss geschrieben werden und eine salbungsvolle Bitte an den Staatsekretär im Innenministerium, Paul doch zum Zwecke der Familienzusammenführung ein Dreijahresvisum zu erteilen. Letzteres übernimmt Louise, den Lebenslauf bastele ich gemeinsam mit Paul zusammen, die französische Feinarbeit erledigt Louise. Wir üben ein wenig besorgt auszusehen, um den Immigrationsbeamten zu beeindrucken, Louise soll notfalls etwas weinen. Könne sie nicht auf Befehl, meint sie.

Mittwoch 24.08. 2016

Der Lebenslauf muss im Internetcafe ausgedruckt werden und wir erfahren nebenbei auf der DHL-Seite, dass das Paket angekommen ist.
Erst einmal fahren wir zum Innenministerium. Ein großer Bau in grünem Viertel im Stil von Albert Speer. Die Visaverlängerungsabteilung hat die Türen geöffnet, drinnen sind die Warteplätze belegt, auch draußen drängeln sich die Menschen. Eine Nummer muss gezogen werden, die auf einem riesigen Flachbildschirm an der Wand neben dem Portrait des Präsidenten angezeigt wird. Es hat den Eindruck, der gestrenge Paul Kagame passt auf, dass keiner schummelt.
Nach etwa einer Stunde, darf die Kleinfamilie ihr Gesuch vorbringen. Paul ist zuversichtlich, da sie nicht gleich wieder rausgeschmissen wurden, doch sein polizeiliches Führungszeugnis muss übersetzt und beglaubigt werden.
Die Deutsche Botschaft hat geschlossen (Sprechstunde Mo-Do 9:00-11:00), die Post macht auch erst wieder um 14:00 Uhr auf, so dass Zeit für einen Saft im Camilla bleibt und Louise ihr Handy aus der Bank abholen kann.
Eine enge Treppe führt nach unten zum Paket. Louise versucht den Beamten hinter seinem vergammelten Schreibtisch, gespickt mit Heiligenbildern, mit ganzem Charme zu bewegen, uns ein wenig seiner rar bemessenen Aufmerksamkeit zu schenken. Ein gewaltiges bebrilltes Weib erscheint aus einer Kiste im selben Büro und seine Aufmerksamkeit verlagert sich von uns zum Weibe, die eine gewaltige Portion Autorität ausstrahlt und bald wieder in der angrenzenden Kiste verschwindet. Das Paket wird gefunden und von zwei Knechten ins Büro geschleppt. Oben prangt ein Loch, als sei mit der Faust hinein geschlagen worden. Bequem kann ich hinein fassen und finde eine Sandale. Ich habe ein Déjà-vu und denke an unser ausgeraubtes Auto in Mombasa. Wir müssen mit irgendwelchen Papieren zu dem Weib in die Kiste, die sich als Minibüro herausstellt. Sie ist der Chef des Zolls.
Louise diskutiert auf Kiviruandi, die Zollchefin ist ganz Autorität. Ich mische mit und versuche zu erzählen, dass in dem Paket die Ersatzklamotten seien, die uns die bösen Kenyatten geklaut hätten. Paul mit Ryangombe auf dem Arm drängt in die Kiste. Die Zollchefin stempelt das Papier ab, wir müssen keinen Zoll bezahlen. Wir glauben, dass letztlich das Erscheinen des niedlichen Babys die Zollfreiheit bewirkt hat; denn nun kann Frau Chefin sich nicht zurückhalten und muss Ryangombe herzen, was der Kleinen mit einem bezaubernden Lächeln über sich ergehen lässt.
Weihnachten im August dank Hans-Georg. Fast alles, was wir bestellten ist im Paket, nichts wurde durch das Loch geklaut. Louise freut sich über die Kinderschuhe, die Lurchi (Hans-Georg) dazugepackt hat, und staunt entzückt über ein Dutzend Tafeln weiße Schokolade und Haribo-Tüten. Ein Fest für alle.

Donnerstag 25.08. 2016

Paul fährt zur Botschaft und ich baue den CarPC ein. Eine Schraube der Halterung des Bildschirmes fehlt, aber alles funktioniert. Von den 16 Adaptern für das Netzteil, passte einer, der bei dem Raub auch verloren gegangen ist. Aber die Schraube ist weg, auch in Pauls Kruskiste finde ich nichts Passendes. Ich befestige den Bildschirm etwas wacklig auf der Halterung. Ablesen während der Fahrt wird wohl schwierig werden.
Voller Verwunderung vernehmen wir Pauls Erlebnis auf der Botschaft. Sein polizeiliches Führungszeugnis, bestehend aus fünf Zeilen, können sie nicht übersetzen; denn sie hatten ja keinen Übersetzungsdienst. – Soweit normal auf einer deutschen Botschaft, deren Bereitschaft den eigenen Staatsbürgern hilfreich unter die Arme zu greifen, bekannter Weise gen Null tendiert. Paul wollte die Urkunde dann selbst übersetzen und zur Beglaubigung am Freitag wieder erscheinen. Freitag ist Deutschland in Kigali aber nur nach Terminabsprache zu erreichen. Das kleinere Übel erschien hier dem Botschaftsbeamten, die fünf Zeilen zu übersetzen, auszudrucken und zu beglaubigen. Paul erschien glücklich mit seinem Polizeilichen Führungszeugnis zu Hause, so dass ein weiterer Besuch beim Innenministerium erfolgen kann.
Er hatte Lammwürste vom deutschen Metzger mitgebracht, die wir im Garten grillten. Unser Campingtisch bot die Möglichkeit auch draußen zu essen. Die Lämmer, die diese Würste geliefert hatten, waren jung gebliebene Schafböcke, so dass alleine der Geruch Louise davon abhielt, herzhaft hineinzubeißen. Sie bevorzugte die kleinen Fische mit Foufou.
Unsere kleinen Lurchikerze (Kerzenhalter von Outdoor Link) auf dem Tisch schloss den Abend romantisch ab.

Pauls Erfolg beider Einwanderungsbehörde blieb aus. Irgendeine Tussi verlangte die Heiratsurkunde und der Typ, bei dem er bereits gewesen war, und der einen positiven Bescheid für ein  3 Jahres-Visum zumindest in Aussicht gestellt hatte, behauptete auch steif und fest, er habe die Heiratsurkunde verlangt. Paul ist geknickt, wir anderen auch, und ich rate ihm zu heiraten. Wolle er nie, meint er. Man wird sehen.

Freitag 26.08. 2016

Stammtisch im Goethe Institut mit Leberkäse und Kartoffelsalat von Erich, dem Wirt des „La Galette“, der jedem gerne erzählt, dass er eine 30jährige Keniatin zur Frau hat, der alte 70jährige Sack.
Wir treffen Tobias, der für irgendeine deutsche Bergbaugesellschaft arbeitet und Angst vor Afrika hat und Katrin, die in Ruanda investiert hat und Essig, Marmelade und SCHNAPS herstellt. Sie hat Vodka, Gin und Obstler im Programm und erzählt, dass die Ruander an vierter Stelle der Säuferliste stehen und Etliches wegbechern. Katrin weiß, wie man ein Visum bekommt und rät Paul. Immer wieder den Typen auf den Wecker zu gehen und den lieben Gott ins Spiel zu bringen, der ihm den süßen Ryangombe geschenkt hat und bestimmt nicht will, dass das Kerlchen ohne Papa aufwächst. Paul verdreht die Augen, er sollte es zumindest versuchen.

Samstag 27.08 2016

Wir gehen in der Stadt einkaufen, morgen werden wir Kigali verlassen.
Louise hat abends noch einmal lecker gebratene Leber zubereitet. Danach sitzen wir zusammen und beschließen, den Champagner, den wir vor einem Jahr mitgebracht haben, nicht zu trinken. Wir wollen ihn für einen symbolträchtigeren Augenblick aufheben. Wir erwarten den Besuch der gemischten Familie spätestens in 10 Jahren bei uns in dem Seniorenheim, in das wir uns dann zurückgezogen haben. Louise schreibt Meike eine WhatsApp, die scheint französisch zu verstehen, zumindest antwortet sie.
Das letzte Mal jagen wir im Dunkeln Bakame, den Hasen, ins Haus, während Pego, der Hund, in seinem Zwinger tobt, wie gerne würde er uns bei der Hasenjagd helfen. Das letzte Mal sehen wir wie Fidèle, der Hausangestellte, mit dem Hahn ohne Namen, in seiner Hütte verschwindet. Die beiden schlafen dort gemeinsam, damit der Hahn nicht kräht und am nächsten Morgen ausgeruht ist, weil Bakame ihn gerne durch den Garten jagt.

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Sonntag 28.08. 2016

Paul bereitet das letzte Mal unser Lieblingsfrühstück zu, Eier mit gebratenen Bacon. Fast alle Klamotten sind gepackt. Während wir den Rest verstauen, röstet uns Louise noch Erdnüsse aus dem Garten ihrer Mutter. Abschied. Weint Louise? Sie versteckt sich hinter Ryangombe, dem die beiden seine Babyhaare geschoren haben und der jetzt glatzköpfig ist.

Wir fahren auf Asphalt nach Gisenyi, direkt an der Grenze zum Kongo. Die Inzu Lodge soll Camping anbieten. Der Platz ist schief und krumm und sie wollen 12000 Franc haben. Für denselben Preis bieten sie uns ein Kuppelzelt an. Wollen wir nicht. Wir fahren zu den bekannten Presbyterianern in die Stadt, wo wir ein Zimmer mit fließend heißen Wasser für 12000 bekommen. S 1.69735°  O 29.26198°

Das Abendessen in der Auberge Gisenyi ist recht gut. Es gibt ein Buffet mit verschiedenen Gemüse und Fleischsorten. Je nachdem, welche Fleischsorte man wählt wird bezahlt. Wir wählen Rindfleisch. 1500 Franc kostet das, jedes kinderfaustgroße Stück Fleisch kostet 1000 Aufpreis. Gemüse, wie Reis, Maniok, Kartoffeln, Maisbrei, Krautsalat gibt es so viel man will. Wir gönnen uns zwei Stücke Fleisch!

Montag 29.08. 2016

Paul hat etwas gemurmelt von einer Eden-Lodge, die wir finden würden, wenn wir durch das Brauereigelände am Ende von Ginsenyi fahren. Dort könne man billig campen und im See schwimmen.
Nach dem Frühstück mit Rührei und Kaffe und Brot, das beim Kauen im Mund immer mehr wird, fahren wir los. Rechts Brauereigebäude, links Brauereigebäude, dann Piste durch die Dörfer. Uns begegnet das Schild „Congo Nile Trail“, dem wir folgen. Von einer Eden-Lodge keine Spur. Malerisch und wunderschön windet sich die Piste am See entlang und wir überfahren die ersten Balkenüberquerungen über Bäche, die in den See fließen.
Im Navi habe ich eingegeben: Campground ohne Facilities, das Navi führt uns den Congo Nile Trail entlang. Die Piste wird enger, die Fahrspur verengt sich zum Moppedtrail. Das kommt uns bekannt vor. Immerhin haben wir damals im Kongo und später noch einmal in Äthiopien eine solche Piste gefahren und schlechte Erfahrungen gemacht.
An einem kleinen Wasserfall treffen wir Holländer, die, wie soll’s anders sein, mit dem Mountainbike den Congo Nile Trail befahren wollen. Das Gepäck wird vorab in Camps gefahren, die das Pärchen dann als Tagesetappe erreichen müssen. Trotz hochroter Köpfe, bei immerhin 32°, sind sie wohlgemut. Da ich selbst lange Zeit Mountainbike gefahren bin, kann ich einschätzen, dass die Strecke, die vor ihnen liegt, schwer zu befahren ist.
Die Piste verlässt den See und wird wieder breiter als wir Steilanstiege in Dörfer zu bewältigen haben. Die Dorfbewohner haben offensichtlich lange keine Mwuzungus (Weiße) mehr gesehen. Die zum Trocknen auf Planen ausgelegten Beeren(?) müssen erst zur Seite geräumt werden, damit wir passieren können. Auch Autos scheinen hier lange Zeit nicht mehr gefahren zu sein.
Die nächsten Bachquerungen kommen. Die Balken sind manchmal weggebrochen, so dass Sigrid aussteigen muss und mich vorsichtshalber über die Brücken weisen muss. Das Abrutschen eines Randes hätte doch fatale Folgen. Und dann ist sie da, die Brücke, die nicht zu überqueren ist.
Sie ist zu schmal. Die rechten Räder des Toyos könnten sie komfortabel überqueren, die linken hingegen würden genau in die Lücke zwischen zwei Baumstämmen passen. Der Baumstamm, der hier einmal gelegen hat, ist weg! Das Bächlein zu durchfahren wäre an einer Stelle möglich, jedoch käme der Toyo nicht wieder zurück auf die Piste, die hier von einem tiefen Graben gesäumt wird.

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Wir schnallen unsere Bleche ab, um mal zu sehen, ob man damit den Zwischenraum überbrücken kann. Und wie immer in Afrika tauchen aus dem Nichts unbekannte Helfer auf. Ein älteres Paar und ein junger Bursche, den wir schon auf dem Weg überholt hatten. Sie, die ältere Dame hat die zündende Idee. Sie verschwindet in einem alten Bananenhain und schleppt einen Bananenstamm heraus.
Ihr Mann schleppt den nächsten Stamm heran und der junge Bursche muss ins Bachbett, um einen wenigstens 30kg Wackerstein heraufzuwuchten, der zwischen die Baumstämme gepackt wird. Die Bananenstämme sind viel zu weich, um den Toyo zu tragen, aber sie sollen verhindern, dass die Bleche abrutschen und mitsamt Toyo im Bach landen.
Etwas mulmig ist mir schon, als Sigrid mich auf die wackelige Brücke schleust und ich flott die knappen drei Meter überfahre. Wir sind drüben, die Bleche haben ein paar Beulen mehr.
Die Helfer bekommen jeder 500 Francs (etwa 50 ct), alle sind glücklich, aber wir sind am Punkt of no return. Weiter geht es im ersten und zweiten Gang zur nächsten, größeren Brücke. Der Balken, der die linke Seite des Toyos tragen muss, sieht ziemlich morsch aus. Auf der Brücke kracht es, ich gebe Vollgas und fahre fast gegen die Felswand auf der anderen Seite der Brücke. Der Balken, der eben noch den Toyo trug, ist weg.

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Noch zwei weitere Brücken zerstören wir auf diese Art, bis wir auf die Trasse einer neuen Asphaltstraße stoßen, die die Chinesen mit dem üblichen Aufwand ohne Rücksicht durch die Landschaft treiben.
Wir erreichen Kibuye, vielleicht die schönst gelegene Stadt am Kivusee. Unser Navi führt uns zu einer Landzunge. Über die Piste wurde eine Leine gespannt, die von ein paar Schnöseln bewacht wird. Sie bedeuten uns, dass es hier nicht weiter geht und sind nicht gewillt, den Weg freizugeben, damit ich wenden kann. Also muss Sigrid raus und die Leine lösen, was die Schnösel unter Protest erlauben, denn an eine ältere Weiße wagen sie sich  nicht heran. Die nahegelegene Lodge verlangt Mondpreise, so dass wir wieder bei den Presbyterianern landen, die eine herrlich gelegene Lodge am See zu annehmbaren Preisen betreiben. S 2.059396, E 29.337262. (Bethanie)

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Wir essen im Restaurant, welches wir wieder nach einiger Sucherei und vielen Treppen endlich auf dem Gelände gefunden, obwohl wir doch hier schon gewesen sind.

Während in Kigali die Motorradtaxis überwiegen, sind hier Fahrräder gefragt. Alles, wirklich alles wird auf Fahrrädern transportiert. Fahrradtaxis sind der Hit. Beindruckend insbesondere die Damen, die im Damensitz sich von kräftigen Burschen die Berge hinauf strampeln lassen.

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Dienstag 30.08. 2016

Verbringen wir in Kibuye auf der Suche nach einer netten Strandbar, die wir nicht finden.

Begegnungen:

Polzist: Sie müssen genau die Geschwindigkeit fahren, die auf dem Schild angegeben ist. (50 kmh)
Otto:     ok, leider bin ich nur 44 gefahren, Entschuldigung.
Polizist: 44 ist auch ok.
Otto:     50 und 44 sind ok ? Was ist mit 48 ?
Polizist: auch ok, gute Fahrt.

Mittwoch 31.08. 2016

Wir fahren über die Asphaltstraße nach Gisenyi zurück, die andere Strecke haben wir ja zerstört, und kommen dicht an Kigali vorbei.
Wir nisten uns wieder bei den Presbytern ein.

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Lavabrocken in Gisenyi vom letzten Vulkanausbruch

Donnerstag 31.08 2016

Wir überqueren mal wieder eine Grenze, von Ruanda nach Uganda. Kurz vorher rufen wir Paul an und erzählen ihm, dass wir Ruanda verlassen. Der sitzt bei Kathrin, der Schnapsherstellerin und behauptet, er trinke Kaffee. Sein Familienvisum wurde wieder abschlägig beschieden.

Sigrid muss die ruandische Grenze zu Fuß überqueren und darf erst 20m später wieder ins Auto, was ihr stinkt, kann ja nicht jeder wie er will im Auto sitzen!

An der Grenze das übliche Theater. Der Oberzöllner, der unser Carnet abstempeln soll, begrüßt uns wie den verlorenen Sohn. Er will die Sraßennutzungsgebühr in Ugandischen Shillingen haben und schickt mich zu den Schwarzgeldhändlern, die vor der Tür lauern, wie die Geier. Die bekommen unsere Ruandischen Francs, obwohl wir sie eigentlich aufheben wollten, da wir die Absicht haben, nach Ruanda zurückzukommen. Gut, nun sind sie weg für einen Wechselkurs, den uns keiner gesagt hat und den wir sowieso nicht kontrollieren könnten. Der Oberzöllner ist zufrieden, kann uns aber leider keine Quittung ausdrucken, da sein Computer abstürzt. Er notiert den Erhalt der Knete handschriftlich und meint, wenn jemand das kontrolliert und meckert, soll er ihn anrufen. Der Immigrationsbeamte bekommt 50$ für ein Dreimonatsvisum und der Polizist trägt uns in das große Buch ein und gibt uns kein kleines Zettelchen, was dem letztkontrollierenden Soldaten missfällt, der uns zur Polizei zurückschicken will. Ich erkläre ihm, dass Mwuzungus (Weiße) kein Zettelchen brauchen, was er akzeptiert. Alles ganz normal und in 1 Stunde erledigt.
In Kisoro steigen wir auf der Campsite des Virunga Hotels ab. Sigrid meint, wir seien schon einmal hier gewesen, also begrüße ich den Chef als alten Freund. Später fällt mir ein, dass wir noch nie in Kisoro gewesen sind. Das Hotel baut einen neuen Trakt, seit 2 Jahren. Renovierungsarbeiten an dem einstürzenden Neubau sind dringend notwendig. Wir stehen auf der Baustelle recht gut und beschließen 2 Tage zu bleiben, um zu waschen und auszuruhen.
Die Stadt ist afrikanisch, viele kleine Läden, eine Bretterbudenkneipe, in der ich glaube beschissen zu werden, weil sie mir 5000 UGX für mein Lieblingsbier „Primus“ abnehmen und ich deswegen dem Wirt mit der Fremdenpolizei drohe. Die vielen Nullen auf den Geldscheinen machen mich schwindlig. Etwa 3400 UGX sind 1 €.
Samstag 03.09. 2016
Wir wollen in den Queen Elisabeth National Park und fahren nachdem wir in Kisoro getankt haben, die Piste, die uns unser Navi zeigt. Mein teuer gekauftes Lieblingsprogramm QV, das auf dem CarPC läuft spinnt und schaltet das GPS aus. Aber gerade diese Trackfunktion von dem Teil brauche ich; denn nur hier bekomme ich eine Übersichtskarte mit unserer Position. Am Anfang der Piste kommt neben den üblichen Kindern, die uns mit „how are you“ nervtötend anschreien und sich die Nasen am Toyo plattdrücken ein Schnösel, guckt uns böse an und grunzt „No“. Das QV-Programm nervt, das Geschrei der Kinder nervt und nun auch noch der. Wir fahren los auf die Piste, die sich ganz ordentlich fahren lässt, auch kommen uns Kleinlaster entgegen. Es geht in die Berge in Richtung Kusungu, es wird steiler und enger. Die Abgründe werden tiefer. Der Toyo ackert nach oben, bis ein Fahrradfahrer (!) uns stoppt und meint, weiter oben ginge es nicht weiter. Wir suchen auf der engen Bergpiste eine Stelle zum Wenden. Sigrid weist mich ein, dass ich nicht mit dem Toyo abstürze, nach etlichem Vor-und-Zurück steht die Toyoschnauze bergab.

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Steineklopfer

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Brennofen für Ziegel

Nach Kisoro zurück wollen wir nicht, also fahren wir nach Kabale dem Ort, in dem Sigrid ehedem ihr Geschwür vom dortigen Gynäkologen hat behandeln lassen. Wir fahren auch wieder auf den schönen Camground direkt am See, der Bunyonyi Overlander Lodge S1.27223° E29.93737°. Dummerweise steht dort ein Overlander Truck mit etwa 12 Engländer, die sich noch auf einer Bootstour über den See befanden, als wir ankamen und deshalb noch keinen Krawall machen konnten. Dafür machten ihre Knechte Krach beim Zubereiten des Dinners für die Herrschaften. Die kamen, würdigten uns keines Blickes, beleuchteten die afrikanische Nacht wie den Picadilly Circus, lärmten und lagen um 20:00 Uhr im Zelt. Uns schwante Böses.
5:00 Uhr früh, stockfinster, die Knechte bereiten das Frühstück. Wie kann man solchen Lärm machen? Selbst die Schreihalsvögel erwachen und geben ihren Senf dazu. Wütend stehen wir auf und fangen ebenfalls im Schein unserer Stirnlampen an, unser Frühstück vorzubereiten. 7:00 der Truck startet, sie sind weg, ohne auch nur einmal „guten Tag“ gesagt zu haben. Himmlische Ruhe, wir überlegen, wieder ins Bett zu gehen.

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Wasserträger

Sonntag, 04.09. 2016

Es gibt noch eine andere Piste nach Kisungu, die wir nach reichlichem Einkauf im Supermarkt (Wasser, Bier und Wein) in Angriff nehmen. Eine gute Piste, die sich in die Berge bis auf knapp 2500m quält. Wir erreichen den Queen Elisabeth NP und fragen im Headquarter nach, wo wir wie im Park übernachten können. Alles kein Problem, 15 km weiter sei ein Gate, dort sollen wir bezahlen und die Campsite sei in direkter Nähe. Draußen mühen sich einige Ranger einen Landcruiser zu knacken, bei dem wohl die Schlüssel im verschlossenen Auto liegen. Irgendwie kommt mir die Szene bekannt vor. Wir haben auch schon unser Auto knacken müssen.
Wir kommen über eine gute Schotterpiste ans Gate, vor dem ein müder Ranger sitzt, (überschwengliche Begrüßung, große Freude) der eine Dame heranbeordert, die die Formalitäten erledigen und kassieren soll.
Nein, wir sind keine Bewohner Ostafrikas, so dass wir den vollen Eintrittspreis von 35$ pro Person bezahlen müssen. Aber unser Auto, hat die Nummer „T ME HO 303“ und ist aus Tanzania. Nur leider stimmt das Nummernschild nicht, dort fehlt das „T“. Kein Problem, die Dame wartet geduldig bis ich mit zwei nagelneuen tanzanischen Nummernschilder wieder auftauche, die ich vorher in Deutschland im Internet bestellt, beim Schildermacher hab‘ machen lassen. Ich erzähle der Dame eine abenteuerliche Geschichte, dass wir mit dem Auto in Deutschland gewesen seien, wo man deutsche Nummernschilder dranschrauben müsse, und wir nur vergessen haben, sie wieder abzuschrauben.

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Sie lässt sich darauf ein und wir bezahlen etwa 10$ für das Auto, anstelle 150$ (!). Die 12€, die ich für die Nummernschilder bezahlt habe, haben wir dicke wieder raus. Mit der eindringlichen Auflage, so bald wie möglich die Nummernschilder auszutauschen lässt sie uns in den Park. Das machen wir dann auch und pappen die tanzanischen mit Klettband an den Toyo, so dass sie jederzeit zu wechseln sind. Wir machen noch eine Tour durch den Park, dessen Südseite, wo wir sind, bekannt dafür ist, dass hier Löwen auf Bäumen sitzen. Unser Navi zeigt uns auch mögliche „Löwenbäume“ an. Wir sehen Elefanten und viele Pferdeantilopen und dann: klettert eine Löwin direkt vor dem Auto aus einem dicken Baum. Wir fotografieren was das Zeug hält, leider durch die dreckige Windschutzscheibe. Unten angekommen schaut uns die 10m entfernte Löwin an und verschwindet im hohen Gras.Löwin im Baum 4.JPG

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Zurück an unserem Campingplatz erzählen wir dem Ranger, was wir gesehen haben, was den sehr verwundert, da seit 14 Tagen überhaupt keine Löwen gesehen worden sind. „You must be very happy“
Unser Platz liegt unmittelbar am Fluss, der hier die Grenze zum Kongo bildet, und in dem sich eine Herde Hippos tummelt. Wir gehen ein wenig näher, drehen aber um, als drohend ein riesiger Kopf aus dem Wasser auftaucht. Die Hippos grunzen und streiten, klettern aber, als es dunkelt, aus dem Wasser. Zwei Bewaffnete erscheinen, die gleich sagen, dass sie freundlich sind und sich wundern, dass wir kein Feuer haben anzünden lassen. Wir genießen lieber den afrikanischen Nachthimmel, als am Lagerfeuer zu sitzen. Die Beiden sollen uns beschützen vor bösen Tieren und Buben, die aus dem Kongo kommen. Dafür bekommen sie jeder ein Bier. Als wir ins Bett gehen, verschwinden sie. Die Gefahr im Schlaf aus dem Kongo überfallen zu werden erscheint wohl weniger groß.
S0.61572° E29.65780°

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Montag 05.09. 2016

Wir wollen im Norden den Park verlassen und irren über die Pisten, die immer schwerer zu finden sind im hohen Gras und im Gebüsch und sehen dabei viele Antilopen und auch Büffel, bis wir im Lake Edward Sumpf landen. Wir finden keinen Ausgang aus dem Park und durch den Sumpf wollen wir bestimmt nicht. Also zurück! An einem Camp fragen wir einen Ranger, der uns den Weg aus dem Park weist.

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Auf der Zentralpiste fahren wir bis Parkausgang und wechseln mal wieder schnell die Nummernschilder. Wir wollen in die Region der kleinen Krater, eine Gegend, in der es zahlreiche kleine romantische Kraterseen gibt, an jedem bald eine kleine regionale Lodge mit Campground.
Wir kommen in Katara in der Craters Campsite unter, die nicht an einem See liegt.
S00.24609 E030.08499. Die Campsite ist sehr groß und befindet sich im Aufbau. Wenn sie mal fertig werden sollte und gepflegt wird, wird es sicherlich ein schönes Gelände werden. Jetzt kommt aber ein Sturm auf, der uns zwingt, in einer großen offenen Hütte Schutz zu suchen. Auf dem Tisch killt grade ein Löwe einen Büffel (Skulptur). Und es gibt dort elektrischen Strom. Wir beschließen mit Hilfe unseres Sandwichmakers das elende Weißbrot zu toasten und Brot zu Abend zu essen. Klappt nicht, der Strom ist weg! Also rösten wir Brot in der Pfanne auf unserem Kocher, den wir in die Hütte holen. Kaum ist das Brot fertig, ist der Strom wieder da.
Dienstag 06.09. 2016

Nordhalbkugel, Du hast uns wieder:

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Es gießt in Fort Portal, als wir einkaufen wollen. Klitschnass sitzen wir danach im Toyo und beschließen auf Kluges Guestfarm trotz der horrenden Preise zu übernachten. Ganze 15$ nehmen Kluges uns pro Person ab, damit wir auf dem Campground der tollen Farm und Lodge stehen dürfen. Dafür gibt es heiße Duschen, einen Unterstand mit elektrischem Strom und gepflegte Sanitäranlagen.
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Kluges im Morgentau

Mittwoch 07.09. 2016

Südlich Fort Portal gibt es eine Region mit zahlreichen kleinen Kraterseen. Da fahren wir hin und kommen zum Kasenda See und Camp, das von einem Chef aus dem Dorf betrieben wird, der es sich auch nicht nehmen ließ uns später zu begrüßen und zu fragen, wie wir denn gedenken Afrika zu helfen. (Indem wir da sind und Geld ausgeben). Wir genießen es am kleinen See zu sitzen und zu lesen. Leider droht Regen, was der junge Manager geschickt ausnutzt und uns zum Dinner im Restaurant überredet. Es gibt ein wenig Fleisch mit Soße, eine Schüssel Reis für eine hungrige Gorillahorde und geschnetzelte Avocados zum Abwinken. Wir mümmeln tapfer, die am Poolbillard herumlungernden Schnösel, verschlingen später unsere nicht unerheblichen Reisreste.

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Am Kratersee

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Donnerstag 08.09. 2016

Hat kein Schwein gehabt, das SchweinSchwein Mopped 2.jpg

Wir wollen jetzt endlich zum Albertsee und nach einem neuerlichen Abstecher im Supermarkt von Fort Portal sind wir auf einer unglaublich schlechten Piste unterwegs zum Ntoroko Camp, das von einem privaten Betreiber direkt hinter dem staatlichen Camp am See liegt. Der Besitzer will erst einen unverschämten Betrag, als ich drohe, ins staatliche abzuwandern, will er nur noch 5000 mehr, als der Staat. Dafür stehen wir direkt am See und bewundern die unglaubliche Anzahl an „dragon flies“, eine Libellenart, wie aus einer anderen Welt.
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Lake Albert

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Auch hier kommt Sturm auf, ich stelle den Toyo in den Wind und wir verziehen uns ins „Restaurant“, wo wir natürlich wieder zum Abendessen überredet werden sollen. Diesmal kochen wir selber. Pauls Plane wird aufgespannt, sie sammelt den Regen und verteilt das Tropfwasser gleichmäßig, trotzdem, wir kochen und speisen nass bis auf die Knochen.

Freitag 09.09. 2016

Zurück über die Schlaglochpiste nach Fort Portal. Auch auf der ersten Tour kreisten wir um den Andrew&Brothers Supermarkt N 0,65380°  O 30,27597°. Wir finden den „Whispering Garden“, eine wirklich schöne großzügige Anlage, wo wir uns unter die Bäume etwas abseits stellen. Stacy will 15.000 haben, das ist oK. Sie schreibt eine Quittung aus, auf der 50.000 steht. Wir drohen sofort abzufahren, was sie veranlasst, den Betrag auf 20.000 pro Person zu reduzieren, eigentlich zu teuer.
Kaum sitzen wir uns entspannen erklingt „Dicke Backen Musik“: Du, du liegst mir am Herzen……
Wir glauben an einen Hörschaden, aber es bläst und trommelt weiter. Fasziniert lauschen wir dem Konzert, das so weit weg stattfindet, dass es nicht stört.

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Schreihalsvogel

Samstag 10.09. 2016

Bisher haben wir nur wenig vom Albert See gesehen und zwar teuer im Semliki Nationalpark. Wir wollen in den Norden und fahren, nach einem Besuch im Supermarkt, wo wir eine neue Fußmatte kaufen können, die alte haben wir bei den Hippos vergessen, in Richtung Kaiso, das am See liegt.
Es beginnt zu regnen und die gute Schotterpiste führt durch Teeplantagen. Alle Pisten sind schmal und rund, mit tiefen Gräben an den Seiten, in die das Wasser abfließen soll. Die Piste, die wir fahren ist weder im Nvi noch in der Karte eingezeichnet, so dass wir abbiegen zu einer Ortschaft, die in der Karte benannt ist. An der Abzweigung stehen Moppedfahrer und kratzen den Schlamm aus den Rädern. Nach kurzer Fahrt auf wird die Piste schlammig, kein griffiger Schotter mehr. Der Toyo beginnt ein Eigenleben trotz Allrad. Ich habe Mühe ihn auf der Piste zu halten, immer wieder rutscht er in Richtung Graben. Angstschweiß, Stirnband. Vor uns zwei große Schlaglöcher. Fahre ich dahinein, rutsche ich in den Graben. Ich versuche rückwärts in der Spur zu fahren und rutsche in den Graben.Graben 1.JPG

Alle Versuche aus eigener Kraft rauszukommen scheitern, der Toyo gräbt sich trotz Achssperren tiefer in den klebrigen glitschigen Boden. Wir stapfen in den Schlamm mit Sandalen und haben Mühe nicht sofort auszurutschen. Die Bleche, unsere Rettung?

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Leider nicht, das Auto klettert gar nicht darauf, es rutscht ab.
Ich bocke den Toyo mit dem Hijack hoch, um die Bleche unter die Räder zu bekommen.
Wie immer tauchen Helfer auf, die kurz darauf eine Art Hacke holen, das meistgebräuchliche Werkzeug hier. Und sie hacken.

Graben 3.JPG

Ein Motorengeräusch von vorne. Es stürmt ein Landcruiser heran, mit den rechte Reifen im Graben. Der Vorderwagen ist fast unter Wasser, er schiebt ein Bugwelle vor sich her in angsterregender SSchieflage, aber umkippen kann er nicht, das verhindert der Graben. Er kommt frei und mit kurzen starken Gasstößen prescht er durch den Schlamm. Aha, so macht man das!

Nach etlichen Versuchen und 2 Stunden Arbeit kommt der Toyo frei.

Graben 4.JPG

Wir sehen aus wie Warzenschweine im Schlamm. Die Bleche passen wegen des Schlamms nicht mehr in die Halterungen, der Hijack lässt sich nicht absenken, das werden wir später richten.
Ich will die Piste nicht nach vorne fahren, ich habe Angst, aber zurück geht gar nicht. Also sitzen wir verschlammt im Auto und mit wohldosierten Gasstößen geht es nach vorne und durch die Schlaglöcher. Ich kann den Toyo auf der runden Piste halten und nach etwa 1 km wird der Schlamm etwas weniger. Vor uns, wir fallen beinahe ab vom Glauben, fährt eine Toyotalimousine und rutscht immer wieder gefährlich in Grabennähe. Der Fahrer friemelt mit Vor und Zurück seine Kiste immer wieder in die Spur. Nun fährt er sogar zur Seite, um uns überholen zu lassen.
Wir halten neben ihm an und fragen, ob man bei den verlassenen Häusern, an denen wir gerade vorbeigefahren sind, übernachten können. Naja, meint er, da wohnt keiner, da seid ihr ganz alleine im Busch. Genau das wollen wir. Dankbar schieben wir ihn noch aus dem Graben und finden zugewachsene Fahrspuren zu den verfallenen Gebäuden, wo wir uns für die Nacht niederlassen und den ersten Dreck beseitigen.

Sonntag 11.09. 2016

Wir schlafen gut an unserem Platz im Busch, die paar Moppeds, die morgens versuchen durch den Schlamm zu pflügen stören uns nicht.
Wir kommen in trockenes Gelände und fahren durch Budongo zum Busingiro Eco Camp. Als wir dort sind und die bemalte Halle sehen, schwant uns, dass wir schon einmal hier waren. Richtig, auf dem Campground, romantisch im Regenwald, gibt es sogar noch den Elchfarn in der Astgabel, der uns damals so fasziniert hat und der jetzt vertrocknet ist. Auch die halbwüchsigen aus dem nnahen Dorf sind wieder da, um uns zu beneugieren. N 1,71558°  O 31,46974°
Aron der Chef des Ganzen beäugt misstrauisch unsere Tanzanischen Nummernschilder, die er findet, weil ich den Toyo ausgeräumt habe, um ausgeschwapptes Wasser aus dem Wasserkasten zu entfernen. Bei der ganzen Schuckelei und den Schieflagen schwappt immer wieder Wasser aus den Kanistern.
Das im Reiseführer hoch gelobte Camp besteht nur noch aus der „Halle“. Die Bandas sind verfallen, aus den Strohdächern wächst Gras, die Plumpsklos sind so arg, dass Sigrid lieber in den Wald geht.
Trotzdem wir stehen romantisch im Regenwald für 30.000, also etwas weniger als 10€.

Montag 12.09. 2016

Wir fahren am Albert See vorbei noch einmal in den Murchison National Park.

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Fähre in Wansenko N 2,17966°  O 31,37707°

Rinder 01.JPG

Ugandische Rinder

Das Yebo Camp liegt außerhalb des Parks, deshalb wollen wir dort übernachten.
N02.24724 E031.52135. Richtig toll ist es hier nicht, aber die afrikanischen Duschen sind sauber und wir finden eine Frau, die unsere Wäsche wäscht.

Dienstag 13.09. 2016

Auf in den Park, die Nummernschilder sind montiert und wir zahlen 40$ pro Person. Um 9:05 Uhr betreten wir den Park und dürfen 24 Stunden bleiben. Am RedChilli Camp gehr die Fähre über den Nil allerdings erst um 11:00 Uhr, so warten wir bei einem Bier. Drüben auf der anderen Seite fahren wir in Richtung Albert See.

Fähre.JPG

Und finden eine Vielzahl Leierantilopen, die sich in der Mittagshitze ein schattiges Plätzchen suchen.

Elefant 3.JPGWir sehen aber auch Elefanten.

LeierantilopeLeierantilope 2.JPG

Und wir sehen Büffel. Und als ich langsam, um keinen der Kolosse zu ärgern, durch eine Herde hindurchfahre (was man nicht tun sollte) greifen tatsächlich 600kg Büffel den Toyo an. Sigrid meint, ich solle mich mal mit Gas geben beeilen, als er herantobt. Der Toyo war schneller.Büffel 4.JPGWir sehen aber auch seltsame Vögel, die Mühe haben zu fliegen und schwerfällig in der Luft, wenn sie denn mal oben sind, torkeln.

Seltsamer Vogel 6.JPG

Einige Hippos im Nil, richtige Nilpferde, werden nur als Ruheplatz für Vögel genutzt.

Hippo 7.jpg

Nachdem wir an der Fährstation ein wenig ausgeruht haben, fahren wir in die andere Richtung und werden so heftig von TseTse-Fliegen attackiert, dass wir abbrechen.
Auf dem Weg zurück treffen wir noch eine nette Elefantengruppe.

Elefanten 8.jpg

Es gießt seit Stunden. Wir sitzen unter einem Strohdach der „Haven“ Lodge, die Rainer gehört, der aber grade in Deutschland ist. „Haven“ ist eines der schönsten Ecken in Afrika, in der Nähe von Jinja, wo der Nil aus dem Victoriasee fließt. Wir haben einen verregneten Blick auf die ersten Stromschnellen des jungen Nils und staunen über die großen schwimmenden Inseln von Wasserhyazinthen, die den Nil hinunter treiben. Die Fischer sind trotz des Regens in ihren Einbäumen unterwegs. Es ist schön hier.
Als wir gestern
Sonntag 18.09. 2016 hier ankamen, standen ein Südafrikanischer Landcruiser und ein Monsterunimog aus Österreich hier, die heute abgefahren sind. Letztere waren seit einem Jahr unterwegs und hatten das Auto von Dubai nach Dar es Salam verschifft. Eine Batterie des Unimogs war platt, so dass eine Serviceauto geordert werden musste, um den wunderschönen Umog wieder zum Leben zu erwecken.

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Wir sind am 14.09. 2016 vom Murchison Park aufgebrochen und sind etwa um 8:00 Uhr durch das Gate des Parks gefahren. So hatten wir noch eine Stunde Zeit, das andere Ende des Parks zu erreichen, denn man muss hier alle 24 Stunden im Park neu 80$ abdrücken.
Trotzdem fahren wir zum Murchison Top, dort wo der Nil sich in die Schlucht stürzt.

Murchison 1.JPG

Und dann fängt es an zu regnen und wir fahren auf der Zentralpiste in Richtung Masindi. Wie immer, wenn man es überhaupt nicht gebrauchen kann, wandert die Tankanzeige des Zusatztanks nach Null. Ich muss halb unter den Toyo krabbeln, um den Tank von hinten auf vorne umzustellen. Es regnet und es ist schlammig und ich werde nass und schlammig. Es kommt doch noch ein Gate. Nur gut, dass wir die Nummernschilder noch nicht wieder auf Deutsch zurückgeschraubt haben.
Zwei Stunden haben wir die Zeit überzogen, das kostet erneuten Eintritt in den Park für 24 Stunden, also 80$. Wir sind nicht gewillt, diesen Angriff auf unser Portemonnaie kampflos hinzunehmen und ich biete nach einigem Hin-und Her an, zwei Stunden zu bezahlen, mit Regenrabatt. Der Oberranger überlegt und sagt gönnerhaft, er vergebe uns und lässt uns fahren.

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Möbeltischler

Wir kommen nach Masindi und suchen einen Supermarkt und einen Geldautomaten. Einen kleinen Supermarkt finden wir, zum Geldautomaten, so sagt das Navi, müssten wir nach Hoima. Über die Piste habe ich im Schlamm keine Lust dorthin zu fahren, wir drehen um und siehe, Masindi ist in der anderen Richtung größer als erwartet, mit mehreren Geldautomaten, wovon einer funktioniert und Supermärkten.
Zum Rhinosanctuary ist es nicht weit, aber in der Nässe einen Spaziergang zu den Nashörnern zu machen, wird kein Vergnügen, auch weil wir keine Wanderschuhe mehr haben, die wurden bereits auf dem Altkleidermarkt in Mombasa verkauft. Wir fahren die lange Strecke bis Kampala, quälen uns durch den Feierabendverkehr, werden von zwei Wegschnecken überholt, und stehen vor dem verschlossenen Tor des „Red Chilli“ Campground. Kein Schild weist darauf hin, dass die umgezogen sind. Sigrid findet im Navi die neue Adresse, 6km entfernt. Einen Palast mit Swimmingpool, Bar, Restaurant haben sie dort hin gebaut und einen Platz zum Camping.

toyo-zeltDas erste Mal packen wir unser Zelt aus, nachdem wir uns noch dreimal das Video angesehen haben, „wie baue ich das Zelt auf.“Heute Abend essen wir Pizza von den netten Mädchen am Swimmingpool zubereitet.
Die nächsten Tage verbringen wir mit Wäsche waschen und einkaufen im Garden Center, der Nakumatt dort ist schlecht, besser kauft man im Shoprite, einer weiteren großen Einkaufsmall.
Abends essen wir im Restaurant Steak, was uns nicht zu Begeisterungsstürmen veranlasst, Red Chilli ist wohl eher auf Burger eingestellt; denn wir sind mit Abstand die ältesten Gäste.

Sonntag 18.09. 2016

Wir verlassen Red Chilli. 7$ pro Person kostet dort die Übernachtung, sauber, heiße Duschen, ok und fahren, besser schleichen, aus Kampala hinaus nach Jinja. Unterwegs kommen wir an zahlreichen Zeltmachern vorbei und beschließen, uns doch eine neue Plane nähen zu lassen. Dem Zeltmacher erkläre ich, was ich will, er misst aus und empfiehlt die Plane aus dem teuren Canvas machen zu lassen. Ich zahle die Hälfte an, ohne zu handeln, was ein Fehler war, und wir verabreden, dass wir die Plane am Dienstag abholen.
Und nun verbringen wir die Zeit an einer der schönsten Lodges in Afrika, der Regen hat aufgehört, unser Canvas-Zelt auf dem Toyo hat keinen Tropfen Wasser reingelassen, trotzdem ist alles klamm, so dass wir mit Hilfe der Standheizung, die Feuchtigkeit aus dem Toyo vertreiben. Die Sonne, die wieder scheint, erledigt den Rest.

toyo-am-nil

Was noch geschah:

Eine Schotterpiste, die sich gut fahren lässt. Plötzlich hat jemand während der Fahrt Konservendosen ans Auto gebunden. Es scheppert blechern zum Gottserbarmen. Anhalten, Sigrid schaut hinters Auto und findet keine Konservendosen. Ich fahre weiter und es scheppert nach wie vor. Kurz darauf wird das Scheppern zum Kreischen, irgendwo schleift etwas. Vor über dreißig Jahren bin ich das erste Mal mit einem G-Mercedes durch die Sahara gefahren und hörte dort das gleiche Geräusch am Auto.
Ich vermute jetzt wieder einen Stein, der sich zwischen Bremsscheibe und deren Abdeckung an der Bremsbacke verkeilt hat. Unter dem Auto verbrenne ich mir einen Finger an der bereits glühend heißen Abdeckung. Ich klopfe und stochere mit meinem geliebten kleinen Brecheisen herum. Beim Weiterfahren ist das Problem behoben, irgendwie muss meine Stocherei bewirkt haben, dass der Stein hinausgefallen ist.

Haven.JPGMontag 19.09. 2016

Es gießt: Wir sitzen unter dem Dach und genießen den Blick auf die Stromschnellen im Regen. Mit dem Sandwichmaker haben wir das Ekelbrot gegrillt, was es etwas genießbarer macht.
Der Unimog springt nicht an. Eine Batterie ist platt, so dass ein Serviceauto geordert werden muss, um den wunderschönen Unimog wieder zum Leben zu erwecken. Ich gebe Alfred den Rat, den Boschdienst in Kampala aufzusuchen, der uns vor drei Jahren auch neue Batterien besorgt hat, mit denen wir immer noch in der Gegend rumfahren.
Später treffen wir die beiden wieder. Diese Batterie-Spezialgröße des Unimogs muss in Deutschland bestellt werden.
Der hauseigene zahme Kronenkranich hat es sich auf unserer Motorhaube gemütlich gemacht. Er scheißt, und beginnt an den Spannriemen zu picken, die das Zelt fixieren. Ich schmeiß ihn runter.
Wir gehen abends Essen ins unverschämt teure Restaurant. Es gibt Tomatensuppe mit Baguette (!), Schweinekoteletts vom Minischwein und karamellisierte Bananen mit Vanilleeis.

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Kronenkranich

Dienstag 20.09. 2016

Wir fahren zum Zeltmacher, zu unserer neuen Plane. Aus einem sehr schweren Baumwollstoff (Canvas) haben sie genau das geschneidert, was wir haben wollten. Aber: Ein Stangenloch ist bereits ausgerissen. Es wird geflickt. Aus der alten Plane von Paul schneidern sie schnell noch einen Sack. Lebenslange Garantie gibt es auf die Plane. Das werden wir auch ausnutzen.Planenmacher.JPG

Planenmacher

Am Red Chilli treffen wir wieder auf Eva und Alfred und tauschen Erinnerungen und Erfahrungen aus. Ulkigerweise haben auch die Beiden erst spät ihren Motorradführerschein gemacht und sind mit ihren KTMs in unwegsame Gegenden gefahren, während wir auf den Straße Europas und Amerikas blieben. Beide sind wir Sahara gefahren, die beiden allerdings jeder mit einem Auto.

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Plane

Mittwoch 21.09. 2016

Wir quälen uns durch den Verkehr zum Planenmacher, das eine Stangenloch ist wieder ausgerissen. Sie flicken es, und während ich dies auf einer Insel im Viktoriasee schreibe, betrachte ich das andere ausgerissene Stangenloch. Wir werden die Planenmacher wohl noch einmal besuchen.

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Zentralmarkt
Im Sand Beach Ressort S 00.34629 E 031.88091 treffen wir Eva und Alfred wieder und verbringen auf dem schönen Gelände am Nabugabo See zwei Tage miteinander. Für 20.000 UGX kann man hier übernachten und Maria rückt sogar den Schlüssel für die Dusche raus, obwohl der See ungefährlich ist und gebadet werden kann.

Otto: wir würden gerne heute Abend im Seerestaurant essen.
Mädchen: kein Problem
Otto: was gibt es?
Mädchen: Fish and chips
Otto: meine Frau isst keinen Fisch, habt ihr noch etwas anderes?
Mädchen: Hähnchen
Otto: Gut, einmal Fisch und einmal Hähnchen.
Mädchen: Hähnchen gibt es nicht.
Eva lädt Sigrid zum Ragout iranisch-österreichisch ein, Alfred soll den zweiten Fisch essen, der uns am Auto serviert wird. Es sind leckere ganze Tilapia, die da auf dem Teller liegen und Alfred graust’s vor den Gräten. Ich zerpflücke das Tier, das gerade eine Dürreperiode überstanden haben muss, denn er besteht nur aus Haut und Gräten, nach afrikanischer Sitte mit den Fingern, verfüttere die Gräten an die lästigen Hunde, währen Eva sich gesittet mit Messer und Gabel dem anderen Hungerleider widmet. Alfred und Sigrid verzehren das Ragout. Danke Eva!

Freitag, 23.09. 2016

Affen, die Strafe Gottes, Meerkatzen wecken uns. Dies elende Primatenpack klettert auf dem Toyo rum.
Platzregen in Masaka, wir gehen einkaufen bevor wir auf die Ssesse-Inseln fahren, obwohl der Reiseführer vor der erhöhten Malariagefahr warnt.
Die Marabus beherrschen das Stadtbild und brüten in den Bäumen vor der Bank.

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Marabu Nest
An der Fähre sind wir das zweite Auto, doch vorher hat die Sicherheitskontrolle das Sagen. Es dräut wieder zu regnen, als mich ein Freundlicher vor einer Baracke bittet, das Auto hinten zu öffnen. Hakuna Matata (kein Problem), er blickt hinein und ist’s zufrieden. Nun kommt der nächste mit einem Mädchen im Schlepp, die ihrer Klamotten nach gerade vom kalten Matterhorn gekommen sein muss. Was ist das, schimpft sie auf die verpackte Winde zeigend, auspacken! Mich packt der Zorn. Was ist das, geht es weiter und sie zeigt auf die gelben Unterfahrkeile auf der Stoßstange, auspacken.
Wütend rede ich sie mit „little girl“ an, erkläre, das sei eine Winde und ich werde den Deubel tun, das Ding auszupacken, das andere seien gelbe Keile, die man gar nicht auspacken kann, weil sie schon ausgepackt sind und das hinten am Auto sei ein Reservereifen, den ich auch nicht von der Felge ziehen werde. Die Burschen beschwichtigen, immerhin sei dies eine Polizeikontrolle. Richtig, aber es sei eben keine Idiotie. Little Girl schmollt und schweigt.
Es beginnt zu regnen, Sigrid muss in die Baracke und unsere Daten in ein großes Buch eintragen. Dann stehen wir im Regen und warten, und warten, und warten, und warten, und warten, und warten.
Die Fähre kommt eine Stunde später als der Plan sagt. Sigrid muss zu Fuß auf das Schiff, mit etlichen anderen. Soll ja schließlich nur einer ertrinken, wenn ich das Auto nicht auf die Fähre bekomme.

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Fähre

Der Viktoriasee, immerhin so groß wie Österreich, wird geplagt von Wasserhyazinthen. Sie sammeln sich am Ufer, verstopfen Kraftwerke und bilden schwimmende Inseln, die mit Vorliebe von den zahlreichen Vögeln als Piknikplatz und Transportmittel benutzt werden, um über den See zu schippern. (Auf einer hölzern Wurzel…)

An der Anlandestelle dasselbe Theater. Sigrid muss raus aus dem Auto und wutschnaubend zu Fuß gehen, während ich mich schon von einem Uniformierten in die Geheimnisse des Fahrplans einweisen lasse, denn wir wollen am Sonntag zurück, und da fahren nun mal nicht viele Fähren.

Wir fahren eine Piste erst durch ansehnlichen Regenwald, dann durch Palmölplantagen und zur Palmölfabrik.
Wir hatten uns das Palm Beach Ressort am Seeufer ausgeguckt. S00.31255 E032.28979, eine schöne große Anlage mit großem Pool und verstreuten Hütten. Wir stehen hinter dem Pool am See, finden in einer noch nicht fertigen Hütte einen Stromanschluss und stellen später fest, dass wir am öffentlichen Badestrand stehen, vielleicht wurde er aber auch wegen uns so viel besucht. Von einem Lästling verlange ich 500 Schilling, dann darf er uns weiter, aber nur kurz beneugieren. Länger, und ein Blick ins Auto kostet extra.

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Vogelinsel

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Reiher am See

Am nächsten Tag sind Gelbgekleidete da, die Unterholz wegräumen. Bei näherem Hinsehen finden wir auch bewaffnete Wärter. Sträflinge werden hier eingesetzt.

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Sträflinge

Erstaunlich: Wir erleben eine ruhige Nacht, obwohl eine Busladung voll mit jungen Menschen im Palm Beach Ressort abgeladen wurde. Um 22:00 Uhr war deren Party vorbei.

Sonntag, 25.09. 2016

Wir warten wieder an der Fähre in drückender Schwüle. In Masaka fängt es dann an zu gießen. Wir fahren zu dem Backpacker und als wir davor stehen, stellen wir fest, dass wir hier schon einmal im strömenden Regen waren und wie jetzt auch ein Zimmer genommen haben, das selbe bekommen wir jetzt wieder. (Tag 562 11.04.2013) S 00.61364 E 030.65856. Diesmal lassen wir uns bewirten und essen zu Abend und frühstücken dort. (Früh aufstehen, Frühstück zu zubereiten dauert lange!)
Und weil wir nicht so recht wissen, wo wir hinwollen, fahren wir am

Montag, 26.09. 2016 zurück nach Kampala ins Red Chilli. Zu unserem Entsetzen kommen zwei Overlander-Busse an, deren unhöfliche Primatenfracht verschwindet aber Gott sei Dank ohne Gruß in den Zimmern, so dass wir ungestört bleiben. Lediglich Sigrid hat muffligen Kontakt mit ihnen, als sie am nächsten die gemeinsamen Steckdosen nutzen muss, um das labbrige Weißbrot mit unserem Sandwichmaker zu genusstauglich braten.

Wegen des Regens und weil wir nicht wieder nach Masaka wollen, haben wir uns entschieden, noch einmal in den Haven, an die Nilquellen nach Ninja zu fahren und den Viktoriasee im Osten entlangzufahren.

Sonnenaufgang am Nil.JPG

Sonnenaufgang (!) am Nil

Dort ruft Paul an. Er sei alleine unterwegs und fahre den Nile-Congo-Trail von Gisenyi nach Kibuye. Wir warnen vor den Tücken und erzählen, dass wir einige Brücken dort zerstört haben.

Mittwoch, 28.09. 2016

Heute wollen wir nach Kenia und haben noch über 1000000 UGX. Also tanken wir erst einmal 150l.
Die Grenze überqueren wir problemlos in einer Stunde und da unsere Visa noch gültig sind, bezahlen wir nichts. Der Schlepper, „my name is Vincent“, der uns die ganze Zeit vor den Füßen nrumläuft, bekommt nichts und flucht uns hinterher, als wir vom Zollhof fahren.
Wir wollen in ein Forrest Ressort bei Kakamega und werden am Gate freundlichst begrüßt. Insgesamt will die nette Rangerin 90$ haben, dafür dass wir in ihrem Wald übernachten. Für die 40$ Campinggebühren hätten wir dann auch eine Hütte bekommen und für die 50$ Eintritt können wir ja auch noch spazieren gehen. Uns reicht die Abzocke und zu allgemeiner Verwunderung drehen wir um und fahren eilig nach Kisumu ins verlodderte Beach Ressort. S 00.09673 E 034.73279 (Tag 582)
Auch dieses Mal flüchten wir unter ein Dach und stellen den Toyo so, dass wir trockenen Fußes aussteigen können. Die Duschen sind frisch gestrichen (!) und warm, wir finden wieder eine funktionierende Steckdose, die Hunde bellen nicht, und wir beschließen zwei Tage hierzubleiben.

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Ziegel-Brenn-Öfen

Nachts um 2:30 Uhr: Sigrid verspürt den Drang nach einem Spaziergang und urinaler Befreiung. Sie klettert aus dem Auto und will sich unter dem mit einem Mäuerchen umfriedeten Dach hinausschlängeln, als mich ihr Ruf weckt, hier trieben sich Hippos rum. Ich galube ihr nicht, schaue aus dem Fenster und sehe eine große Kuh, die sich im Licht der Stirnlampe zu einem 1000 kg Hippo mausert und wutschnaubend auf meine Sigrid zusteuert. Schnell ist sie wieder im Auto und das Hippo dreht, nach Hippoart grunzend, ab und folgt seinen Flußpferdfreund, der sich nicht aus seiner grasmampfenden Ruhe hat bringen lassen, ins Unterholz.
Wir beide pinkeln dann eben etwas später.

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Baumschild, das vor Schlangen und Hippos warnt.

Donnerstag 29.09. 2016

Wir waschen im verlodderten Camp, nachdem die Wäsche hängt, fahren wir nach Kisumu, reisst einen auch nicht vom Hocker, und finden die beiden deutschen Restaurants nicht. Spinnt der Reiseführer? Kein Mensch kennt die Kneipen, aber wir finden im Nakumatt endlich einen Ersatz für meine geklaute Schlupfhose, in die ich morgens schlüpfen kann. Eine elendig teure Adidas-Trainingshose.

Freitag, 30.09. 2016

In Nakuru, 2000m hoch gießt es in Strömen. Wir fahren zur Lodge Elementaita am gleichnamigen See, die wolle 40$ haben, dass wir vor ihrem Swimmingpool stehen dürfen. Unverschämt teuer, nicht zu empfehlen. S00.46676 E036.27745
Wenigstens soll es hier warme Duschen geben, die wir auch gebrauchen können. Wir waren gerade fertig mit dem Abendessen, als die Sintflut hereinbricht. Unsere neue Plane ist dicht, wird aber schwer wie Blei.
Ich drehe die Dusche auf. Sie hat, wie hier meistens üblich, einen dicken Duschkopf, der als Durchlauferhitzer fungiert und meistens ziemlich abenteuerlich an das Stromnetz angeschlossen ist. Ich dreh auf, und das Teil explodiert. Flammen schlagen aus dem Duschkopf, es stinkt nach dem Leibhaftigen. Nur gut, dass sich das Höllenteil durch einen Schalter außerhalb der Duschkabine abschalten lässt. Für 40$ wird hier was geboten.

Samstag 01.10. 2016

Durch das Hauptanbaugebiet für Tee fahren wir in über 2000m Höhe  durch die Teestadt Kericho, in der wir schon mal im Teehotel übernachten hatten.

Teehplantage.jpg

Teeplantage

Die Arbeiter der Plantagen sind hier in Reihenhaussiedlungen untergebracht. Die Häuschen sind wahrscheinlich komfortabler, als die meisten Behausungen sonst in der Gegend.

Siedlung.jpgSiedlung mit Haus des Bosses obendrüber

Dann geht’s abwärts, hinein in den Grabenbruch. Es wird wärmer und wärmer, bis wir bei jetzt 34° am Bagoria-See ankommen. Hier gibt es ein Spa. Großzügig angelegt, Springbrunnen vor dem Eingangsportal, Swimmingpool und einen großen Mineralwasserpool mit 32° warmen Wasser. Ich schwächele ein wenig, mir wird schwindlig und ich schwächele im heißen Pool, während Sigrid aufblüht in der Suppe und olympiareif durchs Becken krault. Der Campingplatz kostet auch hier 40$ (2000KSH p.P)
N00.35434 E036.05203
Gerade, wo ich die Koordinaten tippe, stelle ich fest, dass wir mal wieder den Äquator passiert haben, ein Ereignis, das an Bedeutung verliert.
Auf dem Platz stehen mehrere Zelte, die alle leer sein sollen, einige Strauße stolzieren zur Freude der zahlreichen Chinesen umher, die sich in albernen Posen vor den Vögeln fotografieren und es gibt die Strafe Gottes, die Meerkatzen. Also Bude dicht, nichts rumliegen lassen, Fenster zu. Sigrid wir von einem Weibchen angegangen, es weicht nicht zurück, so dass wir unsere Macheten griffbereit haben.
Nach ausgiebigem Schwächeln im Pool und Zeit zum Zubettgehen, bezieht ein Herr ein Zelt direkt neben uns, er schlafe immer hier.

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Strauß

Es bleibt trocken hier unten im Riff und wir fahren am
Sonntag, 02.10. 2016 zum Gate des Lake Bogoria National Reserve.
50$ p.P soll der Eintritt in den Park kosten, der eigentlich nur aus dem rechten Seeufer besteht, wo es heiße Quellen geben soll. Das ist uns zu teuer! Der Unterranger holt den Oberranger, einen großen Massai. Der Oberranger, ausgesprochen hett, meint, es sei doch schade, wenn wir den langen Weg von Deuttschland gemacht haben und die Schönheiten Keinias nicht sehen und macht uns den Kinderpreis, immerhin noch 30$ und 10$ fürs Auto. Wir willigen ein und landen auf der Piste erst einmal vor einem Sumpf. Auch die Touriautos wenden und suchen einen anderen Weg. Wir folgen und fahren die so ziemlich miesesten Pisten am See entlang, der auf der gegenüberliegenden Seite von hohen grünen Bergen gesäumt wird.

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Sumpf

Flamingos sind das Highlite des Sees, es soll auch Büffel und große Kudus geben, die aber gerade Urlaub haben.

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Flamingo 1.JPGFlamingos

Wir finden auch die heißen Quellen, zwei blubbernde Wasserlöcher, wie große Kochtöpfe, nicht sehr beeindruckend, wenn man den Yellowstone Park besucht hat. Überall liegen Eierschalen herum, die Überreste der Touris, die auf Geheiß der Führer eine Ei im Blubberloch kochen.

Heiße Quelle.JPG

Blubberloch

Am Ende des Sees soll es das „Fig Tree Camp“ geben. Wir kommen bis an einen flotten Bach mit warmen Wasser und mächtigen Feigenbäumen. Der Bach teilt sich und wir müssten im Nebenbach weiterfahren, was wir erst einmal erwaten. Dort wo wir das Bachbett verlassen müssten, ist die weiterführende Piste seit Jahren nicht mehr befahren, so dass wir diese Unterfangen beenden. Dafür beginnt hier meine Diarrhöe, die sich durch meine allgemeine Schwäche bereits angekündigt hatte. Zum Fotografieren fehlt mir die Kraft.
Wir fahren die Piste zurück, bis hinter die Blubbertöpfe und fahren eine Piste am Rande des Parks, die noch schlechter ist und uns letztlich ohne ein Gate zu passieren wieder auf die Asphaltstraße führt. Wenn jemand den See besichtigen möchte, ohne die unverschämten Preise bezahlen zu wollen, so muss er vor der Brücke sich bei den Koordinaten N00.35748 E036.05677 in die Büsche schlagen, und natürlich auch da wieder rauskommen.
Der freundliche Oberranger lässt uns nach Diskussion mit seinem Kassierer auf dem Campground des Loboi Gates umsonst campen. Es gibt Toiletten und kalte Duschen und für mich eine wenig unterhaltsame Nacht, in der unsere PortaPotti zum vielfachen Einsatz kommt.

Montag 03.10. 2016

Das St. Marien Hospital ist einige Kilometer außerhalb der Stadt Nakuru, die 2000m hoch liegt und wo es ständig regnet.
100 KSH, etwa 1€ muss ich bezahlen, damit mich ein Doktor untersucht. Vorab werden der Blutdruck und die Temperatur gemessen. Mein Blutdruck ist im Keller, kein Wunder, dass mir dauernd schwindlig ist. Bereits nach etwa 90 Minuten Wartezeit komme ich in ein für unsere Verhältnisse primitives Behandlungszimmer. Der junge Mediziner macht eine genaue Anamnese, beguckt die Pillen, die ich morgens schlucke, ich erkläre wofür sie sind. Er meint, nachdem er auch noch ein wenig an mir rumgedrückt und rumgehorcht hat, dass wir erst mal Blut, Stuhl und Urin untersuchen. Das machen die gleich, man kann drauf warten.
Draußen zahle ich 500KSH für das Labor, bekomme einen kleinen Beutel mit zwei kleinen Gefäßen und werde in die Toilette geschickt. Hier wird es wieder richtig afrikanisch. Es stinkt bestialisch, in jeder französischen Toilette liegt ein Klumpen Scheiße, nachdem der Patient seine Probe aus seinem Haufen entnommen hat, überlässt er es dem nächsten seine Fäkalien hinwegzuspülen.
Ich kann nicht. Habe ich mich doch alle zwei Stunden in der Nacht entleert. Ein bohnengroßes Stückchen presse ich hervor und fange es gleich ein. Klopapier? Es gibt keines. Am Grunde des Beutels, der mir gegeben wurde entdecke ich ein Blatt dünnes Papier. Pinkeln geht auch nur ein paar Tröpfchen. Doch der Laborant nimmt mir alles ab und lässt mich warten. Zwischen Kartons und auf einem Plastikstuhl nimmt mir ein Assistent Blut ab, und ich kippe nicht um.
Mit etwa 50 anderen Patienten sitzen wir vor dem Fernseher und sehen Geo-Wild, herrliche Tieraufnahmen, bis ich wieder zum Doktor darf, den handgeschrieben Zettel mit meinen Laborwerten bekomme ich vorher in die Hand gedrückt. Gut: weiße Blutkörperchen erhöht, Zellen im Urin und weiße Blutkörperchen im Stuhl.
Der Doktor verschreibt mir zwei verschiedene Antibiotika und Elektrolyte. Meine Blutdrucksenker soll ich mal besser nicht mehr nehmen. Zur Kontrolle soll ich wiederkommen. Ich erkläre, dass ich mir besser selber ein Blutdruckmesser kaufe.
Ich bezahle 2500 KSH und warte, dass der Apotheker die Medis zusammenstellt.
Irgendwie kann ich ins Hotel Graceland fahren, abseits in einer ruhigen Seitenstraße, S00.27581 E036.08384, wo wir ein Zimmer für 4000KSH incl. Frühstück bekommen und ich wie tot ins Bett falle, nachdem ich die erste Dosis Medis geschluckt habe.
Abendessen: Sigrid bestellt sich Hähnchen Curry, ich einen russischen Salat. Allerdings erlebe ich das Essen nicht mehr am Tisch, ich muss mich hinlegen. Irgendwann kommt Sigrid mit dem Zimmermädchen. Sie bringen das Futter. Einige Happen Salat bekomme ich runter.
Im Krankenhaus haben sie mich gewogen. 12 kg habe ich seit Ankunft in Afrika bereits verloren. Ich empfehle Afrika als Schnelldiät.

Dienstag 04. 10. 2016
Zum Frühstück gibt es eine Schale Obst, Eieromelett, Bratwurst, Kochbanane, Maniok und Nescafe. Dazu ungetoastetes süßes Weißbrot, Margarine und Marmelade. Ich esse ein paar Früchte und das Ei. An eine Weiterfahrt ist nicht zu denken.
Nach zwei Stunden bin ich in der Lage ins Nakumatt-Einkaufzentrum zu fahren, wo ich ein deutsches Blutdruckmessgerät kaufen kann und Buttermilch, die ich vertrage und die seitdem zu unserem beliebtesten Mittagessen avanciert ist. Zurück im Hotel habe ich es schwarz auf weiß, der Blutdruck ist im Keller, Puls bei fast 100, ich gehe ins Bett. Abends gibt es für uns gemeinsam ein Hühnchengulasch, das Sigrid um 17:00 Uhr bestellt hat, damit es um 19:00 Uhr fertig ist. Zwei Stunden Vorbereitung sind hier normal.
Es gießt in Nakuru fast ununterbrochen.
Typisch afrikanisch: Ein gut gefliester, nicht ausgebrochener Weg führt durch einen grünen gepflegten Garten vom Speiseraum zu den Zimmern. Ein Regenabflussrohr kommt aus dem Mäuerchen, das den Weg einfasst und setzt den Weg unter Wasser, so dass wir bald knöcheltief nass zu unserem Zimmer wandern müssen.

Mittwoch 05.10. 2016

Wo steckt das Geburtstagstäschchen für Rome? Ich bin fit genug, um nach meinem Früchtefrühstück mit Ei das Auto auf den Kopf zu stellen. Beim zweiten Anlauf finden wir es in der Schublade, die sich nur öffnen lässt, wenn die Kühltruhe fortgeschoben wird.
Beim Nakumatt kaufen wir große Briefumschläge und gehen zur DHL-Filiale. Dort sitzt Frank mit seiner Frau, die die DHL-Arbeit macht. Frank arbeitet in einer Klinik in Köln und spricht akzentfrei Deutsch. Mit seiner Hilfe und Sigrid am DHL-Computer bringen wir es fertig, den Brief abzuschicken. Das Porto kostet mehr als das Dreifache des Inhaltes. Frank verspricht, zu uns nach Düsseldorf zu kommen, sollten wir ihn in Köln anrufen.

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Gemüseverkäuferin

Am Fishermans Camp am Lake Naivasha stehen zahlreiche Zelte von Jugendlichen, da verziehen wir uns lieber zur Konkurrenz nebenan zum Connally Camp, wo wir schon einmal standen. Wir suchen uns wieder ein Dach, das uns vor dem Regen schützt und bauen unsere Plane so, dass wir trockenen Fußes aus dem Toyo kommen können.

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Hotel 5 Stars

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Toyo Naivasha

Neben dem See stehen die Treibhäuser der vornehmlich holländischen Firmen, die hier Blumen für Aldi und Co. erzeugen und tausende von Arbeitsplätzen geschaffen haben. Leider keine Abwässerklärung. Trotzdem gibt es im See Hippos, eine Menge Wasservögel und Schreiseeadler. Einer beendet gerade seine Mahlzeit, als wir uns etabliert haben.

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Arbeitersiedlung

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Schreiseeadler

Und es beginnt zu regnen und wird in der Nacht so kalt, dass wir die Heizung anmachen. Wir frieren am Äquator.

Donnerstag 06. 10. 2016

Wir durchfahren ein riesiges Tal, das aussieht wie eine Caldera, der Verkehr ist mörderisch, hinaufschleichende LKWs werden gnadenlos überholt, während die LKWs den Berg hinab rasen. Uns wundert, dass nicht Leichen unseren Weg pflastern. Wie überall in den Bergen werden die gleichen Souvenirs angeboten.

Souvenirs.JPGUnd dann kommen wir nach Nairobi, die Hauptstadt Kenias, fahren durch Luxusvororte und werden von der Polizei gestoppt, weil wir 75 km/h anstelle der vorgeschriebenen 50 km/h gefahren sind. Wenn wir eine Quittung über die 5000KSH (50€) haben wollen, dann könne ich den Führerschein am Montag beim Gericht abholen, oder ich könne gleich und ohne Quittung bezahlen. Ich wähle letztere Option, immerhin wird mein Name in ein Büchlein eingetragen, nachdem ich bezahlt habe. So wird das nichts mit Afrika. Das Uhuru (Sieges)-Denkmal, das an die Unabhängigkeit erinnert, verschwindet langsam im Unkraut und erlangt eine neue Symbolik.

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Uhuru

Nun sitzen wir seit drei Tagen bei Chris Handschuh in der neuen Jungle Junction im noblen Stadteil Karen (nach Karen Blixen = Jenseits von Afrika = Robert Redford, Meryl Streep, Klaus Maria Brandauer = für alle, die mit Karen nichts anzufangen wissen) und warten auf eine kleine Druckluftkupplung für unsere Dusche, sonst bekommen wir kein Wasser mehr aus den Toyokanistern. Hier hat der Toyo seinen Ölwechsel bekommen und hier habe ich mein erstes Bier nach langer Zeit getrunken! Am nächsten Tag hat es sogar geschmeckt, und ich habe einen ganzen Hamburger gegessen, wo ich mich 10 Tage lang vor Fleisch geekelt habe.
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Es geht bergauf!

Bei Chris Handschuh in der Jungle Junction treffen wir immer wieder interessante Leute.
Ein Paar aus Österreich in unserem Alter, ist mit einem uralt Unimog der Feuerwehr unterwegs. Sie haben die Gorillas in Zaire besucht und dann sind ihr wegen ihrer Osteoporose Lendenwirbel zusammengebrochen, so dass sie jetzt im Rollstuhl sitzt.
Die Beiden wollten weiter nach Norden, über die Turkanaroute nach Äthiopien. Ein Paar aus München mit einem Landcruiser hat ihnen den Zahn endgültig gezogen, denn die beiden sind mit knapper Not aus Äthiopien entkommen. Das Auto wurde mit Wackersteinen beworfen, hat tiefe Beulen, nur durch Glück sind die Scheiben heilgeblieben. In Äthiopien ist der Ausnahmezustand ausgerufen, es soll bereits 500 Tote geben. Damit ist die Ostroute dicht, es sei denn man wagt sich durch die beiden Sudans.
Wir waren ganz in der Nähe der Jungle Junction in einem hochmodernen Kaffee, wo wir Steaks gegessen haben. Ich konnte mein Steak unter einem Gasheizschirm sitzend, mit Genuss verzehren und zwei Bier dazu trinken. Ich bin gesund!

Und immer noch warten wir auf die kleine Druckluftkupplung.

Die Druckluftkupplung für die Dusche ist eingebaut! Von den Äthiopien-Flüchtlingen habe ich einen kleinen Ventilator gegen eine Flasche Wein getauscht, den ich über dem CarPC eingebaut habe, und der helfen soll, den Hitzschlag des Computers zu vermeiden. Klappt sogar.
Wir essen das letzte Mal in der Jungle Junction, Sigrid hofft, dass die Köter der Umgebung ausnahmsweise mal ihr nächtliches Konzert unterlassen.

Mittwoch 12.10. 2016

Über die Old Naivasha Road fahren wir wieder über den Pass, wo sich neue Dramen abspielen. Ein 40-Tonner ist kaputt. Er blockiert die Hälfte der Straße. Selbstverständlich wollen aus jeder Richtung kommende LKWs gleichzeitig an dem Hindernis vorbei und stehen nun Stoßstange an Stoßstange. Die Blockade der Straße ist vollkommen.

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Naivasha Roadslow-down

Slow Down

Wir fahren in Richtung Massai Mara und suchen eine Übernachtungsmöglichkeit. In Narok soll am Kencol Cafe die Möglichkeit sein, zu campen. Trotz intensiver Suche nach der Wegbeschreibung des Reiseführers finden wir es nicht. Wir suchen nach einem Übernachtungsplatz im Busch und finden stattdessen zwei Lodges. An der ersten sind die Zäune kaputt und am Tor tut sich nichts, so dass wir zur zweiten, sehr gepflegten fahren, wo uns ein Massai mit riesigen Löchern in den Ohrläppchen begrüßt. Irgendwann kommt der Großkotz und will uns das Anwesen zeigen, wo es auch Giraffen und Antilopen gibt. Ich will wissen, was die Übernachtung kosten soll und wo die Duschen sind, denn wir sind völlig verstaubt.
10$ pro Person ist uns zu teuer und wir verschwinden. Wir haben ein wenig Angst, direkt in der Nähe dieser Lodge im Busch zu schlafen, vielleicht sind die Typen sauer, so dass wir die andere, verlassene Lodge umrunden und als ich gerade durch den nicht mehr vorhandenen Zaun auf das Gelände fahren will, erscheint schnellen Schrittes eine Frau. Klar können wir hier übernachten und es koste nur 10$ pro Person. Ich gebe ihr 1000 KSH, entspricht 10$ und sage ihr, dass es nicht mehr gibt, was sie akzeptiert. Sie schließt uns eine saubere Hütte mit Dusche und Toilette auf, putzt das Ganze noch, und so bleiben wir auf der Ilkali Lodge S01.22837 E035.72454.
Am nächsten Morgen kommt sie wieder und meint, ihr Boss habe gemeckert, wir sollen mehr bezahlen. Ihr Problem, wir packen und fahren weiter in Richtung Massai Mara.

Vor dem Gate des Massai Mara Nationalparks finden wir eine Lodge und fragen, ob dort Camping möglich sei. Nein, dies sei eine Lodge mit festinstallierten Zelten und der Boss verbietet Camping. Die nächste Lodge. Nein, viel zu luxuriös, aber dort hinten, da könne man campen, und ehe wir uns versehen, hat er einen Massai-Kumpel mit roter Umhängedecke herangeholt, der mit seinem Mopped vor uns herfährt und uns zu einer Stelle am Mara-Fluss bringt, wo wir stehen könnten. Ich Idiot gebe ihm 200 KSH und er verschwindet, dafür tauchen fünf andere rotumhängte auf, die uns klarmachen, dass sie pro Person 20$ haben wollen, weil wir auf ihrem Grund und Boden im Busch stehen. Wir bedanken uns für die Gastfreundschaft und suchen den Mara Campground. Über eine ganz schlechte Offroadpiste quälen wir uns zu ein paar Hütten, wo uns bedeutet wird, hier gibt’s kein Camping. Wir suchen weiter und finden Leonhard mit einer Jagdbüchse und seinen Kumpel mit einer doppelläufigen Schrotflinte. Beide sind Ranger des Massai Mara Reservation, in dem wir uns befinden. Klar können wir hier campen, wir sollen uns ganz frei fühlen. Leonhard muss nur mal mit seinem Boss telefonieren. Der will mich sprechen. Ich verstehe den Boss nicht, höre nur Kindergeschrei im Hintergrund und gratuliere ihm zu seinem Nachwuchs. Leonhard lacht sich kringelig. Nach weiteren Telefonaten erklärt mir Leonhard, wir sollen 30$ pro Person bezahlen, dass wir hier im Busch stehen. Mir schwillt der Kamm. Ich frage ihn vor der sich mittlerweile versammelten Menge Leuten, wieviel er im Monat verdient. Bereitwillig sagt er 200$. Also, er könnte dann etwa 3 Nächte mit seiner Frau hier draußen verbringen und hätte noch 20$ übrig. Leonhard guckt etwas indigniert, wir verabschieden uns und fahren die saumäßige Piste zurück.
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Koexistenz Zebras, Moppeds

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Gnu

Wir kommen ans Ololo Gate des Nationalparks, es bleibt nicht mehr viel Zeit bis zum Sonnenuntergang. Ja klar können wir campen, direkt hinter dem Gate. Es kostet 30$ pro Person. Ich soll mit dem Boss sprechen. Der Boss ist unschlüssig, sein Kassierer nicht. Er rechnet uns vor: 30$ pro Person, plus 70$ Eintritt in den Park, der Campground liegt 10m hinter dem Gate, plus 120$ für das Auto, macht 320$. Wir fahren weg und haben Glück: Wir finden auf einer trockenen mit Büschen bewachsenen Schwemmebene einen romantischen Buschplatz und werden nur von einem Hund gefunden, der neugierig hinter einem Busch vorguckt. Wie immer sind wir sehr leise und stellen das Dach erst nach Sonnenuntergang auf und beginnen auch erst dann zu kochen. Ist es erst dunkel, so um 19 Uhr, kommt kein Afrikaner mehr in den Busch, denn dort gibt es Geister und Elfen, die dem Normalafrikaner nicht wohlgesonnen sind. S01.26167 E034.89830

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Toyo im Busch

Freitag 14.10. 2016

Wie immer, wenn wir im Busch schlafen, stehen wir um 6:00 Uhr auf, wir wollen nicht von den Leuten aus dem nächsten Dorf geweckt werden. Wir werden nicht gestört und fahren in Richtung Homa Bay am Viktoria See entlang, auf einer teilweise sehr schlechten Piste, aber mit fantastischen Ausblicken auf den See.

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Gekonnt

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In Mbita, direkt am See gibt es ein internationales Forschungszentrum. Die Wissenschaftler dort beschäftigen sich mit Insekten, vornehmlich mit Mücken. ICIPE heißt der Verein, der hinter einem Zaun in gepflegten Gärten forscht und ein Guesthouse besitzt. Ich versuche anhand meines Tierarztausweises einen Rabatt zu bekommen und scheitere. Wir gönnen uns trotzdem ein blitzblankes Zimmer mit Blick auf den See und den Garten für etwa 75€ inclusiv Frühstück.

Wir essen dort auch, in dem etwas kargen Speisesaal, in dem die Bilder und die Namen der Direktoren aushängen. Von den 4 Direktoren des Instituts waren immerhin 2 Deutsche Professoren.

Wir fahren am nächsten Tag über einen Damm zur Insel Risumu. Die Rundfahrt ist entäuschend, auch die Luxus-Lodge, 650$ pro Tag und Person, können wir nicht besichtigen.
Auch Homa Bay ist kein Hit. Laut, viel Volk und Verkehr.

Im Kisumu Beach Ressort, dem verlodderten Platz, sind wir langsam Stammgäste und fahren wieder den Toyo direkt vor das Wellblechdach, unter dem es Strom und Wasser und keinen Regen gibt. Die Leute sind freundlich und freuen sich uns wieder zu sehen.

Wir haben beschlossen, doch noch um den Mt. Elgon herumzufahren und damit nach Uganda zurück-zukehren. Den ersten Versuch hat der Regen und meine Erkrankung verhindert. Also  fahren wir wieder über Kakamega (herrlicher Name), wo wir den Nakumatt-Supermarkt plündern, zur Lodge eines alten, weißen, keniatischen Paares, in deren wunderschönem Garten man campen kann und von den zahlreichen Jack-Russel-Terriern begutachtet wird. N01.17732 E035.10858 Sirikwa Lodge/Barnleys House.

Markt.JPGMarkt

Montag 17.10. 2016
Der nette Kenianer gibt uns noch einen Tipp, wie wir schneller zum Mt. Elgon kommen, leider finden wir die Piste nicht und  fahren durch Kitale, auf der A 1, die hier ein einziges Schlagloch ist.
Wir kommen an den kleinen Grenzübergang in Suma.
Hier werden wir geradezu freundschaftlich abgefertigt. Die Kenianer kennen sich mit dem Carnet aus, die Ugander nicht. Ich erkläre dem Zollbeamten, wo er seine Stempel setzen muss. 20$ Straßenbenutzungsgebühren will er trotzdem haben.
Und dann kommt die Immigrationsmamma. Ihre etwa 2 Jahre alte Tochter flüchtet vor den Mwuzungus und verwechselt Mammas dicke schwarze Beine mit denen von Sigrid. Sie erkennt den Fehler und landet letztlich auf Mamas Arm, wo sie unsere Pässe mit Mama studieren kann. Unser Visum ist noch gültig, stellt diese fest, nur leider haben wir nur eine einmalige Einreise. Wir hätten besser ein Ostafrikavisum nehmen sollen. Ich sage ihr: her damit, sie: gibt es hier nicht. Sie verschwindet mit Pässen und Kind, ist kurz darauf wieder da und hat den Stempel im Pass. Wir versuchen noch etwas mit dem Kind zu spielen, das vor Entsetzen zu schreien beginnt, so dass wir „es kommt die Maus die Treppe rauf“ mit Mama spielen. Und dann kommt die Frage nach dem Geschenk fürs Kind!

Die Piste rund um den Berg ist nicht so schlecht wie erwartet, die Anstiege sind nicht so steil, wie uns erzählt wurde. Es gibt schöne Blicke in die Täler. Wir sind erstaunt, wie dicht besiedelt die Gegend ist.

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Sipi Falls

In dem Ort Sipi Falls fallen Schnösel über uns her, die uns auf ihren wohl gerade eröffneten Campingplatz lotsen wollen. Wir fahren auch auf den Platz, doch uns ist „Moses Campground für den Preis, den sie haben wollen, zu primitiv. So fahren wir ein klein wenig weiter zu „Crows Nest“, der Platz ist genauso primitiv, hat aber den Vorteil eines schönen Blickes auf den Wasserfall, dafür kostet er auch mehr. Dieser Platz ist bei Backpackern beliebt. Ein holländisches Paar beobachtet interessiert unsere Fahrmanöver mit dem Toyo, um den einzigen Stellplatz zu erreichen.
Eine sehr schmale Fahrspur führt sehr steil hinab. Im rechten Winkel geht es weiter hinab, das letzte Stück ist nur rückwärts-abwärts zu bewältigen, weil die Kurve zu eng ist.
Sigrid ist stocksauer über den Platz, Plumsklo, Dunkelduschen fast ohne Wasser. Es klappert auch noch ein Wellblechdach im aufkommenden Wind, was eine unterhaltsame Nacht verspricht.
Der Wind schläft zu unserem Glück ein.
Wir sind keine großen Wanderer, sparen uns den Tagesmarsch zum Fuße des Wasserfalls, machen ein paar Fotos vom Wasserfall und hauen am
Dienstag, 18.10. 2016 ab.
Von Soroti aus wollen wir über die Halbinsel Amolatar im Lake Kyoga zu einer kleinen Fähre fahren.

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Es wäre einfacher, die Baggerschaufel hochzuheben, als drunter durch zu fahren

Unser Navi kennt den Weg nicht, so dass wir wie nach Altväter Sitte mit Karte und Leute-Fragen navigieren. Wir hatten gehofft, dass die Halbinsel nur gering bevölkert ist, und haben uns geirrt. So wird die Suche nach einem Buschplatz für die Nacht zum Glücksspiel.
Wir fahren eine kleine Piste entlang und schlagen uns in die Büsche über einen Rinder-Trampel-Weg. Zwischen den Büschen finden wir einen Platz, werden aber auch schnell von Schnöseln entdeckt, die durch das Gebüsch im Eiltempo auf uns zu rennen. Wir verschwinden bevor sie uns erreichen, und beschließen, nach Sonnenuntergang wiederzukommen. Erfahrungsgemäß treibt sich kein Afrikaner im Dunkeln im Busch herum, denn dort erwachen die Geister.

Bis zum Sonnenuntergang fahren wir zu einem kleinen Dorf am See.Lake Kioga.JPG

An unserem Stellplatz werden wir nicht mehr gestört und bewundern das nächtliche Wetterleuchten, das die Wolken modelliert und die Bäume wie Schattenrisse aussehen lässt. Das ist besser als jedes Feuerwerk. N01.61280 E032.82721

Mittwoch 19.10. 2016

Wir erreichen die Fähre in Namasale, die wohl gerade angekommen ist. N01.48978 E032.61374.
Bereits um 9:45 Uhr legt sie mit uns ab. Weil wir angeben, dass Sigrid starke Rückenschmerzen hat, darf sie als Beifahrerin sitzenbleiben. Sonst müssen alle Passagiere zu Fuß auf die Fähre gehen. Wieder sind wir erstaunt, dass Fähren kostenlos sind. Auch der Lake Kyoga, durch den der Nil fließt ist voller Wasserhyazinthen und voller Fischerboote.

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Die Fähre braucht ziemlich genau 1 Stunde, in der ich zwei Männern Auskunft gebe, wie es in Deutschland aussieht, und dass sie keine Chance haben, dort Arbeit zu finden, geschweige denn ein Visum zu bekommen. Dass es auch in jedem Dorf fließend Wasser aus der Wand und elektrischen Strom in jedem Haus geben soll, glauben sie mir nicht.

Unsere Piste führt uns genau zum ZIWA Rhino Sanctuary. Wir sind bereits um 12:30 Uhr dort.

N1.44852° E32.07780°.
Wir wollten hier immer schon einmal die weißen Nashörner besuchen. Das letzte Mal, als wir hier vom Murchison Fall vorbeikamen, hat es geregnet wie aus Kübeln. Doch heute ist es trocken, und wir können um 16:00 Uhr mit einem Ranger zu Fuß zu den Nashörnern.
Wir richten uns auf dem Campingplatz ein, so dass wir im Falle von Regen direkt unter ein Dach gelangen können.
45$ pro Person kostet der Besuch der Rhinos, gemessen an den Eintrittspreisen in die Nationalparks, fast geschenkt. Der Campingplatz kostet noch einmal 10$ pro Person, dafür ist er mit dicken Eisenrohren eingezäunt, damit kein Nashorn auf den Gedanken kommt, das Bier weg zu trinken.
Pünktlich stehen wir auf der Matte. Der Ranger erklärt, wir sollen mal unser Auto holen, weil wir ein wenig fahren müssten. Sigrid ist stinksauer, weil das nicht vorher gesagt wurde und wir das Auto ausgepackt und das Dach aufgestellt haben. Außerdem haben wir nur zwei Sitzplätze. Letztlich sitzt Sigrid auf einem Polster zwischen den Sitzen.
Wir fahren irgendwo in den Busch, steigen aus und nach einem kleinen Fußmarsch finden wir 6 Nashörner, die sich im Schlamm wie die Schweine suhlen. Das sechste hatte schon die Nase voll vom Dreck und war dabei wie ein Bagger, den Kopf hin und her schwenkend, Gras in sich hinein zu schaufeln. 150kg benötigt so ein Rhino pro Tag.

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Es ist ziemlich beeindruckend, diesen Kolossen bis auf 15m Entfernung auf die dicke Pelle zu rücken.
Es sind alles weibliche Tiere, die Bullen leben alleine und streifen einsam durch den Busch. Zu diesem Schutzareal sind die Rhinos aus aller Welt gebracht worden, selbst aus Disneyland in Orlando (Florida), so ist es kein Wunder, dass auch eines Obama heißt. Das Areal ist 75000 qm groß und mit Elektrozaun umgeben. Hinter jeder Gruppe und hinter jedem einzelnen Nashorn steht rund um die Uhr wenigstens ein Ranger. 18 Jungtiere sind seit der Einrichtung der Anlage vor 25 Jahren hier geboren worden.
Und dann erfährt unser Führer über Funk, dass noch eine Mutter mit Kind in der Nähe ist. Mutter 1.JPGDie kalbführenden Tiere leben auch alleine, um den Nachwuchs besser schützen zu können.

Das Kalb ist etwa 3 Monate alt und ist ein kleiner Bulle. Mit etwa 50 kg wurde er geboren und hat jetzt ein Gewicht von 150 kg erreicht und beginnt Gras zu fressen.

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Als wir abends im Restaurant neben einer lauten deutschen Touristengruppe essen, kommt der Oberranger und erklärt, dass sich hier im Dunkeln rund um das Restaurant, das ebenfalls mit dicken Stahlrohren eingezäunt ist, Bullen rumtreiben. Wir müssen einen Ranger bitten, uns zum Campground zu begleiten. Tun wir dann auch, begegnen aber keinem Bullen.
Sigrid ist überzeugt, in der Nacht Schnauben gehört zu haben, das von einem vagabundierenden Bullen gestammt haben könnte.

In einem Rutsch fahren wir am
Donnerstag 20.10. 2016 zurück nach Kampala und nach einem kurzen Stopp zum Einkaufen in der Shoprite-Mall und nach einem Tomaten-Ingwer-Süppchen dort, sind wir wieder im Red Chilli, wo wir wie alte Bekannte begrüßt werden. Da wir zwei Tage bleiben wollen, stellen wir das Heckzelt auf, was bei ein wenig Sind schon schwierig ist und mich an den Rand eines Nervenzusammenbruchs bringt.

Am nächsten Morgen kommt der Wolkenbruch pünktlich, als Sigrid unter der Dusche des Red Chilli steht. Sie wickelt sich in ihr Handtuch und kommt zurück zum Auto. Kurz darauf scheint die Sonne und wir waschen gemeinsam mit einer Amerikanerin, die für 14 Tage ihren Sohn besucht, der hier irgendwie den Leuten beibringen will, wie sie ein Tagebuch auf den allgegenwärtigen Smartphones schreiben können.

Am Sonntag, 22.10. 2016 verschwinden wir wohl erst einmal endgültig aus Kampala. Die Stoßstange ist voll Wasser zum Duschen im Busch, der Wein und das Bier sind gebunkert. Ich tanke den vorderen Tank bei Lyantonde voll. Auf dem Weg zum Mburo Nationalpark, zeigt uns unser Navi einen Buschplatz zum Übernachten an. Da fahren wir hin, treffen den Platz zwar nicht genau, aber schleichen uns unbemerkt über die Trampelpfade der Rinder in den Busch. Wir stehen so einsam, dass wir es wagen noch bei Sonnenschein zu duschen.
Gerade, als wir abendessen, kommt eine Gruppe der langhornigen Rinder an, wir versperren ihnen den Weg. Sie glotzen, entscheiden sich aber dann 5m von uns entfernt vorbeizutrotten. Sigrid ist das ein wenig unheimlich, die Hörner sind auch wirklich furchteinflößend. Ich verzichte darauf, die Kamera aus dem Auto zu holen, um die Viecher nicht zu beunruhigen und möglicherweise eine Suchaktion der Hirten herauf zu beschwören.
Zwei Hirten kommen dann am
Montag, 23.10. 2016 morgens, als wir dabei sind einzupacken. Nein, die Erlaubnis, eines Irgendwers hier zu übernachten haben wir nicht eingeholt und deshalb verschwinden wir auch ganz schnell. Doch vorher prüft einer der Hirten unserer Macheten auf ihr Qualität und fordert wie selbstverständlich eine der zwei Macheten für sich. Sigrid schnappt sich die Dinger, verstaut sie und die beiden trollen sich auf der Suche nach ihren Rindern, die sie gegen Parasiten impfen wollen.
Wir trollen uns auch.

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Mal wieder im Busch

In Ntugamo betanke ich den hinteren Tank des Toyos mit 168 l. Der Diesel ist in Rwanda doch deutlich teurer als in Uganda.
Eigentlich wollen wir noch einmal im Busch übernachten, bevor wir nach Ruanda fahren. Wir verlassen die Hauptpiste und fahren eine kleine Piste im Grenzgebiet Tanzania, Ruanda, Uganda, an der Grenze des Ibanda Game Reservats. Die Gegend ist dicht besiedelt, an den Berghängen ziehen sich Bananenplantagen entlang, es gibt hier keine Chance im Busch zu verschwinden.
Wir fahren zurück auf die Hauptpiste und kommen zu einem nagelneuen Grenzübergang in Katitumba. Alles verläuft nett, völlig problemlos. Nur der rwandische Immigrationsbeamte schwatzt uns ein Ostafrikavisum für 100$ pro Person auf, das drei Monate für Rwanda, Kenia, Uganda und Tanzania gelten soll. Wegen unserer möglichen Ausreise nach Tanzania nehmen wir dies. Später lacht sich Paul kringelig, weil dieses Visum eben nicht (!) von Tanzania anerkannt wird.
In Ruanda einen Buschplatz zu finden ist aussichtlos. Ein Campingplatz am wunderschönen Bunjonji See entpuppt sich als Disco, wir verschwinden schneller, als wir gekommen sind und fahren durch bis zu Louise und Paul in Kigali.

Paul, Louise und Ryangombe, der sichtbar gewachsen ist, freuen sich uns wieder zu sehen, wir freuen uns auch, wieder in Kigali bei guten Freunden zu sein.

Louise hat noch nie einen Elefanten gesehen! Das geht gar nicht und wir beschließen alle zusammen in den Tarangire Nationalpark in Tanzania zu fahren, der eine Elefantengarantie bietet. Dazu benötigt Ryangombe – Mausebär einen Ausweis. Paul und ich finden im Internet nach langem Suchen ein Antrags-Formular in Kiniarwandi für unehelich geborene Kinder. Damit nicht genug. Louise benötigt erst zwei, jetzt schon drei Zeugen aus ihrer Nachbarschaft, die bestätigen, dass sie nicht verheiratet ist. Dafür gibt es ein Formular und notwendige Besuche bei dem Bezirksvorsteher, der eher selten zu erreichen ist.
Zwei Zeugen sind gefunden, jedoch ist das Zeugnis nicht formgerecht, so dass es nicht anerkannt wird, und zwei neue Zeugen gefunden werden müssen.
Die Passfotos von Ryangombe sind geknipst, alle Formulare sind ausgefüllt und –oh Wunder- die Passbehörde erkennt alles an. Der Pass für das Baby wird für die nächste Woche in Aussicht gestellt.

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Seit April wartet unser Mixpaar auf die Geburtsurkunde von Louise, damit Paul seinen Emil Rubius (Ryangombe Mausebär) bei der deutschen Botschaft anmelden kann. Ein Formular wurde im Geburtsdorf Louises ausgefüllt und irgendwann sollte ein Gerichtshof die Angaben bestätigen. Tat er nicht, weil ein Fehler im Formular gefunden wurde. Das Formular muss erneut ausgefüllt werden, der Dorfvorsteher oder sein Pendant hier in der Hauptstadt sind Phantome, die nicht zu finden sind.

Nach langem Suchen des verantwortlichen Beamten, wird das Formular als korrekt anerkannt. Irgendein Gericht bestätigt die Geburt von Louise, deren Tante beim Justizministerium schaltet sich ein und Paul zieht mit einem Packen gestempelter Formulare zur Deutschen Botschaft, nur um zu erfahren, dass das auf Kiniarwandi verfasste Gerichtsurteil übersetzt und die Übersetzung vom Justizministerium beglaubigt werden muss.
Zwischendurch besuchen wir den Stammtisch im Restaurant der Deutschen Metzgerei, wo bei Dicker Backen Musik sich die deutsche Gemeinde Kigalis trifft.

Prüfungen der Frustrationstoleranz

Die Tage ziehen sich. So schnell, wie ich die Bürokratie hier beschreibe arbeitet sie nicht.
Tag um Tag drängeln wir die beiden auf die Ämter. Tag für Tag kommen sie unverrichteter Dinge zurück, weil eine Unterschrift fehlt und der entsprechende Beamte nicht aufzufinden ist, oder ein Zeuge fehlt, der gefunden werden muss, oder der Zeuge aus afrikanischen Gründen nicht anerkannt wird, oder es gerade keine Sprechzeit ist, oder, oder, oder.

Endlich hat Ryangombe seinen ruandischen Pass. Aber die Vaterschaftsanerkennung auf der deutschen Botschaft ist noch nicht erfolgt. Seit April ist Paul wohl halbherzig dabei seinen Sohn zum Deutschen zu machen. Louise steht der Deutschmachung skeptisch gegenüber, sie sieht keinen Vorteil in einer zweiten Staatsbürgerschaft. Wir erklären ihr die Vorteile eines der besten Pässe in der Welt, und siehe sie ist einverstanden. Hoffentlich ist sie auf der deutschen Botschaft auch einverstanden.

Gonzo soll den Beschluss des Gerichtes zur Ausstellung einer Geburtsurkunde für Louise ins Englische übersetzen, weil die Deutsche Botschaft das gerne so hätte. Gonzo kommt irgendwann und übersetzt und bleibt, säuft den Whiskey aus und verschwindet endlich als es dunkel ist. Er ist wohl ein ziemlich hohes Tier und tritt in Talkshows auf.
Ich tippe seine handschriftliche Übersetzung des Gerichtsentscheids ab und bekomme Louise schon am nächsten Tag dazu, meine Übersetzung zu lektieren. Gonzo muss natürlich die Abschrift korrigieren. Er ist ein hohes Tier und nicht zu erreichen. Tage später, zwischendurch wurde Ryangombe geimpft, ist Gonzo im Büro und stellt wenige Fehler fest und seine Nichtzuständigkeit; denn klar, das Justizministerium, welches die Übersetzung beglaubigt, will einen vereidigten Übersetzer haben. Nachdem ich die Korrekturen eingearbeitet habe und das Internetcafé wieder Strom zum Ausdrucken der korrigierten Fassung hat, wird tags drauf ein vereidigter Übersetzer gesucht und gefunden und die Übersetzung abgegeben. Irgendwann teilt der mit, dass die Übersetzung ok sei, er aber zur Beglaubigung mit zum Justizministerium müsse, mit dem Termin sei das so eine Sache. Tage später sind Paul und Louise beim Ministerium, der Übersetzer fehlt. Tage später sind alle drei beim Ministerium nur um zu hören, dass nur zwei Notare beglaubigen dürfen, wovon eine im Schwangerschaftsurlaub ist, der andere aber lässt viele Stempel auf die Übersetzung setzen und beglaubigt ungelesen das Dokument.
Tage später: Termin bei der Deutschen Botschaft. Vaterschaftsanerkennung, Sorgerechtsverfügung, Pass-Antrag. Und zwei Tage später hat Ryangombe einen Deutschen Kinderreisepass!!

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Essgewohnheiten:

Die schon beschriebene German Butcherie von Roland ist so sauber, dass wir Tartar mitnehmen und roh mit Eigelb und Zwiebeln angerichtet zum Frühstück essen. Louise gruselt’s, aber sie probiert ein winziges Stück. Es schmeckt ihr nicht, rohes Essen, insbesondere Rohes Fleisch sind nicht ihr Ding. Die Geschichten, die sie als Kind im Dorf über die Muzungus gehört hat, erzählt sie, stimmten also doch. Die Muzungus essen kleine Negerkinder. Ulkig, bei uns wurde erzählt, die Schwarzen sind Kannibalen, die insbesondere die Missionare im großen Kessel kochen.

Wasser:

Das Wasser tröpfelt nur noch aus dem Hahn. Im Gegensatz zu unserem ersten Besuch in Kigali, wo das Wasser nur aus einem Hahn tröpfelte und jeder Tropfen in Kanistern aufgefangen wurde zum Kochen Duschen und Toilettenspülung, tröpfelt es nun aus allen Hähnen und aus der Dusche. Freundlicherweise funktioniert die Wasseruhr, die im Garten zwischen zwei aus dem Erdboden ragenden Rohren montiert ist, auch nicht.
Paul beschließt der Angelegenheit auf den Grund zu gehen und schraubt mit großem Einsatz eben diese Rohre auseinander, um festzustellen, dass feiner Kies die Rohre verstopft und die Wasseruhr blockiert.
Am nächsten Tag stellt Sigrid fest, das Wasser fließt mit reichem, vollem Schwalle mit Kies angereichert.
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Elektrizität:

Stromausfall ist eigentlich selten in Kigali, nicht öfter als alle zwei Tage mal kurz, nicht länger als eine Stunde. Nun ist er weg, seit mehr als einer Stunde und kommt auch nicht wieder. Wir verbringen den Abend unter unserer Campingleuchte. Auch zum Frühstück gibt es keinen Strom. Am Stromkasten checkt Paul, ob noch genügend Guthaben vorhanden ist, denn hier wird bei der Tankstelle eine Karte gekauft mit Pincode, der am Stromkasten eingegeben wird, worauf Strom fließt. Prepaid Strom.
Wir packen die kühlbedürftigen Lebensmittel aus dem warmen Kühlschrank in den Toyokühlschrank und zerkleinern Ryangombes Futter mit dem Mixstab am Toyo, der ja 220 Volt erzeugen kann.
Die nächste Nacht unter der Campingleuchte, die der Toyo brav mit seinen Solarzellen tagsüber wieder aufgeladen hat, wenn es mal nicht geregnet hat.
Kein Strom beim nächsten Frühstück, was Louise doch veranlasst mal beim Energieversorger anzurufen.
Ja, so meint der zuständige Strommensch, das sei bekannt, dass Ihr keinen Strom habt. Das liege an der vergrabenen Leitung, die sei verrottet. Aber es sei vor dem Haus bereits ein Strommast gesetzt worden, man müsse das Haus nur noch anschließen, was bereits morgen erfolgen könne.
Er sei allerdings nicht zuständig, die von der Gammelleitung betroffenen Haushalte zu informieren, das sei eine andere Behörde.
Am nächsten Tag erscheint tatsächlich ein Bautrupp mit einem Elektriker, der ohne dass der Strom angeschaltet wird, eine Alu-Leitung vom Mast zum Haus zieht, sie dort irgendwo annagelt und sie einfach mit den Kupferdrähten des Hausanschlusses verdrillt und ein wenig ab isoliert. Gruselig.

Die rwandische Gesellschaft ist derart katholisch und konservativ, dass eine unverheiratete Frau mit Baby mit dem Verlust ihrer sozialen Reputation zu rechnen hat, besonders, wenn das Kind auch noch von einem Muzungu gezeugt wurde. Louise möchte heiraten, manchmal, manchmal nicht, Paul meistens manchmal nicht, obwohl ich ihm dazu rate, denn es würde sich an seiner persönlichen Situation nicht viel ändern, jedoch etliche Probleme mit der rwandischen Bürokratie reduzieren, z.B. die Visumbeschaffung. Also beschließen wir, den beiden, sozusagen als vorgezogenes Hochzeitsgeschenk, motivierende Trauringe zu kaufen.
Mit Louise fahre ich in die Stadt (mal wieder nicht korrekt gekleidet, T-Shirt und Sandalen geht eigentlich nicht) und Louise führt mich in einem abgewohnten Einkaufszentrum zu einem Juwelier, vor dessen Verkaufstresen sich maximal zwei Kunden drängeln können. Das Angebot an Schmuck ist überschaubar, aber immerhin hat er etwa 10 Trauringe zur Auswahl. Der Verkäuferin erkläre ich, Louise sei meine Tochter und wir suchten jetzt Ringe aus. Louise ist die Situation peinlich, weil der Bräutigam nicht zugegen ist, was beim Kauf von Trauringen anscheinend gegen die guten Sitten verstößt. Ich lasse einen klassischen Gelbgoldring hervorkramen, die Form, die zu tausenden an deutschen Ehefingern steckt. Vielleicht wagt Louise nicht zu widersprechen, vielleicht gefällt er ihr. Ich kaufe die Ringe, zahle sie an, denn sie werden der Fingergröße entsprechend angefertigt. Mein Ringfinger sollte eigentlich der Dicke von Pauls Ringfinger entsprechen, der immerhin einen halben Kopf größer ist als ich.
Abends laden wir die beiden noch zum Essen ins La Galette ein, dessen deutscher Besitzer, Erich, uns herzlich begrüßt.

Paul kommt auf den glorreichen Gedanken, einen Toyota RAV4 von seinem Autohändlerfreund in Italien nach Rwanda zu bringen. Wir besuchen eine Logistic-Firma, deren Büro so versteckt ist, dass wir es erst finden, als ein charmantes Mädchen uns im Wolkenbruch aufliest und uns klitschnass in sein Büro bringt, wo es mit strahlendem Lächeln erzählt, Autos aus Italien nach Rwanda über Dar es Salaam, sei sein täglich Brot und gar kein Problem. Kosten könne es uns zwar nicht nennen, aber der Boss sei morgen wieder da, und Paul könne ja morgen, nach dem täglichen Regen, wiederkommen, um mit dem Chef zu sprechen.
Das tut Paul und siehe, er bekommt einen detaillierten Kostenvoranschlag.

Mittwoch, 26.10. 2016 die leckeren Nürnberger Würstchen aus der deutschen Metzgerei oder etwas anderes, sind Sigrid nicht bekommen. Sie hat Magen und Darm und liegt, wenn sie nicht auf der Toilette ist, den ganzen Tag im Bett. Aber sie ist zäher als ich. Abends krabbelt sie schon wieder und isst ein trockenes Brot.

Donnerstag, 27.10. 2016

Louise und ich holen die Ringe ab, sie sehen gut aus, werden aber profan in einem Briefumschlag verpackt. Ich sacke sie ein, soll doch die Übergabe ein wenig feierlich sein. Von der Fête de Dote ist noch eine Flasche Moet-Champagner übriggeblieben, die ich kaltstelle.
Nach dem Essen kommt der Moment. Der Sekt knallt, ich hole den Briefumschlag aus meiner Hosentasche, leer. In den Tiefen meiner Schlupfhosentasche haben sich die Goldstücke versteckt. Louise guckt ein wenig erschreckt, als ich ihr den großen Ring gebe, kapiert aber genauso schnell wie Paul, dass sie sich die Dinger gegenseitig auf die Finger schrauben sollen. Das tun sie denn und das Erstaunliche, sie tragen sie auch m nächsten Tag. Louise ist ganz stolz, Pauls Gynäkologenfinger sind doch dünner als meine, so dass er seinen Ring auf dem Mittelfinger trägt. (Beim Zeigen des Stinkefingers, kommt er so besonders gut zur Geltung)

Der erste Ring.jpgDer Zweite Ring.jpg

Nun können wir endlich den Ausflug zum 1000 km entfernten Tarangire-Nationalpark in Tanzania in Angriff nehmen.

Doch vorab buchen wir unseren Rückflug nach Deutschland.

Freitag 18.11.2016

Im von Indern betriebenen Reisebüro ist die Wand hinter den Schaltern der Angestellten vollständig ausgefüllt von einem schönen Plakat des Tadsch Mahals, auf dessen Kuppel in schreiend roter Farbe ein Hakenkreuz gemalt ist. Dieses altindische Symbol wirkt auf uns etwas verstörend.
Wir verkneifen uns jeglichen Kommentar und bitten denn freundlichen Inder, einen Flug mit der türkischen Airlines nach Düsseldorf zu buchen, am 05.12. 2016. Das macht er ruck zuck, die Frage nach dem Rückflug erschrickt uns etwas, ich murmele etwas von vier Monaten später und schon ist der Rückflug nach Kigali am 04.04. 2017 gebucht. 2060,- $ will er dafür haben. Meine Frage, welche Karte er akzeptiere verwundert ihn, hier lacht Bargeld! Wo zum Teufel sollen wir 2060,-$ hernehmen? Wir vertrösten ihn auf später und fahren mit Paul nach Hause, um unsere Bargeldreserven zu zählen. Die Dollars reichen nicht, auch zusammen mit den Euros aus dem Autoversteck kriegen wir keine 2060,-$ zusammen. Wir müssen Ruandafranc aus dem Automaten ziehen und zusätzlich in Dollar wechseln, so dass wir auch den Eintritt in Tarangire zahlen können und noch ein paar Dollar für den Flug nach Hause übrig sind.
Während wir uns an dem einzigen Geldautomaten in der Stadt, der keine zusätzlichen Gebühren verlangt, anstellen, kommt das Gewitter. Wir schaffen es noch ins Reisebüro, als es zu gießen beginnt. Glücklicherweise (!) betreibt das Reisebüro auch eine Geldwechslerstube in der Nähe, so dass ein Angestellter mit unseren Euros und Ruandafrancs in den Regen geschickt wird, zum Wechseln. Klitschnass kommt er wieder mit einer Handvoll Dollars und wir bekommen unsere Buchungsbestätigung.

Sonntag, 20.11.2016

Wir packen den Tojo. Unser Tarangire-Ausflug soll wirklich losgehen. Mittags ist es endlich soweit, die Autos rollen vom Hof, Salomon und Jimmy mit dem Kaninchen auf dem Arm winken hinterher.

Bis zur tanzanischen Grenze geht es flott. Hier gibt es zwei überdimensionale Zollhöfe. Einer auf ruandischer Seite, nur für die Einreise nach Ruanda, einer auf der anderen Seite des Flusses und des Wasserfalls nur für die Einreise nach Tanzania. Hinweisschilder gibt es nicht, so dass wir erst einmal auf der ruandischen Seite vorsprechen und ein Berg von Zollbeamter dem kleinen dämlichen Muzungu genervt erklärt, dass er hier verkehrt ist, will er aus Ruanda raus und nach Tanzania rein.
Auf der richtigen Seite teilen wir uns auf. Louise geht zum Schalter für die Afrikaner, wir zu dem für Nichtafrikaner und zum Zollschalter. Paul reist mit seinem rumänischen Pass ein und spart so 50$ Visumgebühren. (Das Wort „warum“ gibt es in Afrika nicht) Unsere Autos sollen mit dem Carnet de passages ins Land. Der Zoll will uns zusätzlich ein laisser passer für 25$ pro Auto verkaufen. Alles Diskutieren, auch beim Zollchef, nützt nichts, nach einer Stunde dränge ich auf Aufbruch, denn die Zeitumstellung kostet uns auch noch eine Stunde. Sigrid ist genervt, Louise und Ryangombe sind in der weitläufigen Halle unterwegs und spielen. Endlich sollen die Carnets abgestempelt werden, für 25$, als natürlich der Abstempler seine Macht beweisen will und ersteinmal den Ausreisestempel aus Ruanda sehen will. Da Paul ein neues Carnet aktivieren will, d.h. der Ausreisestempel ist im alten, der Einreisestempel soll ins Neue, verkackt der Stempler das und pappt den Einreisestempel ins alte, abgelaufene Carnet und reist natürlich den Einreisezettel ab. Protest, Unverständnis, mehr Protest, er hat’s kapiert und tackert den Einreisezettel wieder an, streicht den Stempel durch. Eigentlich könnten wir losfahren, müsste Paul nicht bei seinen Eltern anrufen, um die letzten ruandischen Einheiten auf seinem Handy abzutelefonieren. Er hat viele Einheiten drauf und die Sonne geht unter.

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Die Straße ist die Hauptverbindungsstraße vom Hafen Daressalam zum hafenlosen Ruanda. Schwerverkehr quält sich von tiefem Schlagloch zu steinbruchtiefen Schlagloch. Der aufgewirbelte Staub ist unglaublich, die Sicht stark eingeschränkt. In der Finsternis wird es gruselig. An einer Waage-Station für die LKWs will Paul nach einer Übernachtungsmöglichkeit fragen, als mir mein Navi einen Buschplatz zeigt, mit dem Hinweis, es sei hier sehr leise. Mit nicht mehr als 20 kmh qälen wir uns durch die Schlaglöcher und den Staub, immer mit der Angst einen unbeleuchteten LKW zu übersehen oder trotz Licht im Staub übersehen zu werden. Gutes Navi! Es führt uns in eine kleine Piste und zu einem wirklich ruhigen Stellplatz. S02.86061 E031.10783
Wir kochen noch schnell Spaghetti und mixen Ryangombes Brei. Der Kleine ist immer noch gut drauf und quengelt nicht. Louise überwindet ihre Angst im Busch zu übernachten und ist glücklich, dass keine Schlangen, giftige Spinnen, böse Tiere und Buben und keine Geister auftauchen. Geht doch.

Dienstag 22.11.2016
Die Gegend wird immer trockener und ärmlicher. Zahlreiche abgemagerte Ziegen und Rinder überqueren die gute asphaltierte Straße. Wir sind in der Massaisteppe. Loise wundert sich über die kleinen Pferde. Sie hat noch nie vorher Esel gesehen. Wir versprechen ihr, dass sie einen anfassen wird. An einem schönen großen Baobab halten wir an, damit Louise und Ryangombe ihren ersten Baobab anfassen können.

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Montag 21.11. 2016

Die Asphaltstraße wird etwas besser und wir kommen ganz gut voran. In der Nähe von Igunga suchen wir im letzten Tageslicht einen Platz. Das Navi zeigt ein großes Wasserreservoir, auf das wir zufahren. Eine sehr steiler ausgewaschene Piste führt hinab zum Wasser. Etwas entfernt vom Ufer, wir haben Angst, dass uns dort zu viel Schlamm erwartet, finden wir am Schilfgürtel einen Platz.
S04.35430 E033.86691. Es fahren zwar Moppeds vorbei und Ochsengespanne, wir werden aber zufriedengelassen.
Wir sitzen schon im Auto, der Motor läuft, als zwei Moppeds angebrummt kommen und uns stoppen. Vier Leute stehen am Seitenfenster und einer von denen, der Übersetzer, stellt den Bürgermeister, des nächsten Dorfes vor, der unhöflich blafft „What is your Name“ Joswanorowitsch Dschugaschwilli, antworte ich ihm und erkläre, dass wir jetzt von hier verschwindenwerden, lege den Gang ein und weg sind wir. Sie verfolgen uns nicht auf ihren Moppeds. Später erzählt mir Paul, dass das häufig vorkomme. Der Bürgermeister verlangt, dass man sich in seinem Dorf anmelde und um Erlaubnis frage, in der Hoffnung ein paar Taler abzuzocken.

Dienstag 22.11.2016
Die Gegend wird immer trockener und ärmlicher. Zahlreiche abgemagerte Ziegen und Rinder überqueren die gute asphaltierte Straße. Wir sind in der Massaisteppe. Loise wundert sich über die kleinen Pferde. Sie hat noch nie vorher Esel gesehen. Wir versprechen ihr, dass sie einen anfassen wird. An einem schönen großen Baobab halten wir an, damit Louise und Ryangombe ihren ersten Baobab anfassen können.

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Singida ist der nächste größere Ort mit begrenzter Einkaufsmöglichkeit aber einem Markt, einem Restaurant, indem wir etwas essen und von einem deutschsprechenden Mischling belästigt werden. Hier kaufen wir Cabatta, ein Fladenbrot, das zum Frühstück gegessen wird und deutlich besser schmeckt als das pappige Weißbrot.
Wir steuern unseren Schlafplatz hinter dem Mt.Hanang (3417m) an dem trockenen Lake Balanginda an. Hier hatten wir schon am 07.08.2016 übernachtet und waren von den abgerissenen Kindern ziemlich belästigt worden. S 04.29980 E 035.42036
Die Kinder sind dieses Mal lästiger und verschwinden erst lange nach dem Dunkelwerden. De nächsten Morgen sind sie in großer Anzahl zurück und ausgesprochen lästig. Ihr Geschrei weckt uns. Von allen Seiten versuchen sie an das Auto zu gelangen. Für sie ist es ein Spiel uns zu nerven. Auch Louise hat kein Glück sie zu verscheuchen. Die Familie verzichtet aufs Frühstück und will lieber in einer Bretterbudenfrüstückskneipe Cabatta-Tea frühstücken. Wir fahren vor, in der Hoffnung einen unbelagerten Platz in der Wildnis zu finden, wo wir den Morgenschiss erledigen können. Die Kinder bleiben bei Louises Familie. Wir haben Glück.

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Mittwoch 23.11.2016

Bis Tarangire ist es nicht mehr weit. Paul fragt im Dorf vor dem Gate nach einem Campingplatz und wir kommen zu einem Platz, der uns nicht aus den Socken haut, aber preiswert ist. Handeln! Zur Begrüßung wird Ryangombe mit einer Kiste voller Papayas beschenkt. S 03.68172 E 035.94827
Wir essen abends in einem Restaurant Ziege und trinken warmes Bier.

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Donnerstag 24.11.2016

Auf zu den Elefanten!
Auf dem Weg zur Frühstücksbretterbudenkneipe  finden wir Esel, die von jungen Massai geführt werden. Louise kann endlich einen Esel anfassen.

Das Kummet hat bei den Tieren tiefe Wunden hinterlassen. Louise sieht es nicht und ich sage nichts.

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Nach der Frühstücksbretterbudenkneipe stehen wir um 8:30 am Gate.

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Ich schaffe es dem Ranger, der den Eintritt kassiert zu verklickern, dass unser Auto aus Ruanda ist. In Ruanda gibt es Nummernschilder mit schwarzer Schrift auf weißem Grund. So zahle ich 80$ pro Person, aber nur 10$ für’s Auto anstelle von 110$. Paul gerät an eine Rangerin, die sich nicht darauf einlässt. Er zahlt den vollen Preis, für Louise jedoch nur 20$, als Ostafrikanerin.
Schon nach drei Kilometern im Park steht die erste Elefantenherde auf der Piste. Louise und Ryangombe sind begeistert.

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Das bleiben nicht die einzigen. Im fast ausgetrockneten Flussbett des Tarangire sehen wir an diesem Tag etwa 200 Elefanten. Dazu Büffel, Giraffen, Zebras, Gnus, Impalas, Warzenschweine und die hier vorkommende Art der Dik-Dik.

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An einem Rastplatz tummeln sich die Touristen, die hier mit den typischen Safariautos durch Tarangire geschaukelt werden. Hier tummeln sich auch die Meerkatzen, die zum Gaudi der Touristen, diese beklauen und dafür noch gefüttert werden. Hier Mittagspause zu machen ist Stress. Eines dieser Mistviecher versucht mir eine Papaya aus der Hand zu reißen. Es ist unmöglich Obst aufzuschneiden, sie springen auf den Tisch. Ein Ranger versucht mit Steinwürfen diese Strafe Gottes zu vertreiben, mit mäßigem Erfolg. Louise, die so ein Affentheater nicht kennt, legt zur Freude der Affen ihren Müllbeutel vor das Auto und steht fassungslos vor dem Chaos, das sie damit angerichtet hat.
Von der Terrasse haben wir einen schönen Blick ins Tarangiretal, wenn die Affen nicht gerade versuchen die Kamera zu klauen. Einen erwische ich und stoße ihn vom Zaun. Ausgerechnet eine Mutti mit Baby unter dem Bauch, die mich giftig mit gebleckten Zähnen anfaucht.DSC_8422-001.JPG

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Wir wollen im Süden den Park verlassen und hetzen über die Piste, weil wir um 18:00 draußen sein müssen. Mein Navi zeigt kein südliches Gate an. Es gibt jedoch Schilder zu einem Rangercamp. Irgendwann gibt es die Schilder nicht mehr, dafür außer TseTse-Fliegen keine Tiere. Durch jeden Spalt kommen sie ins Auto und sind nur mit Insektenspray zu bekämpfen.
Wir kommen an ein verlassenes Gate. Das Gate ist verrammelt, die Hütten verlassen. Der Zaun ist allerdings kaputt, so dass wir das Tor umfahren können und den Park verlassen.Etwa S4.15631 E35.89430

Tiefe Schluchten hat ein kleiner Wasserlauf in die Landschaft gefräst. Nur Fußgänger können diese Schluchten passieren. Eine alte Frau zeigt uns die Umgehung. Wir kommen an eine Stelle, an der nur Toyos die 100% steile Abfahrt schaffen. Der Aufstieg auf die andere Seite ist nicht ganz so steil.

In der Nähe eines Dorfes finden wir einen Stellplatz. Es beginnt zu regnen, wir sitzen unter unserer Plane, während sich Paul mit Familie komfortabel in ihr Wohnmobil zurückziehen können. S 4.18633 E 35.77687.

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Unterwegs

Freitag 25.11 2016

In Singida auf dem Markt wird eingekauft. In Tanzania si

nd die Lebensmittelm deutlich billiger als in Ruanda, so dass Louise und Paul, nach langen Verhandlungen, 30 kg Reis einkaufen und kistenweise Mangos. Wir haben in der Zwischenzeit einen Metzger gefunden. Ein Rastaschnösel, der bereits am Auto rumlungerte, entpuppt sich als Metzger. Als Lebensmittelhygieniker gruselt mich sein Anblick. Am Haken hängt eine frisch erschlachtete Ziegenleber, die gesund aussieht. Hiervon möchten wir ein Stück haben, um es abends als Lebergeschnetzeltes zu essen. Paul und Louise kommen und führen die Verhandlung um den Preis auf Suaheli. Am Finger trägt der Rastaschnösel einen Fellring vom Schwanz der Ziege. Als er mit den so geschmückten Händen die Leber beschneiden will, flippe ich aus. Paul bremst mich lachend. Recht hat er, ich sollte nicht versuchen, den Leuten hier Hygiene beizubringen. Die Leber hat geschmeckt!
Wir finden in einer stark erodierten Landschaft zwischen Dornenbüschen einen Stellplatz bei dem Dorf Shelui. S 4.36917 E 34.25547 Da es wieder zu nieseln beginnt, spannen wir unsere Plane auf. Kurz darauf kommen zwei Typen auf dem Mopped angeknattert aus dem nahen Dorf Timbwa. Sigrid und ich lassen uns nicht blicken und überlassen den beiden Afrikanern die Verhandlungen. Es handelt sich um den Bürgermeister von Timbwa, der jetzt möchte, dass wir uns jetzt und sofort im Rathaus in das Gästebuch eintragen. Paul kennt dieses Theater, während es für uns neu ist. Wir hatten uns immer so gut versteckt, dass uns keiner gefunden hat. Nach gut einer Stunde, es ist zwischenzeitlich dunkel geworden, einigen sich alle, dass wir am nächsten Morgen im Rathaus erscheinen sollen, um die Formalitäten zu erledigen.

Es beginnt wieder zu regnen, wir kochen unter der Plane und reichen das Lebergeschnetzelte mit Reis der Familie im Wohnmobil.

Samstag 26.11. 2016
Paul und Louise wollen tatsächlich ins Dorf zum Bürgermeister. In dem Lehmhüttendorf mit einigen gemauerten Häusern suchen wir das Rathaus und finden es nach einiger Fragerei. Es ist ein richtigens Haus mit einem leeren Raum. Das Büro des Bürgermeisters ist klein. Es passen ein Tisch und fünf Stühle hinein. Das zerfledderte Gästebuch wird nach einigem Palaver auf Suaheli hervorgekramt und wir tragen uns ein. Wir kommen alle aus Kigali. Ich vermisse die Frage nach Geld. Sie wurde wohl auf Suaheli gestellt und von Paul freundlich abgelehnt. Dafür fragt er nach Wasser, was er leider nicht bekommen kann, weil aus dem Hahn auf dem Dorfplatz kein Wasser kommt, was den Bürgermeister betrübt.
Die neue Asphaltstraße führt durch die nördliche Spitze des Kigasi Game Reserve. Neben der Straße auf der alten Piste finden wir einen schönen Stellplatz. S 3.42520 E 31.78694.
Am nächsten Morgen werden wir von einem jungen Ma

nn gefunden, der sich etwa 20m von uns hinter einem Baum zu verstecken sucht, um zu glotzen.

Sonntag 27.11. 2016

Auch Holzkohle ist in Tanzania billiger, also kaufen die beiden Holkohle. Hierbei kommt es auf das richtige Gespür an; denn oben auf den Säcken liegt

häufig Kohle guter Qualität, während sich darunter minderwertige Kohle findet.

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Etwa 80kg wiegt so ein Sack. Zwei davon werden gekauft; denn zu Hause kochen Jimmie, der Bruder Louises und der Domestik Salomon mit Holzkohle, die ihnen von Louise und Paul, ebenso wie Reis und Maniok zur Verfügung gestellt werden. Dafür beträgt Salomons Monatslohn etwa 15€ bei einer 60 Stundenwoche.
Die Grenze überqueren wir problemlos, doch leider wird es dunkel. Finsternis, tausende von Fußgänger und unbeleuchtete Fahrräder sind unterwegs. Die Autos fahren entweder ohne Licht oder vollaufgeblendet. Ich eiere hinter Pauls Auto hinterher, immer in der Angst, ihn zu verlieren; denn nach wie vor wird jede Lücke ausgenutzt, um zu überholen. Außerhalb der Ortschaften ist es noch dunkler. Der linke Scheinwerfer wird fast vom angeschraubten Hijack verdeckt, was die Beleuchtung weiter einschränkt. Ich habe nie vorgehabt im Dunkeln auf Afrikas Straßen unterwegs zu sein, deshalb hat der Wagenheber dort nie gestört. Irgendetwas quietscht am Auto, so als wenn ein Keilriemen durchrutscht oder eine Kugellager heiß läuft. Kommt ein Dorf hört das Geräusch auf und setzt außerhalb der Ortschaften wieder ein. Ich brauche eine lange Zeit, um zu diagnostizieren, dass die Grillen in den Büschen an der Straße dieses Quietschen verursachen.
Glücklich kommen wir ohne Unfall in Kigali völlig erschöpft an.
Die restliche Zeit bis zum Abflug am 05.12. 2016 verbringen wir damit unsere Klamotten zu reinigen zu trocknen und für unsere Abwesenheit einzulagern.

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Während Louise sich von Jimmie und Salomon entflechten lässt.

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Unsere Mission impossible wurde mit Erfolg gekrönt. Die beiden haben das rechtswidrige Kunkubinat beendet und am 21.12. 2016 geheiratet.

Während ich dies schreibe, bereiten wir unseren Rückflug nach Kigali vor. Paul hat festgestellt, dass eine Starterbatterie am Toyo kaputt ist. Er springt nicht mehr an. Unsere erste Aktion wird also sein, neue Starterbatterien zu kaufen, die es, wie Paul sagt, problemlos zu kaufen gibt.
Afrika ruft uns wieder und wir kommen zurück.

Zurück in Afrika

 

Pünktlich stehen wir am vierten April am Schalter der türk hava yolari am Düsseldorfer Flughafen. Der Deutschlandurlaub ist zu Ende, der Frühling ist in unserem Garten ausgebrochen, doch wir fliegen fort. Afrika ruft. Leider können wir dem Ruf nicht folgen; denn THY hat den Anschlussflug von Istanbul nach Kigali gestrichen. Wir können die nette Schalterdame überreden, auch unseren Flug von Düsseldorf nach Istanbul auf den nächsten Tag umzubuchen, damit wir nicht in Istanbul übernachten müssen. Unsere 60 kg Gepäck wuchten wir zurück ins Auto von Sigrids Eltern, wir fahren wieder nach Hause.
Louise und Paul, die wir über WhatsApp benachrichtigen, glauben es nicht so richtig, dass wir mit 24 stündiger Verspätung ankommen werden.
Wir landen pünktlich 5 Minuten nach Mitternacht in Kigali. Es steigen nur etwa 10 Leute aus, die anderen fliegen weiter nach Entebbe (Uganda). Ein Trupp sehr gut genährter junger Leute aus Deutschland, die eine Entwicklungshelferin in Uganda besuchen wollen, ist enttäuscht, als ich ihnen erzähle, dass sie soeben über den Äquator geflogen sind und es nicht bemerkt haben. Sie freuen sich, als ich ihnen erkläre, dass sie auf dem Weg nach Entebbe, den Äquator noch einmal überfliegen, dieses Mal von Süd nach Nord.
Ein großes Schild weist auf das Ostafrikavisum hin, das für die Staaten Ruanda, Uganda und Kenia gilt. Das wollen wir haben, ermöglicht es doch auch mehrere Einreisen nach Ruanda für drei Monate. Gibt es hier am Flughafen leider nicht, flüstert die Einreisebeamtin. Wohlwissend, dass jede Diskussion genauso ergebnislos verlaufen wird, wie die Frage, warum sie denn dann ein Schild mit dem Hinweis darauf aufgehängt haben, bezahlen wir unsere 30 $ pro Person für 30 Tage Ruanda. Bevor wir die Abfertigungshalle verlassen dürfen, müssen wir unsere Plastiktüte mit den Einkäufen aus dem überteuerten Duty Free Shop in Istanbul abgeben, alles wie gehabt.

Draußen vor dem Flughafengebäude, hier dürfen nur Leute mit gültigem Flugschein hinein, warten Louise, Paul und Ryangombe Mausebär Emil Rubius. Letzterer hat zwar laufen gelernt, uns aber vergessen und fremdelt.
Paul hat ein „neues“ Auto gekauft. Einen 20 Jahre alten Landcruiser Prado, mit dem wir komfortabel durch das menschenleere nächtliche Kigali gondeln, bis uns zwei schwer bewaffnete Polizisten an einer Kreuzung stoppen. Sie verlangen die Versicherung zu sehen und sind nicht zufrieden mit dem Papier, das Paul ihnen reicht. Die Versicherung ist seit drei Jahren abgelaufen, die „Visite Technique“ (TÜV), erst seit zwei Jahren. Einer von den beiden sturmgewehrbewaffneten markiert den dicken Macker. Louise, mit dem schlafenden Mausebär auf dem Arm flötet in den süßesten Tönen auf Ikinyirwanda. Paul und ich haben die Hoffnung aufgegeben, noch mit diesem Auto weiterfahren zu können, deshalb maule ich den Typen an, er sei grausam, Mutter mit schlafendem Kind hier festzuhalten und außerdem sei das nicht sehr gastfreundlich, alte Leute, die gerade hier angekommen sind, so zu frustrieren. Ob es an meiner Meckerei lag, oder an Louises Liebenswürdigkeiten, das Wunder geschieht, die Männer mit den Maschinengewehren lassen uns weiterfahren.
Unser Toyo erwartet uns mit der kaputten Batterie. Paul hat den größten Batteriehändler Kigalis ausfindig gemacht, den wir die nächsten Tage besuchen und eine passende Batterie finden. Er wird die zweite passende in seinem Lager suchen und wider jeglicher Erwartung findet er sie. Wir kaufen und bauen sie ein.

Wir beschließen, Louises Mutter und Großmutter im Dorf an der südlichen Spitze des Kivusees, im Ländereck Burundi, Kongo, Ruanda zu besuchen. Danach lade ich die drei ein, In Kibuye am See im Resort der Presbyterianer noch zwei Tage zu verbringen.
Paul hat die Wohnkabine seines Hilux‘ abmontiert, sie steht auf Stelzen im Garten, er will sie auch noch nicht wieder aufbauen, da wir ja nicht im Auto schlafen werden.

Wir kaufen die Gastgeschenke für Mutter und Großmutter, eine Flasche Weichspüler und 2 X 2 Liter Speiseöl für die Oma, so kann sie eine Flasche vor den Nachbarn retten, die sie sonst um das Öl bitten würden und man im Dorf verpflichtet ist abzugeben. Eine 5 Liter Flasche wäre so ruck zuck leer.01 Colobo.JPG

Unser Weg führt uns durch den Dschungel des Nyungwe Nationalparks auf über 2600m Höhe. Die Colobo-Affen sitzen am Straßenrand und schauen uns hinterher. Der Abstieg zum Kivusee, zur Stadt Kamebe erfolgt schon spät am Nachmittag, so dass wir im Dunkeln am Schultor ankommen. Auf dem Schulhof sollen wir sicher die Autos abstellen und können über einen Trampelpfad Louises Haus, in dem ihre Mutter wohnt und als Heilerin arbeitet, erreichen. Moise, ein Cousin von Louise, holt uns ab. Wir begrüßen die Mutter herzlich, sie freut sich sichtlich uns zu sehen, die Flasche Weichspüler wird überreicht und dankend entgegengenommen. Moise, dem sein christlicher Glaube Alkohol verbietet bekommt eine eisgekühlte Dose Skol-Bier, er revanchiert sich mit lauwarmen Primusbier. Unser Zimmer ist ein fensterloser Raum mit einer Matratze und einem Moskitonetz und dann ist mal wieder die Elektrizität weg im Dorf. Auf so etwas sind wir immer vorbereitet, Stirnlampen und Solarlampen werden zum Abendessen aktiviert. Mausebär fremdelt stark gegenüber seiner Großmutter. Die Enttäuschung, dass der Kleine nicht zu ihr kommt, ist groß.
Zum Pinkeln gehen Männlein und Weiblein erst einmal hinters Haus auf eine kleine Grasfläche, das Klo, das wir am nächsten Morgen im Licht besichtigen, ist auch am Tag zu gruselig. In einem separaten Bretterverschlag sind dicke Holzdielen über eine Grube gelegt, die in der Mitte ein Loch aufweisen. Hier vergeht selbst mir der Morgenschiss.
Auch die Küche befindet sich in einem separaten Anbau und hat so gar nichts mit einer europäischen Hochglanzküche zu tun.

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Nach den obligatorischen Familienfotos einschließlich der Nachbarin, der gerade ein Baby gestorben ist, so dass sie nur noch acht Kinder zu versorgen hat, nehmen wir Abschied von der Mutter und fahren mit Moise ins Haus seiner Mutter, der Schwester von Louises Mutter.

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Wir kommen an einem Stall vorbei, in dem nicht nur eine Familie wohnt, sondern auch Louises Kuh lebt. Wie Louise zu einer Kuh gekommen ist und warum die in dem Stall dort im Dreck steht, haben wir nicht kapiert. Die Kuh hat ein Kalb bekommen, was auch Louise gehört und es müssen Fotos von der Kuh gemacht werden. (Kuh im Hintergrund)

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Zwischendurch kaufen wir auf einem Dorfmarkt ein, was einen Menschenauflauf verursacht. „Muzungus“ werden hier nur selten gesehen und wir werden bestaunt wie die Weltwunder.
Pauls leere Ladefläche des Hilux erweckt die Begierde mitgenommen zu werden. Nachdem Paul seine Zustimmung gegeben hat, klettern Menschenmassen auf seinen Hilux, der sichtbar in den Federn versinkt.

Auch die Ankunft am Hause ihrer Tante führt zum Auflauf im Dorf. Muzungus im Hause einer Dorfbewohnerin sind eine Sensation.

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Bevor wir das Haus betreten dürfen, müssen wir die Hände waschen. Wir haben zu viele Hände geschüttelt, es könnte auch die Hand eines Zauberers darunter sein, der über die Hand, die er schüttelte, einen bösen Zauber ins Haus bringt. Auch Mausebärs Pfötchen werden geschrubbt. Das Haus ist luxuriös mit Bad und Toilette, Ziegenstall und Anbau für die Küche. Moise ist sichtlich stolz es zu präsentieren. Wir erfahren, dass Moise seit seiner Geburt HIV positiv ist, vielleicht ein Grund, weshalb sich seine Mutter so gut wie überhaupt nicht blicken lässt.

Die Oma wohnt ein paar Kilometer weit weg und geht am Stock. Sie bewohnt ein blitzsauberes Gehöft in dem sich kurz nach unserer Ankunft die Nachbarn zum Neugieren versammeln.

 

 

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Oma begrüßt uns herzlich und freut sich sichtlich uns wieder zu sehen. Aus ihrer Hütte holt sie verblichene Fotos, die ihre frühere Schönheit beweisen. Wir bewundern auch ein Foto von Mobutu mit Leopardenfellmütze, das in ihrer Hütte einen Ehrenplatz einnimmt.

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Am nächsten Tag ist Oma etwa fünf Kilometer bis zu dem Haus gehumpelt, in dem wir nächtigten, damit wir sie zu einer Klinik fahren, in der ihr grauer Star operiert werden soll. Ein tropischer Regensturm ergießt sich, als Oma auf ihren mannshohen Stock gestützt halbblind in die Klinik stolpert. Wie wir später erfahren, wurde Oma von dem extra aus der Hauptstadt angereisten Spezialistenteam nicht operiert.

Wir verlassen das Dorf unter Anteilnahme aller Bewohner und fahren auf der kurvigen Asphaltstraße immer am See entlang nach Kibuye, der Stadt, die im Genozid 1994 besonders gelitten hat. (Hierher hatten sich zahlreiche Tutsis geflüchtet, die hofften ans andere Ufer, in den Congo zu gelangen. Sie wurden fast alle ermordet.) Die Fahrt führt am schönen Steilufer des Sees entlang und Louise kann die Kurverei nicht vertragen und kotzt.
Im Hotel verbringen wir zwei schöne Tage, Louise und Paul freuen sich, dass sie im Kivusee schwimmen können. Louise, die in der Zwischenzeit Schwimmen gelernt hat, freut sich im See unterzutauchen, was den kleinen Mausbären, der ihr zusieht, völlig aus der Fassung bringt. Noch lange, nachdem Mama wieder aufgetaucht ist, ist er nicht zu beruhigen.

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Zurück in Kigali stellen wir fest, dass unsere Elektronik zur Aufladung der Zusatzbatterie und der Starterbatterien auch nicht funktioniert. Die Starterbatterien werden nicht geladen. Per Telefon stellt Christian in Deutschland die Diagnose, dass wir den Originalregler der Solarzellen überbrücken sollen und das Kabel der Solarzellen direkt an die Elektronik anschließen sollen. Die Suche nach einem entsprechenden Kabel gestaltet sich mehr als schwierig. Elektrokabel für Autos scheint es hier nicht zu geben. Nur gut, dass ich in dem Paket mit den Ersatzöldruckdämpfern für das Hubdach, dass ich vor unserem Abflug nach Kigali geschickt habe, auch einen Lötkolben gepackt habe. Mit dem lötet Paul die Kabel um und versucht auch gleich noch einen Ventilator für den Computer anzulöten, damit dieser nicht den Hitzetod erleidet. Nach endloser geduldiger Arbeit funktioniert nichts mehr. Der Monitor des Computers zeigt etwa 3 Minuten ein Bild und bleibt dann schwarz. Alle Versuche, ihn zu erwecken schlagen fehl. Ich weiß nicht, ob es am Computer oder am Monitor liegt, baue also den Computer aus und mache mich auf den Weg in einem Computerladen einen Monitor zu finden, den ich an den PC anschließen kann. In einem Geschäft wird mir geholfen. Der PC funktioniert. Christian diagnostiziert telefonisch aus seinem Wohnwagen im Urlaub, der Monitor ist kaputt. Er sucht und findet einen neuen im Internet, den Petra dann für uns bestellt und nach Kigali schicken soll.
Wir warten also mal wieder auf ein Paket, das 14 Tage bis Kigali benötigt.

Diese vierzehn Tage wollen wir nutzen und planen gemeinsam mit der Kleinfamilie einen Ausflug zum südlichen Teil des Queen Elisabeth Nationalparks in Uganda, wo wir schon einmal eine Löwin im Baum gesehen haben. Vielleicht haben wir ja Glück und können Louise einen Löwen zeigen. Diese hingegen ist gar nicht begeistert, befürchtet sie doch, der Mausebär würde sofort von einem solchen Untier gefressen.

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Außerdem habe sie in einigen Tagen eine Journalistenversammlung, an der sie unbedingt teilnehmen muss. Wir beschließen, uns in einigen Tagen am Lake Nabugabo in der Nähe des Victoria Sees in Uganda zu treffen. Wir können ja telefonisch in Verbindung bleiben. S 0,34624°  O 31,88089°

Wir verabschieden uns und fahren erst einmal nach Gisenyi, wo wir wie immer bei den Presbyterianern absteigen und immer wieder dasselbe Zimmer bekommen. In der fruchtbaren Vulkanasche über dem Kivusee gedeihen Gemüse und Kartoffeln prächtig. Jetzt gerade ist Mohrrübenzeit und die Möhren werden kunstvoll in Säcke verpackt.

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Die Straße nach Gisenyi stürzt von über 2000m Höhe auf die Höhe des Kivusees hinab und auf ihr stürzen sich die Fahrradtaxis bergab mit einer Geschwindigkeit bis zu 70 km/h. Beladen sind sie mit allem, was transportiert werden muss, einschließlich Passagieren. Gebremst wird mit den Füßen.

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In jedem Wasserkanister befinden sich 20 l Wasser. Es werden gerade 120 kg Wasser transportiert und der LKW überholt.

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Am nächsten Tag fahren wir mal wieder über die ugandische Grenze. Der Chef des Zolls ist nicht da. Nur er kann das Carnet abstempeln. Nach einer Stunde Wartezeit überrede ich seinen Zollhelfer, mir endlich das Carnet abzustempeln. Ob ich denn früher dafür etwas bezahlt hätte, fragt er. Natürlich nicht!! Dass Uganda 25 $ Straßenbenutzungsgebühr verlangt, verschweige ich geflissentlich. Die Unterschrift des Zollbeamten setze ich schwungvoll selber auf das wichtige Papier und nach dem wir noch der Polizei einen freundlichen Besuch abgestattet haben, fahren wir nach Kisoro zum Virungahotel, auf dessen Baustelle wir nicht das erste Mal übernachten. S 1,28183°  O 29,69073°
In Kisoro tobt eine Kirmes. Uns wird bereits von dem Lärm übel und wir befürchten Schlimmes für die Nacht, doch ab 24 Uhr ebbt der Radau schnell ab.
Über kleine Piste und über das Dorf Rukungiri fahren wir durch eine bergige schöne Landschaft nach Norden und kommen in Ishaka auf die Asphaltstraße und finden, ziemlich erschöpft, das luxuriös aussehende Crane Ressort. Ich will bereits wieder fortfahren, während Sigrid meint, wie sollten uns den Luxus gönnen. Mehr Schein als Sein. Für 55.000 Uganda Shillinge, etwa 12€, bekommen wir ein Zimmer mit Bad nach afrikanischem Standard. Es geht zur Straße hin und ist dementsprechend laut. Essen können wir dort auch, aber leider nicht in dem großen Garten. S 0,54139°  O 30,13108°. Nach dem Frühstück, das ich bezahlen muss, begleiche ich das Zimmer und bekomme seltsamerweise keine Quittung.

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Hochzeitsgesellschaft mit dicker Backen Musik

Wir fahren in den nördlichen Teil des Queen Elisabeth Parks über den Kazinga Kanal, durch den der Nil vom Lake George zum Lake Edward fließt. Als wir in das Dorf Katwe einfahren, kommt uns ein Elefant entgegen, der gerade aus dem Dorf kommt.

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Bevor wir die Grenze des Parks erreichen, wechseln wir mal wieder die Nummernschilder, um den tanzanischen Eintrittspreis für Autos zu bekommen, der immerhin 100$ geringer ist als der für europäische Autos. Wir finden früh auf dem nagelneuen Campground des Katwe Information Centers Unterkunft für 20000 UGX,
etwa 5 € – S 0,14246°  O 29,88232° -, der bereits im Park liegt. Da wir aber noch kein Gate durchfahren haben, sparen wir die Eintrittsgelder. Schon bald fragt uns ein Herr Richardson, ob wir den Salzsee besichtigen wollen. Wir wollen. Richardson besticht durch umfangreiche botanische, chemische und historische Kenntnisse, die uns in Erstaunen versetzen. Nur 1,5 Kilometer vom Süßwasser des Lake Edward entfernt liegt der Lake Katwe, ein Kratersee, dessen Wasser aus einer
18% igen Salzlake besteht. Seit Jahrhunderten wird hier Salz gewonnen, das der See aus den Tiefen des Vulkans löst. Die Leute leben im Salz, das Ganze wirkt wie ein Bild aus einem dystopischen Film.

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Die Leute hier gewinnen Salz nicht nur durch Verdunstungsbecken, sondern sie bauen den Salzgrund des Sees ab, in dem sie bis zur Brust im Wasser stehend, den Boden mit Stangen aufbrechen und Salzschollen im Gewicht von 100kg auf kleinen Flößen an Land bringen.

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Die Menschen dürfen offiziell nur zwei Tage in der Woche arbeiten. Der Salzsee trocknet sie aus und sie müssen trinken „wie die Büffel“. Es wird Viehsalz hergestellt, aber auch weißes, graues und rosa Speisesalz.
Am nächsten Tag fahren wir in den Nationalpark, zahlen 40 $ pro Person Eintritt und 10$ für das Auto dank unseren tansanischen Nummernschildern.
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Pavian hat hat uns nicht verpetzt

Der Park enttäuscht uns. Die Attraktion ist wohl eine Bootsfahrt auf dem Kanal, der die beiden Seen verbindet, was wir uns allerdings wegen der mitfahrenden betrunkenen Briten sparen.

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Außer einigen Antilopen und Elefanten weit weg, sehen wir keine Tiere.

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Impala in der Salzlecke

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An einer eigentlich gesperrten Piste im Park begegnen uns dann doch noch in jedem kleinen Wasserloch Hippos, die sauer sind, dass wir sie stören.

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Wir verlassen den Park und übernachten mal wieder im Rhino Sanctuary in einem Zimmer, da der Campground gerade gemäht wird. Rhinos sehen wir diesmal nicht, aber einen tollen Vollmond.
Am nächsten Tag sind wir wieder im Red Chilli in Kampala; an der Poolbar werden wir wie alte Bekannte begrüßt, bekommen ohne zu fragen unser Bier und die Rapmusik wird gegen Songs von den Beatles getauscht. Stammkunden-Service.
Pünktlich sind wir am Treffpunkt am Lake Nabugabo, wo uns die Platzwartin Maria auch schon wie alte Freunde begrüßt. S 0,34624°  O 31,88089° Gerade, als wir uns einen trockenen Stellplatz auf dem ziemlich überschwemmten Gelände suchen, erreicht uns ein Anruf von Paul. Die Konferenz von Louise habe sich verlängert und es gäbe Probleme mit dem Container voller leerer Weinflaschen, den er finanziert habe, um gemeinsam mit Katrin, der Schnapsbrennerin, Wein zu keltern. Wir sind sturzsauer, konnte er nicht früher Bescheid sagen. Wie sich jedoch herausstellt, waren wir aufgrund unserer Probleme mit dem Telefon nicht erreichbar gewesen.
In Masaka lasse ich das Öl wechseln und wir fahren mal wieder nach Kampala, um von dort in den Norden, in den Kitepo Nationalpark zu fahren, der an der Grenze zum Süd Sudan liegt.
Wir überqueren mal wieder die offizielle Quelle des Nils , dort, wo er aus dem Victoriasee hinausfließt.

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Wir übernachten vor dem Park in einem Lateritsteinbruch und versinken bei dem Gewitter im Schlamm.

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Im Kitepo Park buchen wir einen Campingplatz für 9$.
Dann machen wir uns auf den Gamedrive und sind wieder enttäuscht.

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Wir finden Gazellen und grimmige Büffel

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Einige junge Amerikaner, die im Süd Sudan (kein Platz um Ferien zu verbringen) arbeiten, sagen uns, wo ungefähr sie einen Löwen gesehen haben. Wir gondeln los und finden den wohl einzigen Löwen im Park.

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Irgendwann reicht‘s mit der Rumgondelei und wir fahren zu unserem Camp.

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Es ist schon dunkel, als ein Landcruiser mit Rangern bei uns ankommt, und einen jungen Ranger mit Gewehr, Zelt und ohne Taschenlampe rausschmeißt. Der arme Kerl soll uns die Nacht bewachen. Ich leihe ihm wenigstens eine Lampe, damit er sein Zelt aufbauen kann.

 

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8 Gedanken zu “Afrika ruft

  1. Hallo Otto,
    alles Liebe zu Deinem Geburtstag. Wir hoffen es geht Euch gut, da wir schon lange nichts mehr von Euch gehört haben. Wir haben leider Deine Handynummer verkrost sonst hätten wir Dich angerufen

    Nochmals alles Gute und Liebe

    Holger und Dagmar

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  2. Hallo Ihr zwei Weltenbummler!
    Wir wünschen Euch ein schönes Weihnachtsfest auf dem warmen Kontinent. Weiterhin tolle Reiseerlebnisse und viel Gesundheit wünschen Andrea und Sven aus dem kalten, aber nicht verschneiten Berlin.
    Wann gibt es denn die nächsten Einträge im Reisebericht? Es müsste ja wieder viel passiert sein und Eure Texte sind toll geschrieben. 🙂

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  3. Ihr lieben Hasotts, lange nichts mehr von euch gelesen, hoffe es ist alles in Ordnung?
    Weiterhin viel Spaß und bleibt gesund.
    Das liebste große Kind!!! Mit Anhang natürlich…

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  4. Hallo ihr zwei!
    Wir sind aus Griechenland und hatten viel spannendes zu lesen. Auch wir hatten damals mit Schlamm zu kämpfen, auch dein Krankenhaus -Besuch erinnerte mich an meinen in Goa. Alles in allem haben wir das Gefühl, es geht besser auf euren schon bekannten Wegen. Haltet euch fit, das beste für eine gute Weiterfahrt, die wir mit Spannung verfolgen.
    Lieb Grüße
    Helga und „Winni“

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  5. HALLÖCHEN LIEBE SIGRID; LIEBER ERNST-OTTO ! ICH BEWUNDERE EURE Kondition ! ES IST SPANNEND HOCH 3 – VON EUCH ZU LESEN ! HERZLICH GRÜSSE EURE HEIDI

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